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Imkern: Für Bienen schwärmen

Imkern: Für Bienen schwärmen

Alles blüht in Garten, Wald und Feld. An den Einflugschneisen der Bienenstöcke herrscht Hochbetrieb. Auch für die Imker beginnt eine spannende Zeit: Jetzt werden die Weichen für ein erfolgreiches Honigjahr gestellt.

Honig – das fällt einem als Erstes ein, wenn man an Imker denkt. Doch ihnen und ihren bienenfleißigen Insekten kommt noch eine weitere wichtige Aufgabe zu, die den wenigsten bewusst ist: Ohne sie läuft ziemlich wenig in der Fruchtproduktion.

Nach Informationen des Deutschen Imkerbunds (www.deutscherimkerbund.de) hängen 85 Prozent der Erträge im deutschen Pflanzen- und Obstbau von der Bestäubung durch das summende Insekt ab. Äpfel, Kirschen, Pflaumen und viele Beerenarten, Melonen, Gurken und Bohnen entwickeln nur Früchte, wenn vorher durch die Bienen Blütenstaub auf die Blüte übertragen wurde.

Lust auf Bienenhaltung

Ein Imker zeigt einem Kind die Bienen auf ihren Honigwaben
©Colourbox

Wie wichtig Bienen für unser Leben sind und welche ökologische Bedeutung sie haben, ist erst in den letzten Jahren in unser Bewusstsein gerückt. Beigetragen dazu haben Schlagzeilen in den Zeitungen, wo vom “Bienensterben” berichtet wurde, das durch Varroa-Milben verursacht wird. Ein Gutes hatten diese Berichte immerhin: Das Interesse an der Imkerei hat wieder stark zugenommen.

Inzwischen spielen auch viele Städter, junge Leute, Gärtner und Naturliebhaber mit dem Gedanken, selbst Imker zu werden. Und das ist im Übrigen gar nicht schwer. Voraussetzung ist, dass Sie gerne Zeit in der Natur verbringen und keine Angst vor den summenden Insekten haben. Außerdem sollten Sie bereits im Vorfeld abklären, ob eine Bienenallergie vorliegt. Passt alles, steht einem neuen und vor allem spannenden Hobby, das man auch mit wenig Zeit problemlos bewältigen kann, nichts im Wege.

Hat sich eine gewisse Routine eingestellt, reicht es vollkommen aus, die eigenen Völker ein- bis zweimal pro Woche zu besuchen, die Vorräte der Bienen und das Wetter zu beobachten und das Geschehen im Stock regelmäßig zu kontrollieren. Im Winter hat der Imker generell wenig zu tun, während der Honigernte naturgemäß am meisten.

Wie wird man Imker?

Imker bei der Arbeit: Er stellt Bienen mit Rauch ruhig.
©Colourbox

Regelmäßig bieten Landes- und Regionalverbände des Deutschen Imkerbundes sowie Bieneninstitute Schulungen an. Informationen finden Sie unter www.deutscherimkerbund.de. Einer besonders bienenfreundlichen Haltung hat sich der Verein Mellifera verschrieben (www.mellifera.de).

Meist werden die Kurse in Blockveranstaltungen angeboten, die man halbtage- oder tageweise absolvieren kann. Hier bekommt man umfassende Informationen über die Honigbiene, ihre Haltung und Betreuung und natürlich auch die Honig- und Wachsgewinnung.

Weil die beste Theorie ohne Praxis nur wenig wert ist, werden im Anschluss daran jedem Imker-Neuling erfahrene “Imkerpaten” zur Seite gestellt. Ihm können die Anfänger über die Schulter schauen und erhalten so Einblicke in alle rund um den Stock anfallenden Arbeiten.

Die passende Ausrüstung

Als Imker benötigt man als Erstes einen Schutzanzug. Er ist aus weißem Stoff genäht, denn Bienen lassen sich eher auf einem dunklen Untergrund nieder. Weiterhin braucht man Handschuhe und einen Hut mit Schleier. Sticheleien wird man trotzdem nicht ganz vermeiden können. Der erste Stich im Jahr soll übrigens besonders schmerzhaft sein, aber das tut der Bienenliebe der Imker keinen Abbruch.

Dazu kommt noch die Unterkunft für die Bienen, sogenannte Beuten, und einige Werkzeuge. Grundsätzlich benötigt man keine Genehmigung, um Bienen zu halten. Allerdings sollte man die Erlaubnis des Grundstücksbesitzers einholen und auch die Nachbarn von den neuen “Haustieren” in Kenntnis setzen. Völker, am besten mit einem aktuellen Gesundheitszeugnis, kann man bei Imkervereinen kaufen. Vorher sollte man sich außerdem von den Fachleuten ausführlich beraten lassen.

Übrigens ist auch die Bienenhaltung in der Stadt kein Problem: Allein in Berlin soll es schon über 500 Hobby-Imker geben. Die Tiere fühlen sich ausgesprochen wohl in urbaner Umgebung, denn hier gibt es ein gutes Angebot an nektarreichen Blüten in Privatgärten und in Parks. Selbst auf Balkonen und Dachgärten gibt es jede Menge Pollen und Nektar zu holen – oft viel mehr als auf dem Land, wo viele Felder vor der Blüte abgemäht werden und Blumenwiesen rar geworden sind.

Ein Herz für Bienen

Isenktenhotel aus Holz
©Colourbox

Auch wer selbst keine Bienen halten möchte, kann ihnen helfen, etwa indem er im Garten mit Obstbäumen, Blumen und blühenden Kräutern für einen reich gedeckten Tisch sorgt. Von diesem Nahrungsangebot profitieren nicht nur die Honigbienen, sondern auch die rund 560 Wildbienenarten,

Nicht größer als ein Reiskorn wird beispielsweise die Schmalbiene, die Blaue Holzbiene ist dagegen ein “dicker Brummer”, der fast 30 Millimeter misst. Für sie kann man im Herbst Hochstauden stehen lassen, deren Stängel sie als Winterquartier nutzen. Dankbar sind sie auch für Nisthilfen, in denen sie ihre Eier ablegen können. Dazu eignen sich trockene und sonnige Stellen im Steingarten, an Trockenmauern, in Mauerspalten oder Schneckenhäuschen.

Andere Arten bevorzugen Nester in Totholz oder abgestorbenen hohlen Pflanzenstängeln. Ein Insektenhotel kann man im Übrigen einfach selbst bauen. Anleitungen dafür findet man unter www.wildbienen.de oder unter www.nabu.de. Fertigmodelle gibt’s in Bau- und Gartenmärkten.

Noch mehr Leben & Wohlfühlen

Land & Leute Redaktion | 23. April 2020