Neues aus Film und Fernsehen » “Die Welt steht still” am 15.11. im ZDF
Neues aus Film und Fernsehen » “Die Welt steht still” am 15.11. im ZDF

“Die Welt steht still” am 15.11. im ZDF

“Die Welt steht still” am 15.11. im ZDF

“Da kommt ein Tsunami auf uns zu!” Die Konstanzer Ärztin Dr. Carolin Mellau (Natalia Wörner) verliert schnell alle Illusionen über die neuartige Krankheit, die sie noch vor Kurzem als Kuriosum abgetan hatte. Die Intensivmedizinerin wollte das Jahr 2020 für eine berufliche Auszeit nutzen, nun dreht sich ihr Leben nur noch um Corona. 

Auch privat: Ihr Mann (Marcus Mittermeier) kann seinen Beruf als Orchestermusiker nicht ausüben, ihre Mutter ist isoliert im Altersheim, ihre Tochter darf den Freund in der Schweiz nicht besuchen, und der Optiker ihres Sohnes entpuppt sich als Verschwörungstheoretiker. Doch die schwerste Prüfung steht noch bevor: Dr. Mellau hat sich angesteckt und erkrankt schwer. 

Autorin Dorothee Schön verdichtet hier viele Folgen der ersten Welle und des Lockdowns. “Die Geschichte sollte ein ganz kleiner, sehr konkreter Ausschnitt sein und daran erinnern, wie man zu Beginn der Pandemie gefühlt und gedacht hat … Die Ereignisse waren wirklich dramatisch, trotzdem beginnen wir schon zu vergessen.” Wie wahr: Es fühlt sich eigentümlich an, diese so nahe und zugleich ferne Dramatik zu betrachten.

Eine leider aktuelle Würdigung

Die Geschichte ist stark zugespitzt, an der Umsetzung gibt es jedoch nichts auszusetzen – besonders wenn man bedenkt, dass der Film mitten in der zweiten Welle gedreht wurde. Sehr aufschlussreich geriet der einfühlsame, kenntnis reiche Blick auf die Leistung des medizinischen Personals. 

Eine Perspektive, die man nicht wichtig genug nehmen kann. In den Worten der Autorin Schön: “Im Frühjahr 2020 hat man von den Balkonen geklatscht, heute findet man das alles selbstverständlich – obwohl das medizinische System weiter an der Belastungsgrenze arbeitet.”

4 Fragen an Natalia Wörner

Sie spielt die Oberärztin Dr. Carolin Mellau, die von Anfang an mit ihren Kollegen gegen das neuartige Virus kämpft und schließlich selbst schwer erkrankt. Gedreht wurde der Film im März 2021 – mitten in der zweiten Welle und in einem stillgelegten Krankenhaus nahe Konstanz.

Sie spielen eine Intensivmedizinerin zu Beginn der Krise Anfang 2020. Hat Sie diese Rolle besondere Kraft gekostet?

Natalia Wörner: “Ja, das hat sie auf sehr unterschiedlichen Ebenen. Diese Dreharbeiten waren anders als alle zuvor, da wir uns in gewisser Weise zeitversetzt selbst beobachtet haben: Was macht die Pandemie mit uns? Wie dreht man unter Pandemie-Bedingungen überhaupt – und thematisiert dabei den Beginn dieser weltweiten Überforderung? Was macht die Pandemie mit mir als Privatperson, Mutter, Bürgerin?”  

Haben Sie während des Drehs etwas über die Situation im Gesundheitswesen gelernt, was Sie überrascht hat?

Natalia Wörner: “Ich habe sehr viel gelernt. Grundsätzlich blicke ich mit vollkommen anderen Augen auf Ärzte, Pflegepersonal oder Seelsorger und bin voller Hochachtung ob des Dauermarathons, den diese Berufsgruppe seit so langer Zeit bewältigt, ohne genug gewürdigt zu werden.”

"Keiner ist unberührt von Corona geblieben"

Corona ist im Alltag ständig gegenwärtig. Warum sollten sich die Zuschauer den Film genau deshalb ansehen?

Natalia Wörner: “Wir alle haben unsere Erfahrungen gemacht, jeder auf seine Art und nicht mit denselben Einsichten oder gar Konsequenzen. Keiner ist unberührt von Corona geblieben, manche haben die Krankheit durchgemacht – ich im Übrigen auch – und viele haben Menschen verloren. Das Leben hat sich neu kalibriert, wir fangen an, mit dem Virus auf Strecke zu leben, uns nicht mehr von Ausnahmezustand zu Ausnahmezustand zu hangeln. “Die Welt steht still” ist ein erster Schritt, dies mit dem Minimalabstand, den wir mittlerweile haben, filmisch aufzuarbeiten.”

Was haben Sie aus dieser schweren Zeit für sich mitgenommen?

Natalia Wörner: “Ich habe es als eine Vollbremsung mit Schleudertrauma erlebt – auf einmal wird der Stecker gezogen, und der Beruf ist erstmal weg, von jetzt auf gleich. Dass es vielen Menschen so ging, ist zunächst kein Trost für einen sehr subjektiven Moment, das Leben neu zu sortieren.”

Sendetermine zum Start des Films “Die Welt steht still”

  • Montag, 15. November 2021, 20:15 Uhr im ZDF
  • bereits ab Montag, 8. November 2021, in der ZDFmediathek
| Oliver Kinser | 9. November 2021