Leben » Auf Kräuterwanderung: Leckeres entdecken
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Auf Kräuterwanderung: Leckeres entdecken

Auf Kräuterwanderung: Leckeres entdecken

Im Frühling grünt es überall. Doch wer kennt schon alle Pflanzen in der Natur und weiß, ob sie essbar sind? Gut, dass es Fachfrauen wie Martina Zipperle gibt, die lehrreiche Kräuterwanderungen anbieten.

Treffpunkt Rathaus in Malterdingen im badenwürttembergischen Landkreis Emmendingen: Rund 20 mehr oder weniger wetterfest gekleidete Menschen haben sich hier versammelt, um mit Martina Zipperle auf einen Kräuterspaziergang zu gehen. Ängstlich blicken wir hoch zum grauen Himmel, weil die Wanderung gestern wegen Dauerregen abgesagt wurde und die Aussichten für heute auch nicht gut sind.

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Doch dann reißen die Wolken auf und es passiert, was manchmal in dieser Jahreszeit geschieht: Die Sonne kommt raus und der Frühling ist plötzlich da! Singende Vögel begleiten uns auf dem Weg aus dem Dorf. Unterwegs weist uns Kräuterpädagogin und Fachfrau für Pflanzenheilkunde Martina Zipperle auf erstes Grün hin, an dem wir achtlos vorbei gelaufen wären: Junge Lindenblätter, erklärt sie uns, haben nicht nur das herrliche Frühlingsgrün, sondern schmecken im Salat auch nussig-mild.

Unkräuter gibt es nicht

Dann geht es Schlag auf Schlag: Überall blüht Löwenzahn. Martina Zipperle zitiert Wiltrud Eberhardt: “Armer gelber Löwenzahn, wirst als Unkraut abgetan. Wärst du rar wie Orchideen, jeder fänd’ dich wunderschön”, und erzählt uns, wie vielseitig und gesund dieses Allerweltskraut ist: Es verwöhnt uns mit wichtigen Bitter- und Nährstoffen, die vor allem im Frühling wichtig sind.

Dazu lassen sich die Blätter in der Küche in Salat, Suppen, Quark, als Spinat oder Tee vielseitig einsetzen. Die jungen Blütenknospen können in Olivenöl gebraten werden, die Wurzeln lassen sich als Gemüse dünsten. Nächster Stopp: eine Fläche mit Brennnesseln. Wir fürchten sie wegen der unangenehmen Quaddeln, die sie bei Berührung hervorrufen und ahnten nicht, wie vielseitig sie ist:

Mit ihren gesunden Inhaltsstoffen bringt sie den frühlingsmüden Stoffwechsel in Schwung, gibt bei Erschöpfung und Stress Kraft, sorgt für glänzende Haare, wirkt harntreibend und entzündungshemmend. Dafür nimmt man am besten die jungen Blätter, verarbeitet sie zu Tee, Suppe, in Quark oder Kräuterbutter. Also: Zum Schutz beim Pflücken Handschuhe einpacken!

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Vorsicht giftig!

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Auf unserem Weg durch Wiesen und Wälder finden wir nicht nur essbare, gesunde Kräuter. Martina Zipperle zeigt uns den Erdrauch mit seinen lilafarbenen Blüten, der in allen Teilen giftig ist. Sie weist uns auf die Wolfsmilch hin, von der wir ebenfalls die Finger lassen sollen. Bei der Schafgarbe könne es zu Verwechslungen mit Giftpflanzen kommen, deshalb gilt hier: Nur ernten, wenn man die Pflanze sicher erkennt.

An einer lichten Stelle im Wald wächst Bärlauch. Doch bevor wir pflücken, müssen wir lernen, ihn von giftigen Maiglöckchen und tödlich wirkenden Herbstzeitlosen zu unterscheiden: Bärlauch riecht stark nach Knoblauch, wenn er zwischen den Fingern zerrieben wird. Allerdings hält sich der Duft auf der Haut, sodass man ab dem zweiten Blatt nicht mehr auf den Geruchstest vertrauen sollte.

Im Gegensatz zu Maiglöckchen hat Bärlauch eine matte Blattunterseite, und es wächst immer nur ein Blatt aus dem Boden, während das Maiglöckchen zwei Blätter an einem runden Stängel hat, und die Herbstzeitlose rosettenförmig wächst. Die Blätter der beiden Giftpflanzen fühlen sich zudem fester an. Wichtig: Sobald man unsicher ist, Finger weg und den Bärlauch im Laden kaufen!

Bereit für den Frühling

Leckeres Grün am Wegesrand

Viele andere Kräuter lassen sich aber gut erkennen und ernten. Der allgegenwärtige Spitzwegerich etwa hilft gegen Husten, schmeckt jung geerntet auch noch lecker. Außerdem finden wir Gänseblümchen, Wiesenschaumkraut, Vogelmiere, Weinbergslauch, Scharbockskraut, Dost und Knoblauchrauke.

Sie alle wandern in unsere Erntekörbe und am Ende des Spaziergangs auf einen großen Tisch, wo Martina Zipperle sie noch einmal genau begutachtet.

Sie hat eine Ausbildung an der Freiburger Heilpflanzenschule mit dem Schwerpunkt “Pflanzen für die Gesundheit” gemacht und ist zudem als Kräuterpädagogin spezialisiert auf “Delikatessen am Wegesrand”. Kein Wunder, dass sie nicht nur viel über die Heilwirkung von Kräutern erzählen kann, sondern auch die besten Rezepte kennt.

Zusammen bereiten wir aus unseren Fundstücken noch Leckereien wie die Frühlings-Kräuterbutter oder Kräuterpralinen zu und sind uns spätestens jetzt sicher: Vermeintliche Unkräuter sind viel besser als ihr Ruf!

Der Kräuter-Spaziergang findet von März bis November an jedem 3. Samstag im Monat um 15 Uhr statt. Er dauert 2,5 Stunden und kostet 16 Euro. Anmeldung bei Martina Zipperle.

Land & Leute Redaktion | 8. April 2020