Reisen & Entdecken » Kurreisen: Gesund werden mit Naturkraft
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Kurreisen: Gesund werden mit Naturkraft

Kurreisen: Gesund werden mit Naturkraft

Natürliche Heilmittel wie Luft, Erde und Wasser spielen eine große Rolle bei Kuren zur Rehabilitation, zur Heilung chronischer Krankheiten oder zum Vorbeugen vor neuen Beschwerden. Eine Kurreise erlaubt, einmal richtig vom Alltag abzuschalten und stärkt Körper und Geist.

Nirgends auf der Welt gibt es eine so große Anzahl und Vielfalt an Kurorten und Heilbädern wie in Deutschland: 350 Kurorte und Heilbäder tragen derzeit ein staatliches Prädikat – vom Moorheilbad über den Kneippkurort und das Mineral- und Thermalheilbad bis zum Seeheilbad ist alles vertreten.

Sie alle vereint das Vorkommen besonderer natürlicher Schätze: Ob Erde, Luft oder Wasser, die Elemente können eine enorme natürliche Heilkraft besitzen, die bei Krankheiten hilft und dazu die Abwehrkräfte stärkt. Das ist ein guter Grund, die deutsche Kurlandschaft einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Schon gewusst? Den Begriff “Kur” gibt es so eigentlich gar nicht mehr, stattdessen heißt die Kur nun “ambulante Vorsorgemaßnahme”. Der Einfachheit halber ist hier aber weiter von der klassischen Kur die Rede.

Ziel der Kur: Verhaltensänderung!

Schlammkur - Kurreisen
©Kulturhotel Fürst Pückler Park

Zentraler Bestandteil jeder Kur sind die natürlichen Heilmittel. Diese werden in verschiedenen Therapien angewendet: Es gibt Trinkkuren, die Thalassotherapie, Solebadekuren oder die Radontherapie. Jedes Heilmittel und jedes Heilverfahren hat dabei unterschiedliche Wirkungen auf unseren Körper und unsere Gesundheit. Welche Therapie für die persönlichen Beschwerden geeignet ist, lässt sich in einem ersten Schritt über die Indikationen der jeweiligen Kurorte herausfinden. Diese geben an, bei welchen Krankheitsbildern die Therapiemaßnahmen angemessen sind.

Im zweiten Schritt wird am besten mit dem Arzt Rücksprache gehalten. Eine Kur soll immer auch zu einer Änderung des eigenen Verhaltens führen, es soll ein Umlernen und Umdenken erfolgen. Das weiß auch Brigitte Goertz-Meissner, Präsidentin des Deutschen Heilbäderverbands (DHV): Die Kur “muss ein gutes und gezieltes Programm sein, um zu lernen, wie der eigene Körper funktioniert, wie man sich verhalten und das auch zu Hause fortsetzen sollte”. Auch aus diesem Grund beträgt die Mindestdauer einer Kur drei Wochen. Außerdem wird so gewährleistet, dass die natürlichen Heilmittel ihre langfristige Wirkung überhaupt entfalten können.

©Kulturhotel Fürst Pückler Park

Ein wichtiger Faktor ist dabei zudem der Ortswechsel: Die Energie, die normalerweise für Beruf und Alltag verbraucht wird, kann nun voll und ganz auf die aktive Mitarbeit im Genesungsprozess gerichtet werden. Und man tritt so ganz automatisch aus den eingefahrenen und eventuell krankheitsbahnenden Lebensgewohnheiten heraus und kann diese leichter kritisch hinterfragen. Eine Kur ist demzufolge auch eine Übungsbehandlung zur Vor- und Nachsorge – neben der Rehabilitation oder der kurativen Behandlung chronischer Krankheiten. Das Wichtigste dabei: Der Körper wird als Ganzes wahrgenommen und behandelt.

Besonderheiten deutscher Kurorte

Kneippkur
©Jenny Sturm/Adobe Stock

Doch was genau macht deutsche Kurorte und Heilbäder so besonders? Das ist vor allem die staatliche Prädikatisierung, die es bereits seit 1892 gibt. Durch sie wird gewährleistet, dass zunächst überprüft wird, ob die natürlichen ortsgebundenen Heilmittel tatsächlich eine therapeutische Wirkung haben. Daneben müssen zahlreiche weitere Kriterien erfüllt sein – unter anderem die enge Abstimmung zwischen Ärzten und Therapeuten, sodass der Patient eine genau auf ihn zugeschnittene Behandlung erhält.

