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Interview mit Rita Falk

Interview mit Rita Falk

"Eine gewisse Verantwortung"

Buchmesse Frankfurt. Ich bin mit der Bestsellerautorin Rita Falk zum Gespräch verabredet. Der Verlag wollte mir zuvor (vergeblich) einen anderen Schriftsteller für ein Interview nahelegen. Rita Falk sei einfach extrem gefragt. Das stimmt. Für die Signierstunde, die nach unserem Interview anberaumt ist, stehen schon jetzt Dutzende von Menschen Schlange. Zuvor war sie zu einem Live-Interview beim Deutschlandfunk. 

Gehetzt wirkt sie trotzdem nicht. Entspannt sitzt sie in einer Nische, die komplett im Eberhofer-Look gehalten ist: Mustertapete, Lebkuchenherz, Rita-Falk-Porträt. Dem sieht sie in natura überraschend ähnlich. Ich beginne mit einer Bestandsaufnahme … 

Frau Falk, gerade ist Ihr zehnter “Eberhofer”-Krimi erschienen. Wieder die Nummer 1 der Bestsellerliste, die Verfilmungen ein Kracher im Kino und TV – und dann noch ein Kreisverkehr nach Ihrem Franz Eberhofer benannt. Was kann eigentlich noch kommen? 

Rita Falk: Das frag’ ich mich selber nicht. Ich lass’ mich überraschen. Was ich mich frag’, ist: Was schreib’ ich als Nächstes? Alles andere lass’ ich auf mich zukommen. Ich plane wenig. 

Wie weit geht denn die Planung? 

Rita Falk: Immer nur von Teil zu Teil. Ich hab’ momentan noch so viel Spaß am Eberhofer und an Niederkaltenkirchen, und so lange die Leser mit dabei sind und auch noch die Freude haben, seh’ ich keinen Grund, das zu beenden. Ich würde mich überhaupt nicht festlegen und sagen, ich mach’ jetzt noch drei Teile oder fünf … 

Verstehe. Dabei hatte ich schon eine Vision: Opa Franz hat Pauls Kinder auf dem Schoß und füttert sie mit Leberkässemmeln … 

Rita Falk: (lacht herzlich) Also wenn, dann füttert er sie definitiv mit Leberkässemmeln. Aber nein: Das ist viel zu weit gedacht. Ich hätte auch nie einen Vertrag abgeschlossen, der mich verpflichtet, noch so oder so viele Teile zu schreiben. Die Verfilmungen sind ja sehr erfolgreich. 

Wie erleben Sie die? Haben die auch wieder Auswirkungen auf die Bücher? 

Rita Falk: Auf alle Fälle! Ich hab’ beim Schreiben jetzt immer die Schauspieler vor Augen. Vorher waren das meine Fantasiegestalten. Aber dadurch, dass alle Rollen so besetzt wurden, wie ich sie auch besetzt hätte, ist das für mich so authentisch und so logisch – einfach einmalig! Momentan wird der sechste Teil gedreht. Ich fahr’ gleich am Montag zum Set und freu’ mich total drauf. 

Ist “Regionalkrimi” für Ihre Eberhofer-Krimis ein Kompliment oder eine Herabwürdigung? 

Rita Falk: Das ist überhaupt nicht herabwürdigend! Provinz ist überhaupt nichts Negatives! Ich wohn’ in der Provinz, ich liebe die Provinz. “Provinzkrimi” ist für den Eberhofer komplett richtig! 

"Wir leben halt auch im Paradies"

Warum sind Provinzkrimis gerade aus Südbayern bundesweit so erfolgreich – Rita Falk, Jörg Maurer, Andreas Föhr …? 

Rita Falk: Ich glaub’, dass viele Deutsche, wenn sie schon nicht in Bayern leben, doch gern hier sind – im Urlaub, im Fernsehen, im Buch. Ich glaub’, viele fühlen sich einfach wohl bei uns. Wir leben halt auch im Paradies!

 

Sie sind in Oberbayern geboren und in Niederbayern aufgewachsen. Ist beides Heimat für Sie? 

Rita Falk: Ja, das ist beides Heimat für mich, wobei Niederbayern ein bisschen mehr Heimat ist, weil ich da den größten Teil meines Lebens verbracht hab’. Ich persönlich mag an Niederbayern dieses Schnörkellose: keine Geranien vorm Balkon, keine Lüftlmalerei … Das ist erdiger, bodenständiger, weniger touristisch.

Im jüngsten Eberhofer-Roman tauchen Phänomene auf, die weder idyllisch noch lustig sind: Rassismus, sexueller Missbrauch in der Familie … Trotzdem jubelt die Kritik, der Roman sei “zum Brüllen komisch”. Komisch, oder? 

Rita Falk: Ich weiß nicht, ob alle diese Themen wahrnehmen, aber ich glaub’ schon, dass ein Großteil das sehr genau liest – und auch versteht. Das Leben ist einfach so, wie ich es darstelle, es passieren solche Sachen, und ich versuche schon, meine Bücher auch authentisch zu machen. Ich finde, so etwas muss angesprochen werden, man hat da eine gewisse Verantwortung.

Rita Falk und Matthias Roth

Rita Falk mit rtv-Chefredakteur Matthias Roth

Wenn Sie entscheiden müssten: Würden Sie lieber mit den Eberhofer-Romanen die Nummer 1 in der ewigen Bestsellerliste werden oder mit Ihren Büchern “Hannes” und “Funkenflieger” in die Literaturgeschichte eingehen?

Rita Falk: Also, ich will überhaupt nicht in die Geschichte eingehen. (lacht) Ich glaub’, da gibt’s viel wichtigere Menschen. Meine Verantwortung ist nur, den Lesern das Leben ein bisschen schöner zu machen. Wir leben heute in einer wahnsinnig anstrengenden Welt. Wenn man die Nachrichten anschaut, denkt man, man muss sich sofort die Kugel geben. Und die Leute legen sich abends oder am Wochenende auf die Couch und lesen den Eberhofer und vergessen das für ein paar Stunden. Das ist meine Verantwortung!

Zum Schluss eine ganz einfache Frage: Von der Bürofachkraft zur Bestsellerautorin – haben Sie dafür mal eben das Rezept?

Rita Falk: (lacht) Da gibt’s kein Rezept. Am richtigen Ort mit den richtigen Menschen zur richtigen Zeit. Das ist ja nicht mein Verdienst alleine. Da steht ja ein großes Team dahinter, das diesen Erfolg ausmacht!

| Matthias Roth | 29. Januar 2020