Leben » Lavendelblüte im Klostergarten
Leben » Lavendelblüte im Klostergarten

Lavendelblüte im Klostergarten

Lavendelblüte im Klostergarten

Seine Leidenschaft für Kräuter und Lavendel lebt Klaus Schlosser in der Südpfalz auf dem Gelände einer ehemaligen Klostermühle aus und lässt seine Gäste hier die Natur mit allen Sinnen genießen.

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Seine Kindheit verbrachte Klaus Schlosser auf einem Bauernhof und wurde, wen wundert es, Gemüsebauer und Gärtnermeister mit eigenem Betrieb. “Als ich Ende 20 war, nahm eine Idee Gestalt an: Ich wollte der Natur näher sein und sie anderen auch näherbringen”, erinnert sich der Mann mit dem markanten Hut. Doch es sollte noch viele Jahre dauern, bis er seine Idee verwirklichen konnte:

Mit 50 übergab er seinen Hof in neue Hände und ging auf die Suche nach dem richtigen Ort, um seinen Plan in die Realität umzusetzen. “Das hat dann noch einmal fünf Jahre gedauert. Aber dann fand ich den richtigen Platz: das historische Gelände der ehemaligen Klostermühle Heilsbruck in Edenkoben”, berichtet Klaus Schlosser. Von Schutt, Steinen und abbruchreifen Wirtschaftsgebäuden ließ er sich nicht abschrecken und schuf ein kleines Paradies mitten in den Weinbergen.

Natur erlebbar machen

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Sensibel, mit einem Händchen für die Verbindung von Altem und Neuem – so lässt sich die Anlage des Kräutergartens Klostermühle am besten beschreiben. Das Haus steht auf den Grundmauern eines Gebäudes, das zur Klostermühle gehörte und baufällig war. Alle alten Baustoffe wurden auf dem Areal wiederverwendet, zum Beispiel für Mauern und Terrassen. Das Haus hat Klaus Schlosser selbst nach ganzheitlichen Prinzipien entworfen und gebaut.

Auf der einen Seite lebt er, auf der anderen entstanden eine Genussküche für Kochkurse sowie Räume für Seminare und Feiern. Oben plante er einen kleinen Trockenturm ein, durch den der Wind vom Pfälzer Wald ungestört weht und Kräuter trocknet. Eine idyllische Gästewohnung rundet das Anwesen ab. “Allerdings gibt es hier nur nach Bedarf WLAN. Ich halte elektromagnetische Strahlung für problematisch”, erläutert der Kräuterkundige.

Das steht im Einklang mit seinem Vorsatz zu helfen, dass seine Gäste im Kräutergarten Klostermühle die Ursprünglichkeit und Ruhe wiederentdecken, die Natur erfahren und mit allen Sinnen genießen sollen. Aus dem Haus blickt man auf den Kräutergarten und eine sanft hügelige Landschaft, die zum größten Teil aus Weinbergen besteht, und den Pfälzer Wald im Hintergrund.

Herrliche Düfte

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Lavendel hat eine beruhigende Wirkung, genau wie die Zitronenverbene – und beide gedeihen hier prächtig. “In den Lavendel habe ich mich bei einem Besuch der Provence verliebt”, berichtet der Kräutergartenbesitzer. Er bezieht seine Pflanzen jedoch aus England. In Frankreich wird Lavendel für kommerzielle Zwecke angebaut.

In England, speziell beim Lavendelspezialisten Downderry, gibt es viele verschiedenen Sorten, die ihm besser gefallen. 45 davon hat er in unterschiedlichsten Formationen in seinem Garten gepflanzt und züchtet sie auch selbst nach. Deshalb gibt es im Hofladen mehr Sorten zu kaufen als in den meisten anderen Gärtnereien Deutschlands. Dort bekommt man auch ätherische Öle, die in einer Glasdestille gewonnen werden.

Kräutertee aus eigener Ernte

Der 67-Jährige beginnt aber auch zu strahlen, wenn er von seinem Zitronenverbenentee erzählt: “Die Pflanzen duften einfach fantastisch, und der Tee schmeckt wunderbar erfrischend. Ich habe ihn in Frankreich kennengelernt.” Die Blätter für den Tee werden im eigenen Trockenturm getrocknet. Wer den Kräutergarten besucht, wird schon am Eingang von den verschiedensten Lavendelsorten empfangen.

