Leben » Lila Frühlingsboten: Veilchen & Violen
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Lila Frühlingsboten: Veilchen & Violen

Lila Frühlingsboten: Veilchen & Violen

Fröhlich schauen uns ab März die bunten Gesichter der Stiefmütterchen an. Aber wussten Sie, dass diese üppigen Blumen eng mit dem zarten Duftveilchen verwandt sind?

Frühlingslust ohne Violen? Das war schon immer undenkbar! Während heutzutage das Stiefmütterchen mit seinen vielen Farb- und Formvarianten die Mengenrekorde verkaufter Frühlingspflanzen anführt, war bis zum Ende der Romantik das Duftveilchen (Viola odorata) der berühmteste Vertreter dieser lieblichen Sippschaft. Man erkennt es an den tiefblauen Blüten über herzförmigem, hellgrünem Laub.

In der Antike hatte das Veilchen eher den Ruf zu verführen, als sittsam im Gebüsch auf seinen Auftritt zu warten. Das Duftveilchen hat auch in christlichen Bildern einen festen Platz, wenn auch nicht als Symbol der Sinnenfreude wie einst. Ganz im Gegenteil! Da das Veilchen sich bereits in der Knospe selbst befruchten kann, wurde es zum Sinnbild der unbefleckten Empfängnis Mariens.

Veilchen: Die Verwandtschaft

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Ähnlich, aber duftlos sind die Pfingstveilchen (Viola sororia). Sie sehen aus wie vergrößerte Duftveilchen. Den fehlenden Duft machen sie durch rasantes Wachstum wett. Im 19. Jahrhundert wurde das Stiefmütterchen – diesen Namen erhielt es vermutlich wegen des etwas verkniffenen Blütengesichtes – immer beliebter. Vom grazilen Ackerstiefmütterchen bis zum großgesichtigen Blumenstar war es jedoch ein weiter Weg.

Was das Stiefmütterchen so anziehend machte und macht, ist die unerhört reiche Farbenpalette inklusive Zeichnungen, Wischungen und Mischungen. Schwärzliches Purpur, zartlila schattiertes Rehbraun, Orange und Rost, aquarellähnlich verwaschene Rosétöne, Mondgelb bis hin zu Kristallweiß – kaum ein Farbenwunsch bleibt unerfüllt.

Alle, die sich an den gelben 08/15-Stiefmütterchen sattgesehen haben, können sich mit einem Blick in gute Saatgutkataloge neu begeistern. Es ist kaum zu glauben, wie viele schöne Spielarten man im Blumenhandel selten findet. “Selbst ist der Gärtner”, lautet das Motto, denn eine eigene Stiefmütterchenanzucht ist einfach, oft versäen sich gekaufte Pflanzen sogar selbst. Besonders gefragt sind im Augenblick Typen mit gewelltem Rand und kleinblumige, “Cornuten” genannte Sorten.

Ausdauernde Hornveilchen

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Wer die zarten Hornveilchen kaufen will, sollte aufpassen: Bei den reizenden Kleinblumen handelt es sich oft um Stiefmütterchen, die per Aussaat herangezogen wurden. Ebenso wie ihre großen Kolleginnen sind sie eher kurzlebige blumige Muntermacher. Echte Hornveilchen (Viola cornuta) sind dauerhaftere Gartenstauden.

Meist per Steckling vermehrt, blühen sie alljährlich vom Frühling bis in den Winter hinein reich und zuverlässig. Die robuste Pflanze gibt es in immer größerer Auswahl in gut sortierten Staudengärtnereien. Sie brauchen Sonne und einen offenen Standort, der nicht von anderen Pflanzen beschattet wird. Als Faustregel gilt: “Je kleiner die Blüten, umso zäher die Pflanze.”

In Kübel und Kästen sollten Stiefmütterchen und Hornveilchen mit ca. 5 cm Abstand in Blumenerde gesetzt werden. Hornveilchen versamen sich aber auch gerne in Pflasterfugen. Dort werden sie nicht von anderen Pflanzen bedrängt und kommen bestens zur Geltung.

Veilchen, Siefmütterchen und auch Hornveilchen halten einige Zeit in der Vase, wenn sie nicht zu warm stehen. Wenn man bunte Stiefmütterchen und Hornveilchen vorsichtig in einer (noch) laublosen Rankpflanze befestigt, sieht diese gleich viel frühlingshafter aus. Die Violen in kleine Tüten pflanzen, oben mit Moos abdecken und am Boden Löcher anbringen, damit das Gießwasser ablaufen kann.

Namen und Arten – ein Überblick

Haben Sie sich auch schon einmal gefragt, warum man die komplizierten botanischen Pflanzennamen braucht? Ganz einfach: Die lateinische Bezeichnung ist weltweit immer eindeutig! Nur in der jeweiligen Muttersprache kann eine Pflanze unterschiedliche Namen haben – und die wechseln sogar von Region zu Region. So heißt das Stiefmütterchen in manchen Gegenden Deutschlands auch Christusauge. Doch stammen alle, die das Wort “Veilchen” in ihrem Namen tragen, auch aus der gleichen Familie? Wir haben die Verwandtschaftsverhältnisse einmal geprüft.

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Blühstark: Stiefmütterchen (Viola x wittrockiana) und das kleinblütige Hornveilchen (Viola cornuta) gehören zur Familie der Violen. Sie haben oft eine gesichtsartige Zeichnung. Beide sind pflegeleicht und robust. Das Hornveilchen blüht viel ausdauernder.

Echt: So wie dieses dunkellaubige Labrador- Veilchen (Viola labradorica) stellen wir uns eigentlich Veilchen vor. Genau wie die Duftveilchen (Viola odorata) sind sie sehr genügsam. Erstere wachsen fast überall, nur nicht in stehender Nässe. Beide vermehren sich fleißig, wenn sie sich im Beet wohlfühlen.

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Falsch: Das Alpenveilchen (Cyclamen) gehört nicht in die Gattung der Violen. Der deutsche Name führt uns in die Irre, aber dafür kann das reizende Pflänzchen ja nichts! Wenn sie einen Platz im Schatten oder Halbschatten haben, blühen Alpenveilchen – je nach Sorte – im Frühling, Sommer oder Herbst in üppigen Horsten und beeindrucken mit ihren marmorierten Blättern, die sich nach der Blüte zurückziehen.

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| Land & Leute Redaktion | 17. Februar 2021