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Interview mit Judith Hoersch: die neue “Lena Lorenz” im rtv-Gespräch

Interview mit Judith Hoersch: die neue “Lena Lorenz” im rtv-Gespräch

Frau Hoersch, Ab September sind Sie in der Rolle der „Lena Lorenz“ im ZDF zu sehen. Warum wollten Sie die Rolle spielen?

Judith Hoersch: Ich wollte eine Figur über einen langen Zeitraum begleiten. In einer Reihe wie “Lena Lorenz” taucht man in ein Universum ein und das ist eine spannende Herausforderung. Dass die Rolle neu besetzt wird, ist natürlich auch durch meinen Kopf gegangen, aber als Schauspieler sieht man das tatsächlich sportlich. Es war eine total spannende und mutige Entscheidung von den Machern zu sagen, wir trauen uns das jetzt.

Lena Lorenz wurde vorher von Patricia Aulitzky verkörpert – Was ist das für eine Herausforderung, als Schauspielerin eine Rolle von jemand anderem zu übernehmen? Geht man da ran wie an eine neue Rolle?

Judith Hoersch: Im Grunde genommen ja, mit dem Unterschied, dass es anderes Recherchematerial gibt. Dadurch, dass Patricia Aulitzky schon sehr viele tolle Filme als Lena gemacht hat, konnte ich schon mal ein bisschen gucken, woher kommt Lena, was will sie, was bewegt sie. Es ist weniger ein “wie hat sie das gespielt”, sondern mehr ein “was hat die Figur schon erlebt”. Man kann nichts nachspielen. Sie hat ganz wunderbar ihre Lena gefunden und ich musste dann eben meine Version finden.

Wie wurden Sie am Set vom bereits eingespielten Ensemble aufgenommen?

Judith Hoersch: Das war alles erstaunlich leicht. Ich hatte schon auch Bedenken, dass man vielleicht etwas fremdelt. Es war ja auch klar, dass es mit mir anders wird. Da braucht man dann das Selbstbewusstsein, um dann zu sagen, ich stelle mich jetzt hier hin und spiele das auf meine Art. Da muss die Chemie eben stimmen, aber alle waren total offen und neugierig und haben sofort super mit mir gespielt – es hat quasi sofort gefunkt.

Sie hatten also keine Angst, dass das Ganze schiefgehen könnte?

Judith Hoersch: Angst ist wirklich kein guter Ratgeber. Aber ich habe das für mich mit einkalkuliert, was wäre, wenn jemand kommt und sagt „jetzt guck ich mir das aber erstmal an, wie die das hier so macht“. Das war aber Gott sei Dank überhaupt nicht der Fall.

Zur Vorbereitung auf die Rolle haben Sie eine Hebamme begleitet – was konnten Sie lernen?

Judith Hoersch: Das war ein ganz kleines Praktikum, das ich im Krankenhaus gemacht habe, bei der Fachkraft, die auch am Set unsere Fach-Hebamme ist. Bei ihr war ich neben Vor- und Nachuntersuchungen auch bei einer Geburt dabei – natürlich alles inkognito (lacht) – und das war einfach großartig. Man schaut den Menschen buchstäblich auf die Hände und auf den Mund, hört genau zu – aber dasselbe hätte ich auch gemacht, wenn ich eine Köchin spielen würde oder eine Polizistin. Man tut ja immer so als ob, aber das sollte dann schon alles ordentlich sein.

Gleich in ihrer ersten Folge werden viele sehr ernste Themen angeschnitten: die Fernbeziehung, die Frau die nach einer Vergewaltigung schwanger ist und der demente Großvater – warum ist es wichtig, dass auch ernste Themen beleuchtet werden?

Judith hoersch: Die Themen Geburt und neues Leben sind schon große Eckpfeiler der Reihe, bei Lena Lorenz lebt ein Drei-Generationen-Haushalt, da ist jeder in seiner Lebensphase. Wir haben auch viel darüber gesprochen, ob wir dem Hauptthema der ersten Folge, der Vergewaltigung, gerecht werden können. Wir haben mit Tessa Mittelstaedt, die die Betroffene spielt, eine Kollegin gefunden, die sich da wirklich reinwirft. Und ich finde es auch gut, dass es nicht als seichtes Happy End auseinandergeht. Ich finde es gut, dass Lena die Familie durch die Situation manövriert, aber in einer gewissen Weise auch mal hilflos ist. Es ist keine Figur, die auf alles immer eine Antwort hat, sondern die auch mal sagt, ich weiß nicht, was ich machen soll. Nichts ist langweiliger als total vorhersehbare Figuren, die immer alles perfekt können.

