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In der Papiermühle Homburg

In der Papiermühle Homburg

In der Papiermühle Homburg wird seit über 100 Jahren Papier von Hand gefertigt – bis heute: Papiermacher und Erbe des Familienbetriebs Johannes Follmer kreiert dort wertvolle Blätter.

Ruhig ist es in der Werkstatt, wenn Papiermacher Johannes Follmer an der Bütte steht und mit gleichmäßigen Bewegungen die Mischung aus Baumwoll- und Hanffasern mit Wasser verrührt. Er übernahm nach einer gut zwanzigjährigen Pause die Papiermühle von seinem Vater und führte den Betrieb weiter. Nur das Wasser hört man schwappen, wenn er Papier herstellt. Nach einiger Zeit greift er zu dem zuvor befeuchteten Schöpfrahmen, taucht ihn in die Bütte, schüttelt ihn hin und her und hebt ihn vorsichtig heraus.

So entsteht ein Bogen Papier

Handgeschöpfte Papierbögen in der Papiermühle Homburg
©BohnerProduktion/Silke Bohner und Team

Dabei sitzt jeder Handgriff. “Ich brauche dafür eine innere Ausgeglichenheit, sonst merkt man das später an dem Papier”, erklärt er und beugt sich über den Rahmen, der jetzt über der Bütte zum Abtropfen liegt. Er untersucht den Bogen auf kleine Faserknoten. Gewöhnlich findet er nur wenige, die mit der Pinzette herausgezupft werden.

Zuvor hatte er zerschnittene Baumwolllumpen in Wasser faulen lassen, bis sich die Fasern zersetzt haben. Dann werden sie mit Flachs und Hanf im Holländer, einer Maschine, die der Zerfaserung von Stofffetzen dient, gemahlen und mit reinem Quellwasser vermischt. Dazu kommen, je nach Papierart, Leim, Farben und andere Zusätze. Ist die Masse fertig, wird 1 Teil dieses Faserbreis mit 99 Teilen Wasser in der Bütte, einem großen Zuber, der dem Papier seinen Namen gibt, verrührt.

Papier schöpfen: Fingerspitzengefühl gefragt

Johannes Follmer schöpft in der Papiermühle Homburg einen Bogen Papier.
©BohnerProduktion/Silke Bohner und Team

Haben sich alle Klumpen aufgelöst, folgt der große Augenblick: Johannes Follmer schöpft mit einem feinmaschigen, gerahmten Sieb den Faserbrei aus der Bütte. “Damit jeder Bogen die gleiche Stärke und Konsistenz hat, benötigt dieser Vorgang große Erfahrung und viel Fingerspitzengefühl”, erklärt er. Nach der schon beschriebenen Qualitätskontrolle auf verbliebene Knötchen folgt das Gautschen.

Darunter versteht der Papiermacher einen Vorgang, bei dem der geschöpfte Bogen mit gleichmäßigem Druck auf einen Filz gepresst wird. Das wird so oft wiederholt, bis Filz- und Papierbögen einen Stapel bilden. Der wird mit einer Spindelpresse unter hohem Druck entwässert.

Später werden die Bögen noch einmal zwischen Trockenblätter aus Zellulose gelegt, um die Restfeuchte zu entziehen. Zu guter Letzt kommen die Bögen auf ein Trockengestell und hängen dort wie Wäsche auf der Leine. Nur durch diesen langsamen, spannungsfreien Trocknungsprozess ist garantiert, dass das Papier nicht wellig wird.

Wiederbelebte Manufaktur

Das Wasserrad der Papiermühle Homburg liefert den Strom für die Papierherstellung.
©BohnerProduktion/Silke Bohner und Team

Von 1853 bis 1975 wurden in der Papiermühle Homburg von der Familie Follmer Papiere und Pappen produziert. Danach lag sie über 20 Jahre lang brach, bis die Mühle 1997 als Museum wiedereröffnete. Ursprünglich wurde sie von ihrem Gründer 1807 an den jetzigen Platz verlegt, weil es hier das Wichtigste für die Papierherstellung im Überfluss gibt: Wasser. Noch heute liefert der Bischbach Quellwasser für die Papierherstellung und treibt nach wie vor das Mühlrad an.

Obwohl Johannes Follmer das Papiermachen in die Wiege gelegt wurde, lernte er erst Schreiner, bevor das Erbe durchschlug: “Während der Sanierung der Mühle bin ich ins Papiermachen hineingestolpert. Ich habe in der Zeit in Kursen viel darüber gelernt und auch die Papiermacherschule in Gernsbach besucht. Dort erlernte ich aber nur die moderne Papierherstellung”, erzählt er.

Seit 1999 betreibt er seine Papiermacher-Werkstatt in einem Nebengebäude des Museums. So ist die Papiermühle Homburg jetzt nicht nur Ausstellung, sondern wieder Manufaktur für Papiere. Wer das Papierschöpfen selbst einmal ausprobieren möchte, kann das dort bei einer Führung oder in einem Kurs tun. Zudem findet hier im August eine Woche lang die Sommerakademie mit vielen Kursen rund ums Papier statt.

Museum

Das Museum ist vom 1. Mai bis zum 31. Oktober dienstags und freitags von 10 bis 12 Uhr und von 14 bis 16 Uhr geöffnet. Samstags, sonntags und feiertags von 10 bis 12 Uhr und 14 bis 17 Uhr. Außerhalb der Saison bitte anmelden!

Museum Papiermühle Homburg
Gartenstraße 11 
97855 Homburg/Main
Tel. 09395/99222
www.papiermuehle-homburg.de

| rtv Redaktion | 19. September 2019