Neues aus Film und Fernsehen » “Dengler: Kreuzberg Blues” am 22.11. im ZDF
Neues aus Film und Fernsehen » “Dengler: Kreuzberg Blues” am 22.11. im ZDF

“Dengler: Kreuzberg Blues” am 22.11. im ZDF

“Dengler: Kreuzberg Blues” am 22.11. im ZDF

“Er kann keine Autoritäten akzeptieren, ist stur und hält Gesetze für verhandelbar.” Knapper als die Hacker-Aktivistin Olga kann man nicht ausdrücken, was ihren Freund, den Stuttgarter Privatermittler Georg Dengler (Ronald Zehrfeld), ausmacht. Die Beschreibung würde allerdings auch perfekt auf Olga selbst passen, genial verkörpert von Birgit Minichmayr.

Rotziger Tonfall, gelangweilter Gesichtsausdruck – ihre grenzenlose Verachtung für “das System” ist stets spürbar. Weshalb Olga sofort zur Stelle ist, als sie einen verzweifelten Anruf ihrer Freundin Ezra (Seyneb Saleh) erhält: Ezra wohnt in Berlin-Kreuzberg in einem alten Haus, das “entmietet” werden soll. 

Offene Fenster und aggressive Ratten

Dafür greift der Besitzer zu kriminellen Methoden, lässt etwa mitten im Winter die Fenster ausbauen und sogar aggressive Ratten in dem Gebäude aussetzen. Eine hat es bis in Erzras Wohnung geschafft und ihr Baby gebissen. Auf dem Kiez tobt ein brutaler Krieg zwischen Mietern und dem Immobilienhai Kröger – dem aber offiziell nie etwas nachzuweisen ist. 

Dengler und Olga sollen Beweise für seine Machenschaften heranschaffen. Wie immer in der ZDF-Krimireihe ist auch in “Kreuzberg Blues” nicht alles pure Fiktion. Schriftsteller Wolfgang Schorlau, der die Romanvorlage schrieb, hat intensiv im Kampfgebiet um das Recht auf Wohnen recherchiert. Und dabei in mehr als einen Abgrund geblickt. 

"Kein Mieter ist sicher"

“Es gab mehrere überraschende, teils bestürzende Erkenntnisse”, so Schorlau im ZDF-Interview zum Film. “Die erste: Kein Mieter ist sicher. Solange die Wohnungskonzerne viel mehr mit Neuvermietungen als mit ,normalen‘ Mieterhöhungen verdienen, versuchen sie fortwährend, bestehende Mietverhältnisse zu kündigen. Die zweite Überraschung: Wie hart und teils mit krimineller Energie die Entmietungen durchgezogen werden.” 

Nach Lars Kraume und Rick Ostermann saß diesmal Daniel Rübesam auf dem Registuhl. Er inszenierte den Häuserkampf mit Bildern, die in ihrer Trostlosigkeit eher ungewohnt für die Filmreihe sind. Auch gibt es diesmal weniger Action zu sehen. Was nicht zuletzt den erschwerten Drehbedingungen in der Pandemie geschuldet sein dürfte.

Ein Liebhaber für Olga

Dafür hat Birgit Minichmayr alias Olga, seit Fall eins 2015 dabei, in “Kreuzberg Blues” gleich mehrere große Auftritte: Endlich darf sie einmal ihrem Freund das Leben retten statt umgekehrt. Und während die beiden im Roman viel mehr als nur Kumpels sind, hat Stammautor Lars Kraume ihr diesmal einen schluffigen Liebhaber ins Drehbuch geschrieben.

Der mit Wollmütze und in Unterhosen am Herd steht. Und den sie in einer schön skurrilen Szene mit einem regungslos hingeworfenen “Kannst du bitte abhauen?” aus ihrem Leben bugsiert, noch bevor er die Spiegeleier zu Ende braten kann. Natürlich ist sie auch maßgeblich an der Lösung des Falls beteiligt – ohne Olga und ihre Hackerfähigkeiten geht auch diesmal nichts. 

Nach neunzig Minuten “Kreuzberg Blues” ist nichts zufriedenstellend. Dieses Gefühl stellt sich beim Zuschauer genauso zuverlässig ein wie nach dem letzten Fall “Brennende Kälte” um dubiose Waffentests und traumatisierte Afghanistan-Heimkehrer. Gut aber, dass es noch unverfilmte Bücher gibt.

Sendetermine zum Thriller “Dengler – Kreuzberg Blues”

  • Montag, 22. November 2021, 20:15 Uhr im ZDF
  • bereits seit Samstag, 15. November 2021, 10:00 Uhr in der ZDFmediathek
| rtv Redaktion | 16. November 2021