Sie bekommen ja nun selbst ein Kind – wie viel konnten Sie diesbezüglich von Lena lernen?

Judith Hoersch: Das eine ist der Trainer an der Seitenlinie und das andere der Spieler auf dem Spielfeld. Man kann ein herrlicher Trainer sein und ein ganz schlechter Spieler. Es gibt auch Hebammen, die auf einmal selber Mutter werden und sagen “Oh Gott, was mache ich denn jetzt”. Das eine hat mit dem anderen überhaupt nichts zu tun. Aber durch die eigene Erfahrung habe ich jetzt noch einmal gesehen, was das für ein toller Beruf ist und wie wenig der geehrt wird. In den Filmen, die 2020 ausgestrahlt werden, wird Lena ja auch schwanger. Und deshalb würde ich es eher genau anders herum sagen, dass die Lena sich als Hebamme verändert, dadurch, dass sie selbst Mutter wird.

Dann haben Sie der Serie also nochmal einen persönlichen Schub gegeben, denn die Drehbücher wurden ja erst geändert, als sie schwanger wurden …

Judith Hoersch: Ja, ich habe da mit offenem Visier gespielt und gesagt so ist es jetzt, auch mit dem Joker, dass die Figur Lena sich zwar ein Kind wünscht, aber sich in der Story auch fragt, wie soll das hier gehen mit Fernbeziehung und meinen Arbeitszeiten. Nichtsdestotrotz, eine Schauspielerin mit einem Anschnallbauch ist leichter zu handeln als eine echte Schwangere. Wir haben besondere Gesetze, die Arbeitszeiten sind reguliert, man ist ein Risikofaktor, vielleicht fällt man aus. Das hat aber alles einwandfrei geklappt. Es hätte aber auch sein können, dass pausiert wird. Aber alle haben sofort gesagt „gut, dann machen wir das jetzt“.  Das fand ich schon großartig. Ich persönlich finde, das hat den Filmen auch sehr gutgetan.

Werden Sie, wenn das Kind da ist, eine Schauspielpause einlegen?

Judith Hoersch: Ich habe meine gesamte Schwangerschaft gearbeitet, jetzt bin ich auf der Zielgeraden und werde erstmal pausieren. Im Oktober werde ich noch in „Meine Nachbarn mit dem dicken Hund“ im Ersten zu sehen sein. Da spiele ich eine Punkerin, also ganz was anderes als Lena Lorenz. Ich denke meine Vielfalt ist mein Ass im Ärmel. Ich kann das nur so gut machen, weil ich auch andere Sachen mache.

Dann muss man ja auch immer wieder aus der eigenen Komfort-Zone raus …

Judith Hoersch: Das gehört für mich dazu. Ich muss auch immer Aufregung haben. Ich muss mitfiebern. Und wenn man alles schon kennt, dann wird man gemütlich in seiner Haltung dem Beruf gegenüber.

Wie bekommt man Schauspielerei und ein Kind unter einen Hut?

Judith Hoersch: Ich werde das eine mit dem anderen verbinden, weiter als Schauspielerin arbeiten. Ich sehe das bei so vielen Kolleginnen, die super Filme drehen, Kinder haben und das hinkriegen. Es ist einfach ein organisatorischer Akt. Wir Schauspieler haben natürlich den Vorteil, dass wir nicht den ganzen Tag ins Büro gehen, sondern auch ganze Tage mal frei haben. Ich bin ja auch nicht alleinerziehend, von daher wechseln wir uns da gut ab.

Sie sind auch Autorin, arbeiten Sie gerade an Projekten?

Judith Hoersch: Vorzugsweise schreibe ich Drehbücher, aber gerade arbeite ich an einem philosophischen Märchen, das sich “Juno, Amon und die zwei goldenen Ringe” nennt. Das wird auf der Frankfurter Buchmesse als Buch angeboten. Das ist für alle Altersklassen und entführt die Leser in eine ganz eigene Welt.

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| Katharina Montada | 27. August 2019