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Hopfenernte: Vom Feld in die Brauerei

Hopfenernte: Vom Feld in die Brauerei

Dass Hopfenzapfen ins Bier kommen, weiß jeder. Doch das rankende Hanfgewächs kann noch viel mehr als nur Bier Würze geben!

Schon von Weitem sind die Hopfengärten zu sehen: In langen Reihen ranken sich die Pflanzen über ein Gerüst bis zu acht Meter in die Höhe. Im späten März beginnt der Hopfen auszutreiben. Am liebsten hat er es vorher über einen längeren Zeitraum schön kühl. Ist der Winter sehr mild, wird der Austrieb eher kümmerlich. Danach benötigt die Kletterpflanze Wärme und Feuchtigkeit.

Vor allem im Mai und Juni schießt sie in die Höhe und kann bis zu 10 Zentimeter, an guten Tagen sogar 35 Zentimeter am Tag wachsen! Kultiviert werden ausschließlich weibliche Pflanzen, weil die Befruchtung durch Pollen von männlichen Pflanzen den Ertrag an Bierwürze mindert.

Im Juli beginnt das, was der Fachmann “Anflug” nennt: Der Hopfen blüht, und es entwickeln sich bis zu 10.000 Dolden pro Pflanze. Bis Ende August reifen sie aus und bilden ihre Inhaltsstoffe. Dann muss der Hopfenbauer schnell handeln und ernten. Verpasst er den richtigen Zeitpunkt, verlieren die Zapfen ihr Aroma, und es kommt zu großen finanziellen Einbußen.

Die Hallertau ist führend

©Hopfengut No. 20

Schon seit über 1.100 Jahren wird in Deutschland Hopfen kultiviert. Die Hallertau im Herzen Bayerns ist sogar das größte zusammenhängende Anbaugebiet der Welt. 83 Prozent der fast 18.000 Hektar Anbaufläche sind hier zu finden. Die restlichen 17 Prozent teilen die Gebiete Elbe-Saale, Tettnang, Spalt und Rheinpfalz/Bitburg unter sich auf. Nur Hopfen aus anerkannten Anbaugebieten darf gehandelt werden.

Vor 40 Jahren waren noch 2.000 bis 3.000 Arbeitskräftestunden nötig, um einen Hektar Hopfen zu bewirtschaften, heute sind es dank moderner Technik “nur” noch 300. Die Arbeit von einst über 100 Pflückern übernehmen heute weniger als zehn. Da Hopfen Bier nicht nur aromatischer macht, sondern ihm auch das typisch Bittere gibt, ist der Bitterstoffgehalt einer Hopfensorte für den Brauer sehr wichtig.

Im Anbau unterscheidet man zwischen Aromasorten mit verhältnismäßig geringem Bitterstoffgehalt, aber mehr Würze und Bittersorten, die ihrem Namen alle Ehre machen. Die meisten Brauereien mischen beide Sorten. Im Augenblick liegen kleine Brauereien im Trend, die sogenanntes Craftbeer herstellen. Ihrem großen Erfolg ist es zu verdanken, dass wieder mehr unterschiedliche und auch neu gezüchtete Hopfensorten angebaut werden.

Vom Hopfen zum Bier

Alte Brauerei mit Kupferkesseln
©Tatiana Popova/Shutterstock

Der Brauprozess beginnt mit dem Maischen. Dabei wird Malz mit Wasser erhitzt, um alle wichtigen Stoffe daraus zu lösen. Zu der dadurch entstandenen flüssigen Würze wird Hopfen gegeben und gekocht. Nachdem die Lösung abgekühlt ist, kommt Hefe dazu, um den Malzzucker in Alkohol und Kohlensäure zu verwandeln.

Hat sie ihren Job getan, ist das “Jungbier” fertig. Dann wird es, je nach Biertyp, bis zu drei Monate in Tanks gelagert, wo der Geschmack abgerundet, Restzucker abgebaut und Kohlensäure gebunden wird. Außerdem setzen sich hier auch Hefe und Eiweißstoffe ab. Nach einer weiteren Filtration kann das Bier in Flaschen abgefüllt werden.

Einsatz als Heilmittel & Badezusatz

Den Weg ins Bier fand Hopfen ursprünglich, weil seine Bitterstoffe antibakteriell wirken und das Gebräu, es bestand damals aus Hefe, Kräutern und Getreide, haltbarer machten. Doch schon viel früher begann die Pflanze ihre Karriere als Heilmittel. Die Bitterstoffe Lupulon und Humulon sind für die beruhigende, schlaffördernde Wirkung verantwortlich. Die Kombination tut dem Magen gut und regt den Appetit an.

Auch als Badezusatz kann das Hanfgewächs verwendet werden: Ein Hopfenbad wirkt krampflösend und entspannend. Dafür 1 bis 2 Handvoll trockene Dolden mit 2 Litern kochendem Wasser übergießen, 20 Minuten ziehen lassen, ins warme Badewasser geben, 20 Minuten baden und danach mindestens 30 Minuten ruhen.

Hopfen als Einschlafhilfe

Hopfentee
©Chamille White/Shutterstock

Am einfachsten profitiert man davon, wenn aus einem Teelöffel getrockneten Dolden und etwa 150 Milliliter Wasser ein Tee gekocht wird. 10 bis 15 Minuten ziehen lassen, abseihen und vor dem Essen oder Zubettgehen trinken. Zusätzlich kann bei Schlafproblemen ein Hopfenbad helfen. Viele schwören auch auf die Wirkung eines Hopfenkissens im Bett, das in Kräuter- und Reformhäusern erhältlich ist. Die Rankpflanze enthält übrigens auch Phytohormone, die in den Wechseljahren den Hormonhaushalt ausgleichen können. Entsprechende Präparate gibt es in der Apotheke.

Hopfen erleben und selbst brauen

Im Zentrum der Hallertau, in Wolnzach, steht das Deutsche Hopfenmuseum. Hier findet man eine der größten Spezialsammlungen der Welt zum Thema “Hopfen”. Das Gebäude ist dazu passend einem Hopfengarten nachempfunden. Infos unter: www.hopfenmuseum.de

Erlebnispfad Hopfen und Bier: Auf dem 12 Kilometer langen Rundweg in der Hallertau informieren 17 Schautafeln über Bier und Hopfen. Er startet in Mainburg und führt bis nach Ratzenhofen und zurück. Infos unter: www.hopfenland-hallertau.de

Oder gleich selber machen! Es geht doch nichts über ein frisch gebrautes Helles. Die “Braubox” macht die Küche zur Mini-Brauerei: Sie enthält neben Hopfen, Malz und Hefe (gibt’s auch als Nachfüllpaket) eine 5-Liter-Gärflasche aus Glas, eine bebilderte Anleitung und das gesamte Zubehör, was man neben einigen Küchengeräten zum Brauen und Abfüllen braucht. In sieben Varianten bei: www.besserbrauer.de

| rtv Redaktion | 13. September 2019