Gradierbau im Kurpark Bad Kissingen
©Dominik Marx/Bayer. Staatsbad Bad Kissingen GmbH

Die Cafés, Hotels und Restaurants in den Kurorten sind ebenfalls auf die Kurgäste eingestellt und bieten entsprechende Kost an. Solche abgestimmten Gesamtkonzepte sind im Ausland schwer zu finden. Alle zehn Jahre wird die Prädikatisierung überprüft. Dabei sind nicht nur die medizinisch-therapeutischen Einrichtungen relevant, auch eine angemessene Freizeitgestaltung muss gewährleistet sein: Der Kurpark sollte als Zone der Ruhe und Kommunikation ansprechend gärtnerisch gestaltet sein.

Oft zieren ihn prächtige Kurhäuser und Wandelhallen. In ihnen finden sich Gesellschaftsräume wie Lesezimmer und Räume für kulturelle Veranstaltungen. Häufig gibt es eine Freilichtbühne für die warme Jahreszeit. Daneben genießt der Umweltschutz in Kurorten und Heilbädern einen überdurchschnittlich hohen Stellenwert – kein Wunder, liefert die Natur doch die wertvollen Heilmittel. Eine gute Luftqualität und eine geringe Lärmbelastung sind selbstverständlich, schließlich sollen die Gäste dort zur Ruhe kommen.

Beantragung und Finanzierung

Trinkkur: Heilwasserausschank in Bad Kissingen
©Heji Shin/Bayer. Staatsbad Bad Kissingen GmbH

Immer mehr Menschen zahlen selbst für ihre Kur – das muss aber nicht sein: Möchte man zur Vorsorge auf Kur gehen, kann man das beim Hausarzt ansprechen. Sieht dieser die Notwendigkeit, stellt er einen Antrag an die Krankenkasse. Auch wenn diese Kuranträge zunächst meist ablehnt werden, muss das kein Hindernis sein: Ein schriftlicher Widerspruch, der höchstens einen Monat nach der Ablehnung bei der Krankenkasse eingeht, führt oft zum Erfolg.

Eine Antragstellung ist alle drei bis vier Jahre möglich, eine geringe Eigenbeteiligung (z.B. zehn Prozent der Kurmittelkosten) ist dabei üblich. Handelt es sich dagegen um eine Reha, beantragt diese entweder das Krankenhaus oder aber Arzt und Patient. Die Krankenkasse muss hier nicht ihre Zustimmung geben. Eine Eigenbeteiligung in Höhe von zehn Euro pro Tag ist vorgesehen. Doch egal ob Selbstzahler oder Kassenpatient: Wichtig ist die ärztliche Begleitung während des Aufenthalts. Nur so kann sichergestellt werden, dass auch tatsächlich Heilerfolge erzielt werden.

Abschalten und regenerieren

Entspannende Massage - Kurreisen
©Kulturhotel Fürst Pückler Park

Neben den Kurbehandlungen bieten die meisten Kurhotels auch Kosmetikbehandlungen und Massagen an, wenn Letztere nicht ohnehin Bestandteil der Kur sind. Kombiniert mit langen Spaziergängen im Kurpark, dem kulturellen Abendprogramm und jeder Menge Ruhe für den Geist, kann ein dreiwöchiger Kuraufenthalt so zur richtigen Auszeit für Körper und Psyche werden.

Nebenbei lernt man sich selbst, seinen Körper und eventuell schädliche Verhaltensweisen besser kennen. Man spürt, was einem guttut und langfristig weiterhilft. So fällt eine nachhaltige Verhaltensänderung für die eigene Gesundheit nach einer Kur nicht allzu schwer. Mit frisch aufgeladenen Batterien geht dann auch der Alltag mit all seinen Herausforderungen wieder leichter von der Hand.

Noch mehr zum Wohlfühlen

Land & Leute Redaktion | 23. Oktober 2020