Leben » Wie Morbus Bechterew behandelt wird
Leben » Wie Morbus Bechterew behandelt wird

Wie Morbus Bechterew behandelt wird

Wie Morbus Bechterew behandelt wird

Morbus Bechterew – Optionen der Behandlung

Der Welt-Rheuma-Tag am 12. Oktober will die Aufmerksamkeit auch auf Morbus Bechterew lenken, eine chronische Entzündung der Wirbelsäule. Sie ist unheilbar, kann aber gut behandelt werden, meist durch eine Kombination aus Physiotherapie und Medikamenten. Der Rheumatologe Prof. Dr. Denis Poddubnyy (Foto unten) erklärt die verschiedenen Optionen der Morbus-Bechterew-Therapie.

Morbus Bechterew ist eine Autoimmunkrankheit, die erblich bedingt ist. Bei den Betroffenen löst das Immunsystem eine chronische Entzündung aus, die gesunde Körperzellen angreift. Häufig ist davon die Wirbelsäule betroffen, was zu Rückenschmerzen und Bewegungseinschränkungen führen kann.

©Charite Berlin

Symptome lassen sich meist verringern

Die Erkrankung lässt sich heute gut behandeln. Zum Einsatz kommen in der Regel Medikamente in Kombination mit nichtmedikamentösen Maßnahmen, vor allem Physiotherapie und Bewegungstraining. Dank medizinischer Fortschritte gelingt es meistens, die Symptome zu reduzieren. Das heißt, Schmerzen zu verringern, Gelenkversteifungen zu verzögern, Veränderungen an Knochen und Knorpel zu verhindern und die Beweglichkeit zu erhalten. 

Der Morbus-Bechterew-Experte Prof. Dr. Denis Poddubnyy unterscheidet zwischen leichten Formen und schwereren Verläufen: „Im ersten Schritt wird mit nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) wie zum Beispiel Ibuprofen oder Diclofenac behandelt“, erklärt der leitende Rheumatologe am Campus Benjamin Franklin der Charité – Universitätsmedizin Berlin. „Dazu kommen unbedingt Krankengymnastik und weitere nichtmedikamentöse Maßnahmen wie zum Beispiel Patientenschulung. Viele Patienten haben nur milde Formen und brauchen nur in einem Schub Medikamente.“

Immunsuppressiva bei schwereren Verläufen

Bei schwereren Verläufen setzt die Morbus-Bechterew-Therapie dort an, wo die Krankheitsschübe ausgelöst werden – beim körpereigenen Immunsystem. Immunsuppressive Medikamente sind in der Lage, die Immunabwehr zu dämpfen und die Autoimmunreaktion zu mildern. Sogenannte Biologika greifen gezielt ins Immunsystem ein. „Das sind Antikörper, die bestimmte entzündungsfördernde Botenstoffe des Körpers ausschalten, etwa die sogenannten TNF oder Interleukin-17“, erläutert Prof. Poddubnyy.

Biologika verbessern die Lebensqualität vieler Patienten deutlich. Prof. Poddubnyy: „Schmerzen und Steifigkeit verschwinden, man schläft besser, ist tagsüber fitter. Erfahrungsgemäß können viele Betroffene wieder uneingeschränkt im Leben stehen – ganztags arbeiten etwa, ihren Hobbys nachgehen, Sport treiben, soziale Kontakte pflegen.“

Für eine erfolgreiche Behandlung ist es wichtig, dass Morbus Bechterew rechtzeitig diagnostiziert wird. Leider erfolgt die Diagnose oft erst spät, weil die Rückenschmerzen jahrelang mit körperlichem Verschleiß erklärt werden. Hier setzt der Welt-Rheuma-Tag an. Der Aktionstag soll für die Erkrankung sensibilisieren und dazu beitragen, dass sie früher erkannt wird. Wer an Symptomen leidet, die für Morbus Bechterew sprechen könnten, kann zudem selbst aktiv werden: Die Berliner Charité stellt einen Bechterew-Check zur Verfügung, mithilfe dieses Online-Fragebogens gelingt eine erste Selbsteinschätzung. Bei Verdacht auf Morbus Bechterew sollte unbedingt eine Untersuchung beim Rheumatologen vereinbart werden.

| rtv Redaktion | 28. September 2021