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Granada: Ein Hauch von Orient im Süden Spaniens

Granada: Ein Hauch von Orient im Süden Spaniens

Am Rande der Gebirgskette Sierra Nevada in Südspanien liegt die andalusische Stadt Granada. In den Gebäuden und Sehenswürdigkeiten der Großstadt finden sich viele Spuren der Besetzung durch die Mauren.

Eine der beliebtesten Sehenswürdigkeiten und gleichzeitig Zeuge der Besetzung ist die Alhambra. Die Festung thront weit über den Dächern der Stadt Granada und war bis zur Zurückeroberung im Jahr 1492 durch die Spanier die Residenz der Könige der Nasriden-Dynastie, die seit dem 13. Jahrhundert in Granada herrschten.

Die Alhambra, die seit 1984 zum Weltkulturerbe gehört, lässt sich sowohl zu Fuß direkt aus dem Zentrum der Innenstadt oder mit einer Buslinie erreichen. Es ist ratsam, sich frühzeitig um Eintrittskarten für die einzelnen Teile des Bauwerks zu kümmern, da diese vor allem in der Hauptsaison weit im Voraus ausgebucht sein können. Achtung: Es müssen für Palast und Garten/Aussichtsturm zwei unterschiedliche Tickets gekauft werden.

Es gibt aber auch Bereiche, die ohne Tickets begangen werden können. Diese sind jedoch nicht so glanzvoll wie der aufwendig gestaltete orientalische Garten und die mit Stuck besetzten Palastgebäude. Nicht umsonst gehört die Alhambra zu einem der meistbesuchten Touristenziele in ganz Europa.

Städtische Schönheit im Wandel der Zeit

Gartenanlage der Alhambra, Granada
©rtv/Montada

Ein Teil der Gartenanlage “Jardines del Paraiso” in der Alhambra

Der Palast Karl V. in der Alhambra, Granada
©rtv/Montada

Auch innerhalb des Palastgeländes lassen sich in den Bauten Spuren mehrerer Besetzer und religiöser sowie kultureller Einflüsse finden. Die Nasridenpaläste glänzen mit dem orientalisch gestalteten Löwenhof und dem Goldstuckbesetzten Sala de los Abencarrajes.

Im Gartenbereich findet sich der Palast Kaiser Karls V. aus dem Jahr 1527. Wundern Sie sich nicht, wenn sich viele Besucher in die Mitte des Innenhofs stellen und plötzlich laut zu klatschen zu beginnen – die Akustik in der Mitte des rund gestalteten Palasts ist überwältigend. Vom Kopfsteinpflaster bis zu den hohen, zweistöckigen Marmorsäulen. Hier spiegelt sich deutlich der Einfluss der Renaissance wider.

Neben der Alhambra hat Granada aber auch noch einige andere prachtvolle Gebäude zu bieten. Allen voran die Basilica San Juan de Dios. Die Kathedrale findet sich inmitten enger Gassen und ist kaum zu sehen, bis man schließlich davor steht. Liebhaber christlicher Kirchenarchitektur können sich hier vor allem am barock gestalteten Altarbereich und den Deckenmalereien, die an die sixtinische Kapelle erinnern, erfreuen. Auch hier sind Eintrittskarten notwendig, die Sie in einer kleinen Touristeninformation in der Nähe der Sehenswürdigkeit kaufen können.

Berglabyrinth mit Überraschungspotential

In dem zum größten Teil am Berg gelegenen Stadtteil Albacin finden sich ebenfalls einige Kirchen sowie alte orientalische Paläste. Ein Ausflug lohnt sich hier beispielsweise in den Palacio de Dar al-Horra. Hier können Sie etwas darüber erfahren, welchen Einfluss die Zeit der Besetzung durch die Mauren auf die Infrastruktur, die Landwirtschaft, die Medizin und die Architektur in Granada und Umgebung hatte.

Nicht nur die Gebäude, sondern auch der Stadtteil Albacin an sich ist einen Ausflug wert. Aber Vorsicht: Hier sollten Sie nicht ohne detaillierte Karte oder Handy mit gutem GPS-Empfang und Karten-App unterwegs sein, sonst ist Verlaufen programmiert. Die engen Gassen winden sich durch die Berglandschaft, eine gleicht der nächsten, und es kann vorkommen, dass Sie plötzlich in einer Sackgasse landen und wieder zurücklaufen müssen.

Eine Straße im Stadtteil Albacin von Granada
©rtv/Montada

Dafür birgt der Albacin aber auch viele Überraschungen. Die meisten Gassen liegen im Schatten und in der Stille, doch hinter der nächsten Kurve kann bereits ein belebter Platz voller Cafés und Restaurants versteckt sein, so beispielsweise am Plaza Larga, der sich in der Nähe des Palacio de Dar al-Horra befindet.

