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Interview mit Senta Berger

Interview mit Senta Berger

"Es gibt mindestens so viele Höhepunkte wie Niederlagen"

USA, Italien, Frankreich und natürlich Deutschland: Die Schauspielerin Senta Berger feierte im Laufe der Zeit in vielen Ländern Erfolge. Schon 1950 begann sie als Komparsin in “Das doppelte Lottchen”. Zum 80. Geburtstag und damit 71 Jahre später zeigt das ZDF den neuen Fernsehfilm der Woche “An seiner Seite”, der bereits am Freitag (7.5.) um 20.15 Uhr bei ARTE zu sehen ist. Wir sprachen mit der gebürtigen Wienerin über den Film – und ihre bewegte Karriere.

Frau Berger, was wünschen Sie sich zu Ihrem 80. Geburtstag?

Senta Berger: Gutes Wetter, wie es sich für ein Maikind gehört. Und natürlich wünsche ich mir, dass ich mit meiner Familie und unseren Freunden feiern kann – ohne Mundschutz.

Wenn Sie auf Ihre Karriere zurückblicken, was war Ihr persönliches Highlight?

Senta Berger: Es gibt mindestens so viele Höhepunkte wie Niederlagen. So ist das nun mal in jedem Leben. Die Anfänge sind sicher immer das Aufregendste. Das allererste Autogramm. Zum ersten Mal deinen Namen auf einem Filmplakat sehen. Die erste Rolle in einem amerikanischen Film: “Geheime Wege” mit Richard Widmark. Das sind unvergessliche Momente. Ich war noch so jung, und das alles hat sich mir eingeprägt. Später sieht man die Welt, den Beruf und sich selbst kritischer. Das ist auch gut so. Die Highlights erlebt man dann mehr im privaten Leben.

"Geduld ist wohl das Schwerste"

Gibt es Dinge, die Sie heute anders machen würden?

Senta Berger: Mit dem Wissen von heute, ja, natürlich. Aber ich habe unter vielen falschen Entscheidungen ein paar richtige getroffen und kann eigentlich ganz zufrieden sein.

Was würden Sie jungen Schauspielerinnen und Schauspielern empfehlen, die heute am Anfang ihrer Karriere stehen und in der Branche durchstarten wollen? 

Senta Berger: “Durchstarten” ist ja ein furchtbares Wort – wer will denn durchstarten? In den Beruf der Schauspieler wächst man langsam hinein, so wie man als Mensch wächst und sich verändert. Der Erfolg kommt sicher nicht über Nacht. Ich kann den jungen Schauspielerinnen wenig empfehlen, das Arbeitsumfeld hat sich ja völlig geändert, aber eines kann ich sagen: Man braucht Standfestigkeit, Kraft und auch Geduld. Geduld ist wohl das Schwerste.

Ihr neuer Film “An seiner Seite” ist sehr berührend und beschäftigt sich mit vielen emotionalen Fragen rund um das Leben. Warum sollte man ihn sich ansehen?

Senta Berger: Genau aus den Gründen, die Sie genannt haben.

Denken Sie, dass sich die Menschen in Pandemiezeiten mehr mit solchen vielschichtigen Themen auseinandersetzen?

Senta Berger: Ja, das glaube ich schon. So vieles, was selbstverständlich erschien, ist es plötzlich nicht mehr. Es wird einem klar, was wirklich wichtig ist im Leben: Gesundheit. Freunde haben. Zu Konzerten gehen. Verreisen können. Das alles war doch, ohne darüber nachzudenken, möglich. Und ist es jetzt nicht mehr. So vieles fällt weg. Und es bleibt die Frage: Was ist wirklich wichtig im Leben?

"Ich will nicht um sechs Uhr morgens zur Arbeit fahren"

Ihre Rolle Charlotte Kler fühlt sich verloren und von ihrem Mann nicht wirklich wahrgenommen. Ihre Tochter Viola fühlt sich dagegen von ihrer eigenen Mutter im Stich gelassen. Warum ist Kommunikation in der eigenen Familie oftmals so schwierig?

Senta Berger: Vielleicht weil miteinander reden oft so schwer ist. Dinge aussprechen und zwar so, dass der andere es aushalten kann. Das will ja auch gelernt sein. Weil man vielleicht zu viel voraussetzt. Unter all den Auseinandersetzungen und Missverständnissen liegt doch fast immer der Satz: Aber ich mein’ es doch gut, ich hab’ dich doch lieb.

Ohne zu viel verraten zu wollen, hat das Ende trotzdem einen zuversichtlichen und optimistischen Touch. Wie wichtig ist das Ihrer Meinung nach?

Senta Berger: Ich habe es immer gut gefunden, wenn ein Filmende den Zuschauer nicht in die absolute Hoffnungslosigkeit entlässt.

Was haben Sie in Zukunft vor? “An seiner Seite” war doch nicht etwa Ihr letzter Film?

Senta Berger: Wer kann das wissen? Ich gehe in den Unruhestand und habe vieles nachzuholen. Meine Enkelkinder wachsen auf, es ist ein Vergnügen, sie zu sehen. Ich will noch einmal alle Bücher lesen, die in den Regalen stehen. Ich will mit meinem Mann zusammen sein und nicht zu irgendwelchen Drehorten fahren. Ich will nicht um sechs Uhr morgens zur Arbeit fahren. Ich bin kein Morgenmensch. Aber wenn eine Rolle kommt, die mir gefällt und die ich gut spielen kann – dann mach ich’s.

Sendetermine des Films “An seiner Seite” mit Senta Berger

  • Montag, 10. Mai 2021, 20:15 Uhr im ZDF
  • ab Montag, 3. Mai 2021, 20:15 Uhr in der ZDFmediathek
  • Freitag, 7. Mai 2021, 20:15 Uhr bei ARTE

Weitere Filme mit Senta Berger anlässlich ihres Geburtstags:

“Willkommen auf dem Land!“:

  • Montag, 3. Mai 2021, 13:45 bei ARTE und Samstag, 15. Mai 2021, 12:10 Uhr im ZDF

“Schlaflos”:

  • Dienstag, 4. Mai 2021, 20:15 Uhr bei 3sat

“Unter Verdacht – Verdecktes Spiel”:

  • Mittwoch, 5. Mai 2021, 23:25 Uhr bei 3sat

“Mama kommt!“:

  • Samstag, 8. Mai 2021, 12:10 Uhr im ZDF

“Almuth und Rita”:

  • Samstag, 8. Mai 2021, 16:00 Uhr bei 3sat

“Almuth und Rita – Zwei wie Pech und Schwefel”:

  • Samstag, 8. Mai 2021, 17:30 Uhr bei 3sat

“Mit fünfzig küssen Männer anders”:

  • Sonntag, 9. Mai 2021, 17:00 Uhr bei 3sat

“Die Hochzeit meiner Eltern”:

  • Sonntag, 9. Mai 2021, 21:45 Uhr bei 3sat

“Unter Verdacht – Evas letzter Gang”:

  • Mittwoch, 12. Mai 2021, 23:30 Uhr bei 3sat

“Zimmer mit Frühstück“:

  • Donnerstag, 13. Mai 2021, 12:10 Uhr im ZDF

“Unter Verdacht – Ein Richter“:

  • Donnerstag, 13. Mai 2021, 20:15 Uhr bei ARTE
| Steffen Rothhaupt | 30. April 2021