Neues aus Film und Fernsehen » Miniserie “Ein Hauch von Amerika” im Ersten
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Miniserie “Ein Hauch von Amerika” im Ersten

Miniserie “Ein Hauch von Amerika” im Ersten

“Die Amis bringen nur Laster und Sünde”. So gegensätzlich die Lebenslagen im pfälzischen Kaltenstein nach NS-Diktatur und Krieg auch sein mögen – einig sind sich die meisten Einwohner im Hass auf die “Besatzer”. Das gilt für die reichen Strumms ebenso wie für die armen Kastners. 

Doch Marie Kastner (Elisa Schlott) und ihre beste Freundin Erika Strumm (Franziska Brandmeier) brechen bald aus dieser Front aus. Die jungen Frauen merken, dass “die Amis” auch Chancen bringen. Erika begeistert sich für Coke, Swing, Dollars, kurz: Freiheit. Und ahnt nichts von dem Albtraum, in dem ihr “American Dream” enden soll. 

Marie ergattert unterdessen einen Job als Hausmädchen eines weltgewandten Colonels und verliebt sich in den schwarzen GI George (Reomy D. Mpeho). Eine Liebe, die von vielen angefeindet wird. Von den entsetzten Kaltensteinern, aber auch von Rassisten in der US-Army.

Routiniers und große Talente

Regisseur Dror Zahavi und das vierköpfige Autorenteam um Jo Baier erzählen diese Geschichte geradlinig und packend, ungeschönt und mit drastischen Szenen. Die Macher konnten sich auf famose Jungdarsteller in den Hauptrollen verlassen, doch auch kleinere Parts sind erlesen besetzt: Neben den “Tatort”-Stars Dietmar Bär und Anna Schudt hinterlassen zum Beispiel Samuel Finzi und Godehard Giese großen Eindruck. 

Allein der Beginn ist etwas ungelenk geraten, zudem fehlen Lokalkolorit samt Dialekt. Mehr gibt es kaum zu nörgeln. Mit der Liebe zwischen einer Deutschen und einem schwarzen GI wählt die Serie einen Schwerpunkt, der im fiktionalen Rahmen neu ist. Imposant auch, wie viele weitere Aspekte glaubwürdig beleuchtet werden: der hartnäckige Antisemitismus, die Traumata der Kriegsheimkehrer, die Emanzipation der Frauen. 

In Dror Zahavis Worten: “Ich hatte noch nicht oft die Gelegenheit, ein Projekt zu realisieren, das sowohl inhaltlich als auch von der Wirksamkeit so ein Potenzial hat.” Ein Projekt, dem große Aufmerksamkeit zu wünschen ist. Das gilt übrigens auch für die Doku zu den historischen Hintergründen.

3 Fragen an Elisa Schlott

Ein trauriger “Tatort” brachte den Durchbruch: Im Jahr 2015 hinterließ Elisa Schlott in “Borowski und der Himmel über Kiel” mächtig Eindruck. Nach “Unsere wunderbaren Jahre” (2020) spielt die Berlinerin nun zum zweiten Mal die Hauptrolle in einem großen Nachkriegsmehrteiler.

Wie haben Sie sich auf die Hauptrolle der Bauerntochter Marie vorbereitet? 

Elisa Schlott: Ich habe mit einer Familienaufstellung für die Rolle der Marie gearbeitet. Dadurch wurden alle inneren Wünsche und Ziele sehr konkret. Die Beziehungen von Marie zu ihrer Familie, ihren Freunden, aber auch zum Krieg wurden sehr plastisch. Auch den Alltag auf einem Bauernhof zu erleben, war wichtig für mich als Vorbereitung, um den Rhythmus und die Kraft der Figur zu verinnerlichen.

In Maries Heimat ist eine neue Zeit angebrochen. Wie verändert das ihr Leben? 

Elisa Schlott: Marie wird mit neuen Werten durch die Amerikaner konfrontiert, welche sie total durcheinanderbringen. Es öffnet sich für sie eine ganz neue Welt, die sie erforschen will, die aber mit ihren traditionellen Werten kollidiert.

Können Sie Maries Entwicklung nachvollziehen? 

Elisa Schlott: Zu Beginn handelt Marie im Sinne der Familie. Dann emanzipiert sie sich aber immer mehr von ihren Wurzeln und stellt sich mehr in den Vordergrund. Dabei ist sie auch sehr verletzend ihrer Familie und ihren Freunden gegenüber, aber nur so kann sie sich befreien. Ich verstehe also ihren inneren Kampf, ihre Motivation.

"Ein Hauch von Amerika - Die Doku"

“Viele Steine, wenig Brot”, lautete einst das Motto in der bitter armen Westpfalz. Im Kalten Krieg änderte sich alles: Zehntausende US-Soldaten wurden stationiert, mit ihnen kam ein ökonomischer Aufschwung und ein neues Lebensgefühl. Mit vielen Interviews macht die Doku die Erfahrungen der Einheimischen und der Stationierten nachvollziehbar. 

Im Speziellen geht es um Pfälzerinnen, die sich in GIs verliebten – was besonders beargwöhnt wurde, wenn die Soldaten Afroamerikaner waren. Zu sehen nach der sechsten Folge am 8.12. um 21.45 Uhr; in der ARD-Mediathek ab 24.11. abrufbar.

Sendetermine zum Start der Miniserie “Ein Hauch von Amerika” inklusive Doku

  • Folge 1 “Willkommen in Kaltenstein”: Mittwoch, 1. Dezember 2021, 20:15 Uhr im Ersten
  • Folge 2 “Frei sein”: Mittwoch, 1. Dezember 2021, 21 Uhr im Ersten
  • Folge 3 “Schulter an Schulter”: Mittwoch, 4. Dezember 2021, 20:15 Uhr im Ersten
  • Folge 4 “Vergiss die Amis”: Mittwoch, 4. Dezember 2021, 21 Uhr im Ersten
  • Folge 5 “Freunde und Feinde”: Mittwoch, 8. Dezember 2021, 20:15 Uhr im Ersten
  • Folge 6 “Kein Ort zum Leben”: Mittwoch, 8. Dezember 2021, 21 Uhr im Ersten
  • alle Folgen bereits ab Mittwoch, 24. November 2021 und nach der Ausstrahlung drei Monate lang in der ARD Mediathek verfügbar
  • “Ein Hauch von Amerika – Die Doku”: Mittwoch, 8. Dezember 2021, 21:45 Uhr im Ersten
  • bereits ab Mittwoch, 24. November 2021 und nach der Ausstrahlung zwölf Monate lang in der ARD Mediathek verfügbar
| Oliver Kinser | 24. November 2021