Im weiteren Verlauf des Gartens findet man unterschiedlichste Heilkräuter, über deren Wirkung Klaus Schlosser bestens Bescheid weiß. Sein Wissen gibt er auf Führungen zum Besten, erklärt dabei aber auch ganz praktische Dinge, wie etwa den Rückschnitt des Lavendels. Zweimal im Jahr wird ein großes Fest zu Ehren des Lavendels gefeiert, die “Lavendellust” (siehe auch nächste Seite). Und wer sich von dem schönen Areal nicht trennen möchte, kann auch die Ferienwohnung mieten.

Lavendel-Tipps vom Profi

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Sichere Sorte

‘Ashdown Forest’ trägt seinen Namen “Eingeäscherter Wald” nicht umsonst: Die Pflanze treibt immer wieder aus – sogar nach einem Feuer. Sie blüht blau, ist frostfest, duftet himmlisch und wird etwa 50 cm hoch. Damit eignet sie sich perfekt für Hausgärten und als Beeteinfassung.

Guter Standort

Die duftende Pflanze stammt aus dem Mittelmeerraum und benötigt deshalb einen warmen, sonnigen Platz. Lavendel mag kalkreiche, alkalische Böden und steht nicht gern im Nassen. Die meisten Sorten sind gut winterfest.

Richtige Pflege

Lavendel ist unkompliziert, er muss aber regelmäßig mit Bedacht zurückgeschnitten werden: Nach der Blüte bis eine Handbreit über dem alten Holz. Ende Oktober noch einmal die alten Blühstiele entfernen. Im Frühling, wenn kein Frost mehr zu erwarten ist, schauen, wo die Pflanze am alten Holz austreibt, und bis dahin zurückschneiden. Klaus Schlosser düngt alle zwei bis drei Jahre mit einem Naturdünger.

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Richtig ernten

Nach einigen sonnigen, warmen Tagen, wenn die ersten Blütchen an der Rispe unten anfangen zu verwelken, sollte der Lavendel zum Trocknen geerntet werden. Dafür warten, bis morgens der Tau abgetrocknet ist.

Beliebte Blüten

Lavendel verblüht, sobald er von Bienen besucht wird, weil die Schönheit der Blüte und der Duft dann ihre Schuldigkeit getan haben. Die Pflanze lockt nicht nur die Insekten mit ihrem Duft. Sie gehört auch zu den beliebtesten Gartenpflanzen. Selbst für Balkone gibt es die richtige Variante: ‘Dwarf Blue’, der blaue Zwerg, wird nur 40 cm hoch und gedeiht auch in Töpfen.

Der Hofladen

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Im Hofladen verkaufen Klaus Schlosser  und seine Mitarbeiter viele selbst gemachte Produkte. Dazu bieten sie Kaffee, Tee, Kuchen oder auch herzhaften Kräuterflammkuchen im Café an. Spezialität des Hauses: ein Aperitif aus Lavendelsirup, mit Prosecco oder Sekt aufgegossen. Besucher des Kräutergartens können dort auch Produkte aus eigener Fertigung kaufen. 

Abgesehen von Lavendelprodukten wie Sirup, Wasser oder Öl wird auch Zitronenverbene verarbeitet, die hier ebenfalls sehr gut wächst. Ihre Blätter werden im eigens dafür gebauten Trockenturm auf dem Haus zu aromatischem Tee getrocknet. Dazu bietet der Hofladen neben zahlreichen Lavendelsorten auch eine große Auswahl von Heil- und Kräuterpflanzen und Gemüsesorten aus ökologischem Anbau an.

Volles Programm

Wer sich anmeldet, kann im Kräutergarten Klostermühle auch an einer Führung durch die Gärten teilnehmen. Über die Grenzen bekannt ist das Fest “Lavendellust” mit Gartenführungen, Marktplatz, Kulinarischem, Pfälzer Weinen und einer Vorführung der gläsernen Lavendeldestillation. Es findet am 27./28. Juni und nochmals am 11./12. Juli statt. Außerdem gibt es Kochkurse. Kräutergarten und Hofladen haben bis zum 31. Oktober mittwochs bis freitags von 11 bis 18 Uhr und samstags von 11 bis 16.30 Uhr geöffnet. Infos unter www.kraeutergarten-klostermuehle.de

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| Land & Leute Redaktion | 31. Juli 2020