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Heimkino-Tipp: “Parallele Mütter”

Heimkino-Tipp: “Parallele Mütter”

In seinem aktuellen Film „Parallele Mütter“ erzählt Regie-Exzentriker Pedro Almodóvar ein weiteres Mal von gelebter Solidarität unter Frauen

Die grenzenlose Kraft der Mütter

In der langlebigen Karriere des spanischen Regisseurs Pedro Almodóvar drehte es sich oft um starke Frauen und ihre Geschichten. Von „High Heels“ (1991) über „Alles über meine Mutter“ (1999) bis zu seinem neuen Film „Parallele Mütter“. Darin spielt Almodóvars Stammschauspielerin Penelopé Cruz die 40-jährige Fotografin Janis. Deren madrilenisches Großstadtleben wird auf den Kopf gestellt, als sie ungewollt schwanger wird. Bei der Entbindung im Krankenhaus lernt Janis die 17-jährige Ana (Milena Smit) kennen, ebenfalls ungeplant schwanger. Die zwei ungleichen Mütter werden zu Freundinnen. Und lernen mit der Zeit nicht nur ihre Geheimnisse besser kennen …

Almodóvar inszenierte sein vielschichtiges Drama in einer Ernsthaftigkeit, die mit seinen schrillen Frühwerken nicht viel zu tun hat. Stattdessen erzählt er melancholisch von Müttern und ihren Töchtern. Vom Schmerz, der dem Leben innewohnt. Und wie auch aus Abgründen neue Bindungen entstehen können. Er zeigt das Aufeinandertreffen unterschiedlicher Generationen und bleibt in seiner Erzählung ganz bei den Frauen. Den Männern bleibt nur die Nebenrolle. „Parallele Mütter“ ist eine Hommage an alleinerziehende Mütter und stellt im Laufe des Films auch das heteronormative Familienkonstrukt infrage. So oder so; Almodóvar veranschaulicht die Absenz der Väter und verknüpft dies mit den Nachwehen der Franco-Zeit. 

Es geht ihm um die unvermeidliche Last der Geschichte. „Parallele Mütter“ ist nicht nur visuell gewohnt beeindruckend umgesetzt. Auch Schauspiel und Handlung des toughen Dramas dürften die Zuschauer in ihren Bann ziehen. Der Haken schlagende Plot mag für erfahrene Filmfans zwar nicht ganz so viele Überraschungen bieten. Doch darum geht es Almodóvar auch nicht.  Neben seiner spannenden Geschichte erzählt „Parallele Mütter“ unter der Oberfläche im Stile einer eleganten Politparabel vom Umgang eines Landes mit der Schuld der Vergangenheit. Der Film erschien am 2. Juni auf Blu-ray und DVD sowie als digitaler Download.

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| Sebastian Zapf | 6. Juni 2022