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Wie früher: Hutzenabend

Wie früher: Hutzenabend

Seit Jahrhunderten trifft man sich in der dunklen Jahreszeit im Erzgebirge zum gemeinsamen Handarbeiten, Erzählen, Singen und Essen.

Was einst klein anfing, ist im Salzerhaus zu einer schönen Wintertradition geworden: der Hutzenabend. Mittlerweile beweist Frank Salzer an vielen Abenden sein Talent als Erzähler, Rezitator von Gedichten, Sänger und Schauspieler.

Vier Stunden dauert so eine Veranstaltung mit Glühwein, Tee, Kartoffelkuchen und Schmalz. “Handys aus!”, heißt es am Anfang, und dann sitzen die Gäste eng beieinander am Kachelofen im Kerzenschein. Dem knapp 50-Jährigen ist es wichtig, die alten Traditionen und Bräuche weiterzugeben, weil sie für Wärme und Heimatgefühl.

Und nie wird es langweilig, ihm zuzuhören, während er Gedichte und Lieder vorträgt, vom harten Leben im Bergwerk berichtet oder die Besucher an seinem Glück, im Erzgebirge zu leben und zu arbeiten, teilhaben lässt.

Aus der Not geboren

Ein traditioneller Abend vor Weihnachten im Erzgebirge
©rtv media group

Bergleute waren den Widrigkeiten der Natur ausgeliefert und verdienten, wenn ihr Bergwerk ausgebeutet war, kein Geld. Also lernten ihre Frauen klöppeln, um damit die Familien in diesen Notzeiten über Wasser zu halten.

Da sie Holz zum Heizen beim Förster kaufen mussten und es nicht einfach sammeln durften, war es wertvoll. So ergab es sich, dass die Frauen, später auch ihre schnitzenden Männer, sich reihum zum Handarbeiten trafen, damit nur eine Stube beheizt und beleuchtet werden musste.

Frei nach dem Motto: “Zusammen ist man weniger allein” tauschten sie Erlebnisse aus, erzählten Geschichten, sangen, aßen und tranken mit ihren Nachbarn. Diese Sitte geriet in Vergessenheit, wurde aber in der letzten Zeit durch Menschen wie Frank Salzer wiederbelebt und im Erzgebirge zu einer beliebten Veranstaltung – nicht nur für Touristen! Infos: www.erlebnisland-erzgebirge.de

Schnitzen lernen - Hier gibt es Kurse

Mit dem Pinzen eine Holzschnitzfigur bemalen
©rtv media group

Wie in der Schule

Bischofsheim an der Rhön beherbergt eine der ältesten Holzbildhauerschulen Deutschlands. Alljährlich finden aber auch Hobbykurse für jedermann statt. www.bischofsheim.info

Auch ohne Anmeldung

Wer in Schneeburg im Erzgebirge ausprobieren möchte, ob Schnitzen ein Hobby werden könnte, schaut in der Kreativwerkstatt von Lars Neubert im Markt 16 vorbei und nimmt eine Unterrichtsstunde. Der Holzkünstler hat auch längere Schnitzkurse im Programm. www.holzkunst-erleben.de

An der Straße der Romantik

Zwischen Quedlinburg und Ballenstedt, im Ortsteil Rieder, liegt die Harz-Schnitzerei von Uwe Bormann. Dort arbeitet er, betreibt ein Ladengeschäft mit angeschlossenem Museum für Werkzeug und gibt Schnitzkurse, die auf die Wünsche der Teilnehmer zugeschnitten sind. www.harz-schnitzerei.de

Holzkunst mit Passion

Das bayerische Oberammergau ist für die Passionsspiele und seine Herrgottschnitzer weltweit bekannt. Das Handwerk wird von ortsansässigen Holzkünstlern an Interessierte weitergegeben. www.schnitzkurse-oberammergau.de

Schnitzer Sepp aus Bach

Seit 1984 betreibt Josef Meindl seine Holzschnitzerwerkstatt im Bayerischen Wald und bietet ganzjährig Kurse für Anfänger und Fortgeschrittene an. www.meindl-arnbruck.de
| rtv Redaktion | 20. Dezember 2019