Leben » Glück auf Kufen: Schlittenfahren
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Glück auf Kufen: Schlittenfahren

Glück auf Kufen: Schlittenfahren

Sobald die ersten Flocken zu Boden rieseln und alles in winterliches Weiß tauchen, kommt das älteste Transportmittel der Welt, der Schlitten, wieder zu seinem Einsatz – mal zum Rodeln und mal gezogen von Pferden oder Hunden.

Der Schnee knirscht unter den Kufen, eiskalte Luft prickelt im Gesicht – es ist im Winter immer wieder ein Vergnügen, mit dem Schlitten einen Hügel hinunterzurasen. Dabei ist kaum jemandem bewusst, dass er auf dem ältesten Transportmittel der Welt sitzt. Ursprünglich stammt es aus der Wüste und wurde schon vor der Erfindung des Rades – im 3. Jahrtausend vor Christus – von den alten Ägyptern zum Transport von schweren Steinblöcken genutzt, mit denen sie Pyramiden, Tempel und Paläste bauten. Einer der ältesten Schlitten in Europa wurde in Norwegen im Grab eines Wikingerfürsten gefunden und stammt aus dem 8. Jahrhundert. Er belegt die frühe Nutzung in Nordeuropa.

Kufenspaß für jeden

Vintage-Holzschlitten mit Schaffell im Schnee
©Colourbox

Hierzulande war das Kufengefährt anfangs ein reines Arbeitsgerät, mit dem Schweres transportiert wurde. Im Alpenraum entwickelte sich im Laufe der Zeit der Hörnerschlitten mit nach oben verlängerten Kufen zum Lenken, Ziehen oder Schieben. Bergbauern transportierten damit Heu oder geschlagenes Holz – auf abgelegenen Almen wird er dafür noch heute benutzt. Doch auch bei Umzügen oder Feiern kam der “Horner” zum Einsatz, und schon im 15. Jahrhundert entstanden die ersten Prunkschlitten, mit denen reiche Adelige sich von Pferden durch den Schnee ziehen ließen.

Im Winter sollten prächtige Schlittenumzüge das Volk beeindrucken, und der Besitz des Schlittens war den oberen Schichten vorbehalten. Im Laufe der Zeit nahm das Interesse der Reichen und Schönen ab, und der Schlitten wurde für jedermann zum Wintergefährt, das es in vielen Varianten bis hin zum Pferdeschlitten gab. Das erste Mal erwähnt wurde der “Wintersport” vom griechischen Schriftsteller Plutarch, der im 1. Jahrhundert nach Christus lebte: Er beschrieb Menschen, die auf ihren Schutzschilden den verschneiten Hang hinabfuhren.

In Davos wurde der erste offizielle Rodelhang der Welt 1879 eingeweiht. Von dort aus hat sich das Schlittenfahren zu einem beliebten Wintervergnügen, aber auch zu einer Sportart entwickelt, in der spannende Rennen gefahren werden. Traditionelle Schlitten sind aus Holz gefertigt. Noch heute gibt es Stellmacher, im Süden “Wagner” genannt, die sich auf den Bau und Nachbau von Schlitten spezialisiert haben, wie zum Beispiel Andreas Hauck im oberbayerischen Baiern oder die Firma Weber.

Schlitten oder Rodel?

Im Gegensatz zum Schlitten, bei dem die Kufen ganz aufliegen, hat ein Rodel schräg stehende Kufen. Dadurch fährt er schneller, rutscht nicht so leicht aus der Spur und ist kurvengängiger. Zudem ist er im Gegensatz zum starr konstruierten Schlitten flexibel gebaut und hat keinen Lattensitz, sondern einen aus geflochtenen Gurten. Für Amateurrodler gibt es auch Lenkschlitten oder Rodelschalen aus Kunststoff, die leichter und meist preiswerter sind.

Die Profis messen sich im Rennrodeln und liegen dabei auf einem offenen Rennschlitten. Fahren sie bäuchlings mit dem Kopf voran auf einem ähnlich flachen Gerät zu Tale, nennt sich der Sport Skeleton. Bei beiden Sportarten werden Geschwindigkeiten von mindestens 145 Kilometern pro Stunde erreicht. Der Bob erinnert optisch kaum noch an einen Schlitten, aber seine geschlossene Fahrkabine steht auf Kufen. Er wird angeschoben, um dann mit mindestens 100 Stundenkilometern bergab zu rasen – schneller, als jeder Amateur den Hügel runterfährt.

Rodeln mit Sicherheit

Schlittenfahren ist herrlich, aber nicht ganz ungefährlich. Beherzigen Sie deshalb ein paar Tipps und lassen Sie sich den Spaß nicht verderben!

1) Der richtige Schlitten

Achten Sie beim Kauf unbedingt auf das TÜV-Zeichen und GS-Siegel für geprüfte Sicherheit! Finger weg von Billigmodellen ohne Prüfsiegel. Sie sind oft instabil und gefährlich. Es werden erstaunlich viele ungetestete Modelle angeboten.

Überlegen Sie vorher, welchen Ansprüchen der Schlitten genügen soll: Für Einzelfahrer ist ein Rodel, Lenkschlitten oder eine Rodelschale das Richtige. Wer zu zweit auf dem Gefährt sitzen und Kinder oder Einkäufe hinter sich herziehen möchte, wählt einen Holzschlitten. Er darf keine scharfkantigen Kufen haben. Unbedingt auf die Belastbarkeit und eine gute Verarbeitung achten!

2) Wo geht’s bergab?

Am besten ausgewiesene Rodelstrecken benutzen. Wo keine in der Nähe sind, eine ebene Strecke ohne Bäume suchen, die natürlich nicht in Straßennähe enden darf. Gut geeignet ist ein flach auslaufender Hang. Bevor Kinder die Strecke befahren, sollten ihre Eltern sie erst einmal auf Gefahrenstellen und Vereisung prüfen.

3) Gefahrloser Fahrspaß

Ein Fahrrad- oder Skihelm, wasserdichte Kleidung und festes Schuhwerk sind ein Muss. Anfänger sollten erst einmal auf einem flachen Hügel das Bremsen, Anfahren und Lenken trainieren. Auf dem Hang immer ausreichend Abstand zum Vordermann halten und sich nicht selbst überschätzen. Dazu gehört auch, dass nie mit Alkohol im Blut gerodelt wird! Und stürzt man doch einmal, möglichst schnell die Bahn räumen, damit niemand in einen reinfährt oder selbst zu Fall kommt.

| Land & Leute Redaktion | 31. Januar 2020