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Herbst: Spätblüher entdecken

Herbst: Spätblüher entdecken

Mit offenen Augen gehen wir in diesen Tagen durch den Garten, weil auch jetzt noch zauberhaft blühende Pflanzen auf ihre Entdeckung warten.

Ein Zauber liegt jetzt in der Luft. Im Garten mischen sich die Zeichen des verlöschenden Lebens mit denen eines neuen Anfangs. Diese enge Verbindung von Vergehen und Werden können wir nur im Herbst erleben. Denn während sich die meisten Pflanzen auf die winterliche Ruhezeit vorbereiten, öffnen andere jetzt noch ihre Blüten. Also, Augen auf!

Farbenpracht überall

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Was passiert jetzt eigentlich, wenn sich die Stauden und Gehölze auf die kalte Jahreszeit vorbereiten? “Für die meisten laubabwerfenden Pflanzen ist es im Winter zu kalt, um zu wachsen. Licht und Wärme fehlen, sodass der Stoffwechsel der Pflanzen, die Photosynthese, auf Sparflamme zurückgestellt wird”, erklärt der Dötlinger Baumschulgärtnermeister Olaf Schachtschneider.

Und er weiß: “Die prächtige Herbstfärbung kommt dadurch zustande, dass der für die Photosynthese wichtige Blattfarbstoff, das grüne Chlorophyll, aus den Blättern abgezogen wird. Er macht dann die farbenprächtigen roten Farbstoffe, die Anthocyane, sichtbar. Daran freuen wir uns dann besonders, wenn die Blätter in diesem Zustand noch einige Zeit am Baum haften bleiben.”

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Bekannt dafür sind zwei Pflanzen aus Nordamerika: der Amberbaum (Liquidambar styraciflua) oder der überaus farbenprächtige Tupelobaum (Nyssa sylvatica). Für den kleinen Garten setzt Olaf Schachtschneider auf Gehölze mit schönem Fruchtschmuck und Stauden.

Besonders am Herzen liegen ihm solche, die auch jetzt noch blühen. “Winterharte Fuchsien blühen wirklich bis zum ersten Frost ununterbrochen. Das ist bei Stauden nicht so häufig zu finden”, schwärmt er.

Wunder des Blühens

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Inbegriff der letzten prachtvollen Blüte ist seit Jahrhunderten die Herbstzeitlose (Colchicum autumnale). Die Zwiebelpflanze, die an einen sehr großen Krokus erinnert, ist schon seit Langem in Kultur und blüht je nach Sorte und Witterung zwischen September und Anfang November.

Erst im darauffolgenden Frühjahr treibt sie einen üppigen Horst glänzend grüner Blätter. Sie sterben im Sommer ab, und nach einer sommerlichen Ruhezeit treiben die Blüten im Herbst aus. Alle Pflanzenteile enthalten das giftige Alkaloid Colchicin.

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Es hat Berühmtheit in der Pflanzenzüchtung erlangt, denn behandelt man Pflanzen damit, verdoppeln sich ihre Chromosomensätze – und das führt zu besonders kräftigen Pflanzen.

Ebenfalls im Herbst blühen einige Krokusse, darunter der Safran-Krokus (Crocus sativus). Sie brauchen aber warme Plätze und heiße Sommer, um bei uns zu gedeihen. Die Herbstzeitlose jedoch wächst auch im Halbschatten.

Weitere Blumen, mit denen Sie Ihren Garten auch noch in der kälteren Jahreszeit mit einer üppigen Blütenpracht schmücken, sind zum Beispiel Goldrute, Chrysantheme, Eisenhut, Silberkerze und Fette Henne.

Blühende Farbtupfer

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1 Krötenlilie Tricyrtis hirta zeigt sich milchweiß mit rubinroten Tupfen auf den spätblühenden Blütensternen. Sie erreicht eine Höhe zwischen 40 und 80 Zentimetern.

2 Winterharte Fuchsie Fuchsia magellanica blüht in der Sonne noch bis zum ersten Frost. Mit einem Wurzelschutz trotzt sie im Winter Temperaturen bis zu -20 Grad Celsius.

3 Liebesperlenstrauch Callicarpa bodinieri hat im Sommer eher unscheinbare lilafarbene Blüten. Doch im Herbst zeigt er seine volle Pracht, wenn die winzigen Beeren in kräftiger Amethystfarbe erscheinen. Sie halten sich lange am Strauch.

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4 Herbst-Alpenveilchen Cyclamen hederifolium treibt nach der sommerlichen Ruhepause wieder efeuähnliche Blätter. Darüber stehen die zartrosa bis rosaroten, selten auch weißen Blüten. Wir können sie von September bis November bewundern.

5 Herbstzeitlose Colchicum autumnale schiebt seine Blütenkelche jetzt aus dem Boden. Die Farben variieren von Rosa, Pink bis hin zu Weiß. Es gibt sowohl gefüllte als auch ungefüllte Exemplare, alle sind giftig!

6 Fächer-Zwergmispel Cotoneaster horizontalis ist ein Zwergstrauch mit fächerartig ausgebreiteten Zweigen, die sich mit korallenroten Beeren schmücken. Sie ist bescheiden und fühlt sich an fast jedem Standort wohl.

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Land & Leute Redaktion | 8. September 2021