Leben » Deutschland blüht auf: Obstblüte
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Deutschland blüht auf: Obstblüte

Deutschland blüht auf: Obstblüte

Bevor uns Obstbäume zur Erntezeit mit ihren köstlichen Früchten verwöhnen, verwandeln sie sich im Frühling in ein unglaubliches Blütenmeer.

Auf die ersten warmen Tage und die bunten Frühlingsblumen folgt bald das nächste Naturschauspiel: Die Obstbäume blühen auf! Gewöhnlich machen Kirschen, Pflaumen, Pfirsiche und Birnen den Anfang, ihnen folgen Aprikosen-, Nektarinen-, Quitten- und Apfelbäume. Je nach Wetter und Gegend beginnt die Blüte Mitte April und endet manchmal erst im Juni.

In warmen Jahren startet sie früher, in kalten später. In vielen Obstanbaugegenden ist das Erblühen ein Ereignis, denn ganze Felder sind in strahlendes Weiß oder Rosa in allen Schattierungen getaucht. Doch auch ein einzelner Baum im Garten sieht wunderschön aus und ist dazu eine wichtige Futterquelle für viele Insekten.

Befruchtende Partner

©Colourbox

Kaum haben sich die Blüten bei gestiegenen Temperaturen geöffnet, werden sie, wenn es trocken ist, von Wildbienen, Honigbienen, Hummeln und allerlei Fliegen und Faltern angeflogen. Allen bieten die Blüten Nahrung. Die Insekten befruchten sie, sodass die Bäume Früchte ausbilden. Hummeln fliegen ab circa acht Grad, für Bienen müssen es schon zwölf sein. Wenn es also plötzlich einen leichten Kälteeinbruch gibt, wirkt sich das sofort auf die Ernte aus.

Richtig dramatische Folgen haben Minusgrade, weil sie dafür sorgen, dass die Blüten abfrieren. Sie können dann nicht befruchtet werden und natürlich auch keine Früchte tragen. Während der Hobbygärtner meist nichts tun kann, um seinen Baum zu schützen, arbeiten Obstbauern mit Frostschutzberegnung.

Dabei werden die Knospen und Blüten über Sprenkleranlagen mit Wasser besprüht, sobald die Temperatur unter 0,5 Grad sinkt. Dadurch entsteht eine Eisschicht . Während des Frierens kommt es zur Erstarrungswärme, die schützend wirkt. Mit dieser Methode wird zwar viel Wasser verbraucht, aber sie ist sehr wirksam und bewahrt vor Missernten.

Von der Blüte zur Frucht

Dominik Ketz/Bildarchiv Südliche Weinstraße e.V.

Im besten Fall ist es warm genug, die Insekten befruchten viele Blüten, diese verwelken, und es bilden sich Früchte. Je nach Obstsorte reifen sie in einem kürzeren oder längeren Zeitraum heran und können dann geerntet werden. Doch zuvor müssen die Bäume in der Wachstumsphase vor Schädlingen und Krankheiten geschützt, bei Trockenheit gewässert werden.

So ist sichergestellt, dass zu guter Letzt viele köstlich süße Früchte geerntet werden können. Blühen in den Anbaugebieten Deutschlands die Bäume, wimmelt es dort oft vor Menschen, die sich an dem prächtigen Schauspiel nicht sattsehen können. Hier eine Auswahl der schönsten Baumblütengegenden.

Mandel- und Pfirsichbäume

Rolf Schädler/Bildarchiv Südliche Weinstraße e.V.

Je nach Wetterlage blühen die Mandelbäume in der Pfalz manchmal schon im Februar auf. Doch da die Blüte meist bis in den April hineinreicht, finden dann die Pfälzer Mandelwochen statt. In dieser Zeit werden Wanderungen, Spaziergänge, Tagestouren und Weinproben angeboten. Ideal für Radtouren eignet sich der 77 Kilometer lange Pfälzer Mandelpfad von Bad Dürkheim nach Schweigen-Rechtenbach. Infos unter www.suedlicheweinstrasse.de und www.mandelbluete-pfalz.de.

Wer die Weinbergpfirsichblüte erleben möchte, macht sich auf den Weg an die Mosel. Vor allem rund um Cochem wird der Moselweinbergpfirsich angebaut – und ihm zu Ehren am 18. und 19. April ein Fest gegeben. Infos unter www.mosellandtouristik.de und www.ferienland-cochem.de.

Kernobstblüte

Dominik Ketz/Bildarchiv Südliche Weinstraße e.V.
Die Bodenseeregion ist bekannt für ihren Kernobstanbau – und damit natürlich auch für die prächtige Baumblüte. Überall ist die Landschaft in ein weiß-rosafarbenes Blütenmeer von Abertausenden Äpfeln, Kirschen und Co. getaucht; bestens bei Spaziergängen oder Radtouren zu bewundern. Als schönster Wanderweg zu dieser Zeit gilt der Blütenweg bei Sipplingen – nicht verpassen! Infos unter www.bodenseewest.eu oder www.bodensee-bluetenweg.de.

Im Norden, bei Hamburg, erstreckt sich Europas größtes zusammenhängendes Obstanbaugebiet: das Alte Land. Es liegt an der Elbe und beherbergt viele Obsthöfe, oft mit alten, gut erhaltenen Fachwerkhäusern. Häufig gibt es Blütenfeste, es werden aber auch Ausflugstouren durch die Gegend, in der seit Jahrhunderten Obst angebaut wird, angeboten. Eine Reise ins Alte Land lässt sich mit einem Aufenthalt in Hamburg verbinden, von wo aus man mit der Fähre über die Elbe ins Obstland übersetzen kann. Infos unter www.tourismus-altesland.de und www.bluetenbarometer.de.

Schutz gegen Schaden

Dagmar Schwelle/MTK

Gefahr durch Pilzkrankheiten

Ob Monilia, Kräuselkrankheit oder Apfelschorf – es gibt viele Pilzkrankheiten, von denen Obstbäume befallen werden können. Entdecken Sie Veränderungen an den Blättern, am besten im Pflanzenhandel vom Experten beraten lassen. Im Zweifelsfall erst einmal die befallenen Blätter oder Äste großzügig entfernen und im Hausmüll entsorgen.

Lästige Schädlinge

Die unterschiedlichen Obstbäume werden von verschiedensten Schädlingen befallen. Oft lassen sie sich ohne Chemie vertreiben. Gegen die Kirschfruchtfliegen helfen rechtzeitig aufgehängte Leimfallen. Der Apfelwickler, auch Obstmade genannt, legt seine Eier gern in einen Wellpappestreifen, der um den Stamm gelegt und befestigt wird. Nach der Ernte entsorgen.

Apfelwickler stehen auch bei Meisen, Spechten und Fledermäusen auf dem Speiseplan. Deshalb unbedingt deren Ansiedlung im Garten mit Brut- und Unterschlupfkästen fördern. Ein Kalkanstrich der Obstbaumstämme schützt vor Frostrissen, aber auch vor Wildverbiss und macht widerstandsfähiger gegen Pilzsporen.

Noch mehr Blütenpracht

Land & Leute Redaktion | 25. März 2021