Für Touristen, die ein Hotel oder Airbnb im Stadtteil Albacin gebucht haben, bietet sich eine Tasche oder ein Rucksack als Gepäckstück an – denn über die uneben gepflasterten Kopfsteinstraßen lassen sich Rollkoffer nur sehr schlecht ziehen. Es gibt zwar auch Busse, die in den Albacin fahren, Sie haben jedoch keine Garantie, dass Sie in der Nähe Ihrer Haustür landen! Deshalb ist auch festes Schuhwerk für Granada unbedingt notwendig.

Wer noch höher hinaus will, der kann im Albacin weiter in Richtung Sierra Nevada wandern. Dabei durchquert man einen Stadtteil, in dem die Bewohner in echten Höhlen wohnen – im heißen Sommer mit einer Durchschnittstemperatur von über 30 Grad sicherlich nicht die schlechteste Wohngegend.

Einzigartige kulinarische Besonderheit

Wenn Sie in der Hochsaison unterwegs sind und sich eher in touristischen Gegenden aufhalten, sollten Sie mit Englisch in Granada gut zurecht kommen. Für kleinere Örtlichkeiten und Restaurants schadet es nicht, ein wenig Spanisch zu lernen oder zumindest ein Wörterbuch dabei zu haben.

Das dürfte Ihnen auch bei den kulinarischen Besonderheiten der andalusischen Stadt weiterhelfen. Denn obwohl der typische Einwohner Granadas eher als etwas muffelig gilt, wird in der Gastronomie die Gastfreundschaft großgeschrieben.

In den typischen Tapas-Bars von Granada bekommen Sie keine Speisekarte wie in einem Restaurant. Es ist hier üblich, dass man zu jedem Getränk eine kostenlose Spezialität des Hauses dazu erhält. Meist kann man sich zwischen zwei Tapas (vegetarisch oder mit Fleisch) entscheiden – die Bar serviert dann nach der Auswahl des Hauses.

Ein paar Tapas-Bars wie beispielsweise in der “Babel Bar World Fusion” (Celle Elvira 41) bieten auch eine Tapas-Karte zum Getränk an. Zudem können Sie hier auch volle Gerichte bestellen.

Weiterreise erwünscht

©rtv/Montada

Die “Puente Nuevo” in der andalusischen Stadt Ronda

Die Anreise nach Granada sollten Sie vor Ihrem Urlaub regeln. Zwar befindet sich in der Stadt ein Flughafen, der bietet aber nur Inlandsflüge an. Der nächstgelegene Flughafen, der von Deutschland aus angeflogen wird, ist der in Malaga.

Von hier aus können Sie bequem mit einem Bus zwei Stunden bis nach Granada pendeln, die Tickets kosten circa 15 Euro. Allerdings lohnt es sich auch, über einen Mietwagen nachzudenken. Denn auch in der näheren Umgebung (1 bis 2 Stunden Fahrt) von Granada finden sich noch einige touristische Highlights:

  • Málaga: In der spanischen Studentenhochburg Malaga lässt sich nicht nur gut feiern, sondern auch kulturell einiges entdecken. Eine idyllische Hafenstadt mit spektakulärem Nachtleben und zudem durch den Flughafen perfekt angebunden. (ca. 1,5 Stunden Autofahrt von Granada entfernt)

  • Ronda: Die andalusische Stadt Ronda liegt etwas abgeschieden weiter westlich von Granada. Der Ort befindet sich in der Berglandschaft Serrania de Ronda und ist ein echter Touristenmagnet, vor allem wegen der berühmten Brücke “Puente Nuevo”, die ein spektakuläres Fotomotiv bietet. (ca. 2 Stunden Autofahrt von Granada entfernt)

  • Cordoba: Auch die spanische Stadt Cordoba ist geprägt von der Besetzung der Mauren. Hier befindet sich die Mezquita-Catedral, die aus einer Moschee heraus entstanden ist und seit 1984 zum Weltkulturerbe gehört. (ca. 2 Stunden Autofahrt von Granada entfernt)

  • Gibraltar: Bei gutem Wetter können Sie von Gibraltar, einem der südlichsten Punkte Spaniens, aus die Nordküste Afrikas beobachten. Außerdem gibt’s hier: freilaufende Bergaffen, die einst von Neandertalern bewohnte Gorham-Höhle sowie den beeindruckenden Fels von Gibraltar mit Aussichtsplattform. (ca. 3 Stunden Autofahrt von Granada entfernt)

  • Motril: In der Gegend um Motril gibt es touristisch bedingt viele Badestrände, die zu einem Tagesausflug ans Meer einladen. Außerdem werden in der Provinz um Motril sehr viele Avocados produziert – frisch vom Hersteller probieren lohnt sich.
| Katharina Montada | 11. Oktober 2019