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Interview mit Sinje Irslinger

Interview mit Sinje Irslinger

"Schauspieler sind auch nur Menschen"

Sinje Irslinger ist zwar erst 24, hat als Schauspielerin aber schon einiges erlebt. Für ihre Rolle im Drama “Es ist alles in Ordnung” hat sie den Deutschen Fernsehpreis bekommen. Sie war in der Soap “Freundinnen” zu sehen und in der Serie “Der Lehrer”. Im Kinofilm “Gott, du kannst ein Arsch sein!” spielt sie eine todkranke 16-Jährige, die sich letzte Lebensträume erfüllen will. Und jetzt: Hauptrolle im anspruchsvollen Sechsteiler “Breaking Even” bei ZDFneo (ab Mittwoch, 14.10., 20:15 Uhr). Jedes Projekt ist die “Visitenkarte eines Schauspielers” erzählte sie rtv. Ein Projektgespräch …

In der ZDFneo-Miniserie “Breaking Even” geht‘s um das Milliarden-Projekt selbstfahrende Autos und ein dunkles Familiengeheimnis. Mehr Familiendrama oder mehr Wirtschaftsthriller?

Sinje Irslinger: Mehr Familien- und Intrigendrama, würde ich sagen. Wobei natürlich die Serie mit einem Wirtschaftsdrama einsteigt und alles seinen Lauf nimmt. Das Drama ist der Tod einer Radfahrerin, die von einem selbstfahrenden Auto angefahren wird. 

Haben Sie einen Führerschein und glauben Sie, dass selbstfahrende Autos die Zukunft sind?

Sinje Irslinger: Ich habe einen Führerschein, ja. Ich bin mir nicht sicher, ob selbstfahrende Autos einmal die Zukunft werden. Immerhin würde eine Maschine keine menschlichen Fehler machen. Sie würde zumindest nicht betrunken Auto fahren. 

Sie spielen Jenny, eine junge Aktivistin, die gegen die Unternehmerfamilie Lindemann kämpft. Aus Rache? 

Sinje Irslinger: Kann ich nicht wirklich verraten, man muss es sich ansehen. Jennys eigentliche Motivation bleibt ein wenig geheimnisvoll. 

Wann fanden die Dreharbeiten statt? Gab es Unterbrechungen wegen Corona? 

Sinje Irslinger: Es war Gott sei Dank schon alles fertig. Die Dreharbeiten haben im Oktober letzten Jahres angefangen, eine Woche vor Weihnachten sind wir fertig geworden. 

Haben Sie sich die komplette fertige Serie schon angesehen und wie zufrieden sind Sie mit dem Ergebnis? 

Sinje Irslinger: Ja, habe ich und bin absolut zufrieden. 

Sind Sie ein selbstkritischer Mensch? 

Sinje Irslinger: Auf jeden Fall. Ich würde nur beim nochmaligen Schauen der Serie die Szenen mit mir überspringen, weil es mir immer schwerfällt, mich selber zu sehen. Aber die ganze Serie an sich, die finde ich super und total spannend und würde sie mir deshalb mehrere Male ansehen. 

"Mit Vorbildern tue ich mich schwer"

Sie waren schon in sehr unterschiedlichen Film- und Fernseh-Produktionen zu sehen. Wie suchen Sie Ihre Rollen aus? 

Sinje Irslinger: Als ich vor zehn Jahren angefangen habe, wollte ich erst mal so viel machen, wie überhaupt geht. Da ist man neugierig, auf jedes Projekt, auf die Leute und die Abläufe. Das war ja alles neu. 

Jetzt bin ich eher interessiert an Projekten und Rollen, die eine gewisse Tiefe haben. Ich persönlich mag die Serien und Filme, bei denen nicht gleich auf den ersten Blick alles klar ist. In denen sich nach und nach die Motivationen der Figuren entblättern. 

Aber jedes einzelne Projekt ergibt ja die Visitenkarte eines Schauspielers und zeigt, dass man unterschiedliche Rollen spielen kann. Deswegen würde ich mich nicht auf ein Genre festlegen wollen, sondern offen bleiben für jede Rolle. 

Im Oktober sind Sie auch im Kino zu sehen. In “Gott, du kannst ein Arsch sein” spielen Sie eine 16- Jährige, die unheilbar an Krebs erkrankt. Eine besondere Herausforderung? 

Sinje Irslinger: Natürlich. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Buch von Frank Pape. Wenn man mit so einem Thema zu tun hat, ist immer ein besonderes Fingerspitzengefühl gefragt.

Ihre bisher größte Rolle? 

Sinje Irslinger: Ja! Ich habe zwar schon in mehreren Kinofilmen mitgespielt, aber das ist meine größte Rolle. Auch mit so vielen guten Kollegen zusammen zu arbeiten, war für mich sehr besonders. 

Zählen wir sie mal auf: Jürgen Vogel, Heike Makatsch, Til Schweiger. Große Namen. Haben Sie schauspielerische Vorbilder? 

Sinje Irslinger: Ich denke, man muss seinen eigenen Weg finden. Wie spiele ich eine Rolle? Was passt zu mir als Person? Wie kann ich eine Rolle transportieren? Mit Vorbildern tue ich mich generell ein bisschen schwer. So viele Schauspieler machen sehr, sehr gute Arbeit. 

Aber im Endeffekt und auch dadurch, dass ich jetzt schon seit zehn Jahren als Schauspielerin arbeite, merkt man relativ schnell, dass auch Schauspieler nur Menschen sind. Dieses Wissen hilft einem, mit einem gesunden Respekt an die Arbeit heranzugehen und auf Augenhöhe miteinander zu arbeiten.

| Andreas Herden | 7. Oktober 2020