Startseite » Reisen & Entdecken » Grüner reisen – die Natur schützen
Startseite » Reisen & Entdecken » Grüner reisen – die Natur schützen

Grüner reisen – die Natur schützen

Grüner reisen – die Natur schützen

Die Sehnsucht ist groß. Immer mehr Menschen möchten naturnah und ursprünglich Urlaub machen. Doch was bedeutet das überhaupt? Und welche Angebote sind sinnvoll?

Heiß ist es an diesem spätsommerlichen Tag am westlichen Bodensee, fast ein bisschen zu heiß, um eine Stunde lang das Wollmatinger Ried zu erkunden. Doch unsere Führerin, Martina Wunderle-Götz, reißt uns mit ihrer Begeisterung für diese 767 Hektar geschützte Natur mit. So unscheinbar dieses schilfige Gelände mit Wiesen, Bäumen und seinen Wasserflächen auf den ersten Blick auch aussehen mag: Die Natur ist hier so vielfältig wie kaum anderswo.

Allein 290 Vogelarten gibt es, und mit etwas Glück können wir später einige entdecken. Also stapfen wir im Gänsegang durch das Gelände, streifen mannshohe Gräser am Rand und sind überrascht von einem unglaublichen Duft. Unsere Führerin zupft ein Blättchen ab, streckt es uns hin. Es ist Wasserminze. Eine von 600 Farn- und Blütenpflanzen, die im Wollmatinger Ried gezählt wurden.

Respekt vor der Natur

Mit jedem weiteren Schritt durch das Ried wächst mein Respekt – vor der Pflanzen- und Tierwelt, die uns hier nahegebracht wird, und vor den Menschen, die darauf achten, dass sie erhalten wird. Denn es ist doch so: Nur wenn die Natur bewahrt wird, kann der Mensch auch darin Urlaub machen. Und die Sehnsucht, dem grünen Wald, dem klaren See oder der Weite und Brandung des Meeres möglichst nah zu sein, ist groß.

In vielen Regionen Deutschlands haben die Touristikexperten Angebote entwickelt, die es erlauben, entweder ursprüngliche Natur kennenzulernen oder sogar am Busen der Natur zu übernachten. Hier sind inzwischen Baumhäuser, Schäferwagen, Weinfässer oder das Zelt mit Durchblick zum Himmel beliebte Alternativen zu Hotel und Ferienwohnung. Relativ neu ist das sogenannte Trekkers Huus, eine klimaneutral betriebene Mini-Unterkunft für Wanderer in der Region Hannover. Aber auch bei den Hotels und Ferienunterkünften gibt es Häuser, die nicht nur herrlich mitten im Grünen liegen, sondern auch umweltfreundlich wirtschaften. Fündig wird man zum Beispiel beim “Verein der Bio Hotels” (www.biohotels.info).

Wer nicht nur wandern, sondern auch etwas über die Umgebung erfahren will, sollte auf Erlebnis- und Naturlehrpfade achten, die es nahezu in jedem Urlaubs- und Erholungsgebiet gibt. Aber oft sind geführte Touren zu Fuß oder auf und unter Wasser weitaus reizvoller. Wann hat man schon mal Gelegenheit, mit dem Jäger abends zwei Stunden lang auf die Pirsch zu gehen, in der Dämmerung eine Fledermaustour zu absolvieren oder vom Kanu aus Eisvögel, Seeadler, Graureiher und andere Vögel zu beobachten? Oder mit einer Meeresbiologin per Schnorchel die Unterwasserwelt zu entdecken? Naturkundige Experten sind auch die Regio-Ranger, die unter anderem in der Lüneburger Heide ihre Dienste anbieten.

Urlaub auf Fluss und See

Schweriner See in der Mecklenburgischen Seenplatte
©Colourbox

Ein Eldorado für naturnahe Urlaubsangebote ist Mecklenburg-Vorpommern. Hier sind es vor allem die Küstenregionen mit den Inseln und die Mecklenburger Seenplatte, die naturnahe Erholungsformen bieten. Urlaub auf dem Hausboot oder eine entschleunigende Tour auf dem Floß gehören ebenso dazu wie Entdeckertouren mit dem Ranger im Nationalpark.

Die Nationalparks – vom Bayerischen Wald im Süden bis zum Wattenmeer im Norden – zählen übrigens zu den Regionen, wo naturnahe Ferien am besten möglich sind. Ein Tipp: Angebote wie die Führung durch das Wollmatinger Ried und andere Unternehmungen finden Sie häufig in den Umwelt- und Naturschutzzentren. Wie der Urlaub auch erholsam für die Natur wird, erfahren Sie im Interview mit Kai-Steffen Frank, der unter anderem das Naturschutzgebiet rund um den Mindelsee betreut.

| Land & Leute Redaktion | 10. Februar 2020