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Bernstein: Fossiles Harz mit Heilfunktion

Bernstein: Fossiles Harz mit Heilfunktion

Baltischer Bernstein entstand vor vielen Jahrmillionen. Er ist übrigens kein Stein im eigentlichen Sinne, sondern fest gewordenes Harz – und ein Stück Erdgeschichte.

Golden glitzert der Harztropfen an der Baumrinde und lockt eine kleine Fliege an, die in dem klebrigen Saft ertrinkt. Der trocknet, fällt zu Boden, wird vom Regen ins Meer gespült und von Sedimenten überdeckt. So oder ähnlich könnte sich die Szene vor mindestens 35 Millionen Jahren in einem Wald abgespielt haben, der heute von Nord- oder Ostsee überspült wird.

Über die lange Zeit verhärteten Druck und Luftabschluss das Harz zu Bernstein. Bekannteste Fundstelle des baltischen Bernsteins ist der Ostseeraum, vor allem die Samlandküste im ehemaligen Ostpreußen, rund um das russische Kaliningrad. Die Steine liegen in der sogenannten Blauen Erde und sind so häufig, dass sie im Tagebau abgebaut werden.

Auch an der Nordsee und im Braunkohlerevier Bitterfeld befinden sich Vorkommen, genau wie an vielen anderen Stellen weltweit: Es gibt immerhin mehr als 80 unterschiedliche Bernsteinarten, zum Beispiel aus der Dominikanischen Republik, aus China, Indien oder Mexiko – allerdings sind die Mengen, verglichen mit baltischem Bernstein, sehr gering.

Bernstein richtig suchen

Ungeschliffene Bernsteine: Unscheinbar
©rtv media group

Selten liegt Bernstein einfach so am Strand. Meist ist er am Brandungssaum zu finden, zwischen Muscheln und Seegras. Erkennungsmerkmale: Er wiegt etwa ein Drittel eines Steins, duftet leicht nach Harz und zieht Papier an, wenn man ihn an Wolle reibt. Vorsicht: Bernstein lässt sich leicht mit Phosphor, einem Kriegsüberbleibsel, verwechseln, das ab und zu an der Ostsee angespült wird. Deshalb Funde in einem Glas sammeln und draußen, auf nicht brennbarem Grund, trocknen.

Heilende & hilfreiche Wirkung

Echter Bernstein schimmert nicht nur umwerfend schön, sondern hat auch einige heilende wie hilfreiche Wirkungen – ein Überblick.

Erleichtert das Zahnen

Wenn Babys die ersten Zähnchen wachsen, haben sie oft Schmerzen. Viele Eltern greifen dann zu Bernstein, der ätherische Öle ausscheidet, die Erleichterung bringen sollen. Belegt ist die Wirkung nicht, aber viele Hebammen schwören darauf. Vorsicht bei Ketten: Sie müssen eine Sollbruchstelle und einzeln verknotete Steine haben, dann sind sie für den Nachwuchs sicherer.

Zeckenschutz für Tiere

Viele Tierhalter berichten, dass bei Hund oder Katze ein Halsband aus nicht poliertem Naturbernstein Zecken und auch Flöhe fernhält. Die Wirkung soll auf der elektrostatischen Aufladung durch die Reibung am Fell und auf ätherischen Ölen beruhen. Auch hier ist die Wirksamkeit nicht wissenschaftlich bewiesen.

geschliffener, glänzender Bernstein auf einem großen Stück ungeschliffenen Bernsteins
©rtv media group

Bernstein als Räucherwerk

Ursprung des Namens Bernstein ist das altdeutsche Wort “bernen” für “brennen”. Weil das Harz so leicht brennbar ist, wurde und wird es als Räucherwerk benutzt, das böse Geister vertreiben und heilend wirken soll.

Bernstein als Medizin

Schon seit Urzeiten wird dem Bernstein eine heilende Wirkung nachgesagt: Hildegard von Bingen empfahl ihn bei Magen- und Blasenproblemen, in der Volksmedizin wurde (und wird) er gemahlen als Mittel bei Leber-, Nieren- und Gallenkrankheiten eingenommen. Zudem soll Bernstein das Immunsystem stärken, Schmerzen lindern und gute Laune machen.

geschliffene, glänzende Bernsteine
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Tränen der Götter

Bereits in der Steinzeit wurde Bernstein zu Amuletten und Schmuckstücken verarbeitet. Es gibt Funde, die um 20.000 Jahre alt sind. In der Antike hielt man Bernstein für eingefangene Sonnenstrahlen oder die Tränen der Götter – so wurde er immer beliebter und oft sogar zum Zahlungs- oder Tauschmittel. Durch den hohen Bedarf entstanden “Bernsteinstraßen”, die den Ostsee- mit dem Mittelmeerraum verbanden.

Ist Bernstein elektrisch?

Die alten Griechen rieben Bernstein über Stoff und nutzten ihn als Kleiderbürste, weil er dann Staub und Flusen anzog. So entdeckten sie unbewusst die elektrostatische Aufladung des Steines, den sie “Elektron” nannten. Deshalb wurde er zum Namensgeber der Elektrizität.

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| Land & Leute Redaktion | 12. Juni 2020