Reisen & Entdecken » Deutscher Wein: Qualität & Lagen
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Deutscher Wein: Qualität & Lagen

Deutscher Wein: Qualität & Lagen

Ob Sie lieber wandern oder mit dem Auto unterwegs sind: Das Kulturgut Wein lässt sich am besten vor Ort genießen – in einer der zahlreichen Weinregionen unseres Landes.

Die schönsten Weinwanderungen

In jeder Weinregion kann man mittlerweile durch die Rebberge wandern. Hier eine kleine Auswahl.

Fast noch ein Geheimtipp ist das Abt-Degen-Tal zwischen Schweinfurt und Bamberg. Winzer und Gastronomen sind mit viel Herzblut bei der Arbeit. Winzer und Wanderwege unter: www.abt-degen-weintal.de

Weitere Weinwanderungen in Franken finden Sie unter: www.franken-weinland.de

Noch recht neu im Rheingau sind der Klosterrundweg rund um Kloster Eberbach und die Rundtour “Rauenthaler Spange”. Beliebt ist auch der Hildegardweg. Infobroschüren wie z. B. “Wandern, Wein und Weitblicke” gibt es im Servicebereich von: www.kulturland-rheingau.de

Leicht gemacht wird es Weinfreunden, die an der Mosel wandern. Gut beschriebene Routen – die auch als App heruntergeladen werden können – finden Sie über: www.traumpfade.info

Tipp: Traumpfad Bleidenberger Ausblicke An der Nahe lassen sich Spuren des Kulturgutes Wein auf einem der Weinlehrpfade entdecken: www.weinland-nahe.de

Die Partnerseite Naheland berät bei Weingenussreisen. Infos unter: www.naheland.net

reife Rieslingtrauben
©Karlheinz Schmeckenbecher/Südliche Weinstrasse e.V.

Mit teilweise neu angelegten Wanderwegen lockt der Kraichgau im Herbst. Hier kann man gleich zwei Weinanbaugebiete zu Fuß entdecken: Württemberg und Baden. www.kraichgau-stromberg.com

Sehr beliebt ist das Ahrtal. Der AhrSteig wurde als “Qualitätsweg Wanderbares Deutschland” ausgezeichnet. www.ahrtal.de

An der Siefersheimer Bänkelches-Route in Rheinhessen warten 15 Bänke und acht Weingüter auf müde und durstige Wanderer. Weitere Wege und Pauschalangebote unter: www.rheinhessen.de

Im Markgräflerland ist das Wiiwegli von Weil am Rhein bis vor die Tore von Freiburg ein Klassiker. www.markgraefler-land.com

Den Ortenauer Weinpfad in Baden bewältigt man in sieben Tagesetappen: www.weinparadies-ortenau.de/ortenauer-weinpfad

Besonderheiten Deutscher Weine: Interview

©Colourbox

Wie steht es um die Qualität des Deutschen Weines? Wir fragten Natalie Lumpp. Sie ist Mitglied im Verband der Sommelier-Union. www.sommelier-union.de

Sommelier ist nicht unbedingt ein typischer Frauenberuf, oder?

Mittlerweile schon. Als ich vor 25 Jahren mit Wein anfing, gab es zwei Damen in Deutschland, die sich “Sommelier” nennen durften. Damals war es schon eine Herausforderung, sich in dieser Männerdomäne durchzusetzen. Heute haben wir jedoch 50 Prozent Frauen im Verband der Sommelier-Union.

Was zeichnet Ihrer Meinung nach das Weinland Deutschland aus?

Die Offenheit! Keine andere Nation importiert so viele ausländische Weine. Unsere Winzer müssen sich darauf einstellen, dass der Konsument auf dem Gebiet der internationalen Weine sehr bewandert ist. Deshalb sammeln sie Erfahrungen im Ausland und tauschen ihre Kenntnisse untereinander aus.

©Colourbox

Was machen die jungen Winzer denn anders?

Sie verstehen es, Tradition mit Fortschritt zu verbinden! Im Rebberg setzen sie neue Kenntnisse um, zum Beispiel die Traubenteilung zur Ertragsregulierung und Vorbeugung von Pilzkrankheiten. Im Keller arbeiten die jungen Kellermeister immer häufiger mit dem Verfahren der Kaltmazeration. So wird die Traubenfarbe intensiver und der Wein bekommt noch mehr Aroma.

Welche Rebsorte hat neben dem Riesling noch ein großes Potenzial?

Ich bin ein großer Fan vom Silvaner. Wenn Sie mal einen fränkischen Silvaner mit seiner floralen Art – sie erinnert im Duft oft an Veilchen und Lilien, so elegant und ausgewogen – probiert haben, dann werden Sie meine Euphorie verstehen. Der Riesling mag der “König der Weißweine” sein, der Silvaner ist für mich die “Königin der Weißweine”.

Wo findet man gute Weine?

Mittlerweile fast überall. Im Weingeschäft, Supermarkt und sogar neben der Autobahn. Über die “Weingüter entlang der Autobahn” habe ich ein Buch geschrieben. Jedes Gut ist höchstens 15 Minuten von der Ausfahrt entfernt!

Riesling: Was macht ihn so besonders?

©Colourbox

Warum er so beliebt ist, erklärt Top-Winzerin Carolin Spanier-Gillot aus Bodenheim (Rheinhessen). Sie betreibt dort zwei Weingüter mit ihrem Mann.

Der Riesling gilt als großer Klassiker unter den deutschen Weinen. Warum?

Weil er fast die einzige Rebsorte ist, die die Lage, den Boden und die Herkunft so präzise widerspiegeln kann.

Ist das der Grund, warum Rieslingweine ein so breites Geschmackspotenzial entfalten?

Ja, aber neben den unterschiedlichen Böden spielt der Weinausbau eine große Rolle. Er gibt dem Riesling die vielen verschiedenen Facetten. Einmal als sehr leichten und eleganten Wein, gerne auch mit einer leichten Süße, bis hin zum großen trockenen Terroirwein, also Lagenwein. Riesling kann den Jeden-Tag-Genuss zum kleinen Preis erfüllen, aber auch als Festtagswein dienen.

©Colourbox

Wie wird aus der Rieslingtraube ein erstklassiger Wein?

Die Herkunft spielt eine große Rolle. Je einzigartiger und besonderer die Lage, desto ausdrucksstärker, mineralischer und fester ist der Wein.

Welchen Stellenwert haben Rieslingweine bei Ihren Weingütern?

Mit Abstand den größten. Fast drei Viertel unserer Gesamtfläche ist mit Riesling bepflanzt. Entlang des Rheins sind die bekannten Steillagen mit dem einzig- artigen roten Schieferboden. Auch wenn es vielleicht schwierig zu verstehen ist, aber man kann Boden schmeckbar machen. Durch unsere ökologische Wirtschaftsweise, intensive Handarbeit und Handlese, schonende Traubenverarbeitung und keinerlei Zusätze im Wein schaffen wir es, authentische, wiedererkennbare Weine zu machen.

Wie lange sind gute Rieslingweine haltbar?

Faktisch unbegrenzt bei guter Lagerung. Ich durfte jüngst einen Riesling von 1914 und 1921 trinken, und beide waren unglaublich. Wein ist mit das einzige landwirtschaftliche Produkt, das über so viele Dekaden haltbar ist.

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Land & Leute Redaktion | 3. September 2020