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Interview mit Nina Gummich

Interview mit Nina Gummich

Nina Gummich entstammt einer Leipziger Schauspielerfamilie. Ihre Mutter Anne-Kathrin Gummich ist Schauspielerin und Regisseurin, ihr Adoptivvater Hendrik Duryn ist als “Der Lehrer” bekannt. Gummich selbst war schon in “Babylon Berlin” und der dritten Staffel von “Charité” zu sehen.

Jetzt spielt sie die Hauptfigur in der ZDF-Serie “Theresa Wolff”, eine Rechtsmedizinerin. Ihre Rolle ist selbstbewusst und unbequem. Außerdem mischt sie sich gern in die Mordermittlungen der Kollegen ein und spricht mit den Toten. Ihr Motto: “Wer den Tod verstehen will, muss erstmal das Leben verstehen.”

"Ich kann für einige Wochen alles sein!"

Frau Gummich, worauf darf man sich in der neuen Krimireihe in und um Jena freuen?

Nina Gummich: Man darf sich auf vieles freuen: ein gutes Schauspielensemble – allen voran auf meinen sehr geschätzten Kollegen Thorsten Merten -, den unvergleichlichen Zauber der Thüringer Landschaft und den erfrischenden, mutigen Blick einer jungen Frau, die als neue Institutsleiterin der Rechtsmedizin nach Jena kommt und die dort alteingesessenen Herrschaften ordentlich aufwirbelt.

Was verbindet Sie als gebürtige Sächsin mit Thüringen?

Nina Gummich: Ein Teil meiner Familie stammt aus Thüringen, einige sogar aus Jena. Bevor ich Vegetarierin wurde, hat mich vor allem eins mit Thüringen verbunden: die gute alte Thüringer Rostbratwurst! Jetzt genieße ich vor allem die Landschaft – diese Mischung aus Weitblick und Bergen ist wirklich einmalig. 

Sie spielen in “Theresa Wolff” eine Gerichtsmedizinerin. Würde Sie der Job auch in echt reizen?

Nina Gummich: Ich glaube, ich wäre zu emotional, um eine echte Gerichtsmedizinerin zu sein. Allerdings liebe ich genau das an meinem Job als Schauspielerin: Ich kann für einige Wochen einfach alles sein!

"Theresa Wolff ist genauso emanzipiert wie ich"

Glauben Sie, dass die tägliche Konfrontation mit dem Tod die Furcht davor eher erhöht oder mindert?

Nina Gummich: Ich glaube, dass es ein tabuisiertes Thema in unserer Gesellschaft ist. Das kann so weit gehen, vollständig auszublenden, dass es uns alle irgendwann treffen wird, indem wir versuchen, uns ewig jung zu halten. Ich denke, das Thema in unser Leben zu integrieren, würde uns helfen, besser damit umzugehen und vielleicht auch eine gewisse Akzeptanz zu entwickeln.

Wie viel Nina Gummich steckt in der resoluten Theresa Wolff?

Nina Gummich: Wir sind auf einer ähnlich unbedingten Suche nach Wahrheit, teilen den gleichen Humor und die Neugierde für das Entdecken unbekannter Dinge. Außerdem ist Theresa Wolff genauso emanzipiert, wie ich es auch bin – und fühlt sich als Frau in ihrer hohen Position wohl und zu Recht an ihrem Platz.

Mit Ihrem Kollegen, Kriminalhauptkommissar Robert Brückner, geraten Sie immer wieder einander. Was unterscheidet die beiden so elementar?

Nina Gummich: Der Hauptkommissar Robert Brückner ist für mich jemand, der es sich “bequem” gemacht hat und seinen Stiefel weiterhin so fahren will, wie er ihn immer fährt. Ganz im Gegensatz zu Theresa – sie ist unbequem: Sie ermittelt, obwohl sie dazu überhaupt nicht berechtigt ist, übersteigt mutig nicht nur ihre eigenen Grenzen und entwickelt frische, moderne Methoden, die jenseits der “normalen” Denkstrukturen stattfinden: Sie redet beispielsweise mit den Toten, als wären sie noch da, um deren Leben besser begreifen zu können.

"Wer weiß, wo mich das Leben noch hintreibt"

Theresa Wolff zieht von Berlin zurück nach Jena. Wollen Sie auch irgendwann in Ihre alte Heimat Leipzig zurückziehen?

Nina Gummich: Im Moment fühle ich mich in Potsdam sehr wohl. Allerdings ist Leipzig immer eine Option geblieben. Wer weiß, wo mich das Leben noch hintreibt. Vorstellen kann ich es mir.

Wann gibt’s weitere Filme?

Nina Gummich: Gerade erst fiel die erste Klappe für Teil zwei. In diesem Fall werden wir tiefer in die Biografie und Vergangenheit von Theresa Wolff schauen. Wir haben uns getraut, die “Gespräche” mit den Toten weiter auszubauen und in der Inszenierung unkonventioneller zu werden. Ein Weg, den ich genauso weiterverfolgen möchte. Jetzt freuen wir uns auf die Ausstrahlung des ersten Teils am 9. Oktober, Teil zwei wird im nächsten Jahr zu sehen sein.

Sie spielten bis 2018 auch am Theater. Vermissen Sie die Bühne?

Nina Gummich: Vor ein paar Tagen habe ich die letzten zwei Karten für das ausverkaufte Rainald-Grebe-Konzert in der Kulturarena Jena bekommen – und wenn ich da so sitze und zuschaue, könnte ich ehrlich gesagt sofort auf die Bühne springen und mitmachen. Ich bin mit einigen Theatern im Gespräch – im Moment drehe ich allerdings so viel, dass ich auch froh bin, wenn ich mal einige Wochen Urlaub habe.

Warum haben Sie sich für die Arbeit als Film- und Fernsehschauspielerin entschieden?

Nina Gummich: Das Theater hat mich auf einer Ebene auch beschränkt, viele meiner Kollegen kennen das. Ich habe ein größeres Freiheitsbedürfnis, und das kann ich jetzt ausleben.

Sendetermin des ersten Films der neuen Krimireihe “Theresa Wolff”:

  • “Home Sweet Home”: Samstag, 9. Oktober 2021, 20:15 Uhr im ZDF
  • bereits ab Samstag, 2. Oktober 2021, 10:00 Uhr in der ZDFmediathek
| Steffen Rothhaupt | 6. Oktober 2021