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Interview mit Stefanie Stappenbeck

Interview mit Stefanie Stappenbeck

"Kunst heißt Wandel"

In schwierigen Zeiten sind Dinge besonders notwendig, von denen wir das bisher nicht wussten: So ist man im Interview mit Stefanie Stappenbeck auch schnell bei Themen, die über ihre aktuelle Rolle in “Ein starkes Team” hinausgehen.

“Polizeiruf 110”, “Joachim Vernau” (diese Woche, Mo., 20.15 Uhr, ZDF), “Tatort” – TV-Krimis sind ihr Metier. Nicht nur. Da gibt es auch die Komödiantin Stefanie Stappenbeck, die Theateraktrice, die Hörbuchsprecherin. Seit 2016 spielt sie die weibliche Hauptrolle im Krimidauerbrenner “Ein starkes Team”. Der neueste Film der Reihe, “Man lebt nur zweimal”, ist diese Woche im Ersten zu sehen. Thema: Organspende

Frau Stappenbeck, haben Sie einen Organspendeausweis?

Stefanie Stappenbeck: Nein, noch nicht. Aber meine nächsten Angehörigen wissen, dass ich im Fall des Falles zur Spende bereit bin.

Auch wenn es bei “Man lebt nur zweimal” um das Thema “Lebendspende” geht: Kann der Film die Zuschauer auf das wichtige Thema Organspende hinweisen?

Stefanie Stappenbeck: Auf jeden Fall, und das ist auch eines der Anliegen unseres Filmes!

Ein Organ zu erhalten oder eben nicht, kann eine Sache auf Leben und Tod sein. Wie schnell, glauben Sie, kann man bereit sein zu töten, um sich oder einem Angehörigen das Leben zu bewahren?

Stefanie Stappenbeck: Das hängt von ganz vielen Faktoren ab, aber wenn man selbst oder einer der Liebsten bedroht ist, kann es im Zweifel eine Frage von Sekunden sein. Um allerdings dafür einen Mord minutiös durchzuplanen, bedarf es schon einer anderen Form von Druck und wohl auch krimineller Energie.

"Eine großartige Mischung"

In Ihrer Rolle als Linett tauchen Sie diesmal ab in die Welt des Parfüms. Was bedeuten Düfte für Sie?

Stefanie Stappenbeck: Ich habe gerade Duftöle entdeckt und halte mir den ganzen Tag Olive-Rosmarin unter die Nase, das weckt mich auf und entspannt zugleich. Ich liebe den Duft des Waldes und des Meeres und suche schon lange ein Parfüm, das danach riecht. Hat jemand einen Tipp?

Mit über 80 Folgen ist “Ein starkes Team” ein Dauerbrenner. Warum ist die Krimireihe so erfolgreich?

Stefanie Stappenbeck: Das “Starke Team” erzählt einfach spannende Geschichten, in denen wir uns wiederfinden und bei denen wir mitfiebern können. Die Charaktere sind interessant, unsere Gastschauspieler umwerfend – ich finde das eine großartige Mischung!

Sie selbst sind seit 2016 dabei. Gerne noch länger?

Stefanie Stappenbeck: Auf jeden Fall! Solange ich die Möglichkeit habe, mich auch noch in anderen Filmen und Rollen auszutoben, kann ich mir nicht vorstellen, dass mir das “Starke Team” bald langweilig wird …

Hat Corona Ihr Arbeiten verändert?

Stefanie Stappenbeck: Wir tragen alle dauernd Maske, werden oft getestet, sind bei Spielszenen auf Abstand bedacht. Ich versuche es für die begrenzte Zeit, in der wir so arbeiten müssen, als Herausforderung zu sehen. Und ich bin froh, dass wir überhaupt drehen können, und mag deshalb gar nicht klagen.

Die Suche nach dem Sinn

Sie waren bei aufsehenerregenden TV-Produktionen wie “Schuld” dabei. Kann lineares TV mit solchen Formaten, die den Zuschauer mit einbeziehen, seine Relevanz erhalten?

Stefanie Stappenbeck: Kunst heißt immer auch Wandel, Erneuerung, Zeitgeist. Und ob das nun Bildhauerei oder Fernsehen ist, macht vielleicht gar nicht so einen großen Unterschied.

Wie verändern Streamingdienste Ihre Arbeit? Ist das die Zukunft oder das Ende des Fernsehens?

Stefanie Stappenbeck: Ich liebe tolle Serien, überlange Filme, Miniserien, die ich am Stück schauen kann – und Streamingdienste erweitern da unsere Möglichkeiten, weil dort nichts in vorgegebene Sendefenster passen muss. Es scheint Raum für all diese Formate da zu sein, und das ist wunderbar. Die Struktur des Fernsehens ist aber auch eine, die Halt gibt und uns zusätzlich mit Nachrichten und aktuellen Shows unterhält und informiert. Das können Streamingdienste nicht leisten. Ich glaube an eine fruchtbare Koexistenz.

Was sind Ihre Pläne für die nächste Zeit?

Stefanie Stappenbeck: Weiterhin an schönen Projekten zu arbeiten, Zeit mit meinen liebsten Menschen zu verbringen und täglich dankbar zu sein für alles, was ich habe, trotzdem auch das Leben zu hinterfragen, Sinn zu suchen und mich weiterzubilden.

| Matthias Roth | 5. Januar 2021