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60 Jahre rtv: Die Geschichte des ZDF

60 Jahre rtv: Die Geschichte des ZDF

1961 war für uns ein besonderes Jahr! Die erste rtv erscheint und es beginnt eine bis heute andauernde Erfolgsgeschichte. Ein guter Grund für uns, das Jahr 1961 mal ein wenig genauer zu betrachten und Ihnen in einer Artikelserie verschiedenste Highlights aus unserem Gründungsjahr zu präsentieren – auch abseits der üblichen Themen. Heute werfen wir einen Blick auf die Geschichte des ZDF, welches ebenfalls 1961 gegründet wurde.

Die Gründung fand zwar 1961 statt, auf Sendung ging es aber erst nach zahlreichen Querelen um die Rundfunk-Hoheit am 1. April 1963. Nach einer musikalischen Einstimmung begrüßte Gründungsintendant Karl Holzamer (Foto oben) die Zuschauer um 19:30 Uhr. Es folgten Nachrichten und die Show “Berlin Melodie”. Kurz vor 22 Uhr war für den ersten Sendetag auch schon wieder Schluss. Gesendet wurde damals noch aus Baracken in Eschborn bei Frankfurt am Main. 

Die Geburt der Mainzelmännchen

Bereits an Tag zwei hatten die Mainzelmännchen ihren ersten großen Auftritt. Heute das Maskottchen des Senders, wurden sie aus einem praktischen Grund erfunden: Mit den kurzen Trickfilmen wurde man der Verpflichtung zur Trennung von Programm und Werbung gerecht. Die Idee und das Design stammten von Grafiker Wolf Gerlach. 

Heute wie damals werden die Mainzelmännchen in Wiesbaden, von der Neuen Filmproduktion hergestellt. Und zwar Bild für Bild mit dem Bleistift. Nur das Ausmalen der Figuren besorgt heute der Computer. Jedes Jahr entstehen rund 1.000 Spots. Jede der Figuren, hat einen eigenen Charakter. Kein Wunder, dass Anton, Berti, Conni, Det, Edi und Fritzchen dem Publikum ans Herz gewachsen sind. 

Deutlich verändert haben sich die Figuren nur einmal, 2003: „Wir mussten die Figuren modernisieren, um sie der heutigen Zeit anzupassen“, so ein ZDF-Pressesprecher. Plötzlich hatten die Figuren Handys und Laptops und residierten in einem Loft. Das kam zunächst nicht bei allen Zuschauern gut an. 

TV-Meilensteine im Zweiten

Das ZDF zeichnete sich durch zahlreiche Innovationen aus. Viele Sendungen wurden zu Klassikern. So zum Beispiel “Aktenzeichten xy”. Die Fahndungsshow ging 1967 erstmals auf Sendung. Damals eine absolute Weltneuheit! 

Die Idee dazu hatte Eduard Zimmermann. In seiner drei Jahre zuvor gestarteten Sendung „Vorsicht Falle!“ warnte er die Zuschauer vor Betrügern. Und das so erfolgreich, dass er nun gemeinsam mit der Polizei und der Hilfe der Zuschauer Verbrechen aufklären wollte. 

Bis heute wurden in der inzwischen von Rudi Cerne moderierten Sendung knapp 5.000 Fälle behandelt. Die Erfolgsquote liegt bei stattlichen 39,8%. (Stand: Juli 2021). Damit wurde die Sendung auch zu einem Exportschlager. Das ZDF verkaufte das Fahndungs-Magazin in zahlreiche Länder. Darunter Italien, Großbritannien, Israel, Kanada sowie die USA.

Legendäre Show-Erfolge

Auch in Sachen Show-Dauerbrennern ist das ZDF ungeschlagen. Von „Vergissmeinnicht“ mit Peter Frankenfeld (1964 – 1970) über „Dalli Dalli“ mit Hans Rosenthal (1971 – 1986) bis „Willkommen bei Carmen Nebel“ (2004 – 2021). Heute sorgt die Trödelshow „Bares für Rares“ für Zuschauerrekorde im TV, in der ZDF Mediathek ist die Nachrichtensatire „heute show“ mit Oliver Welke einer großen Hits.

Zu den ersten Quotenhits, damals noch „Straßenfeger“ genannt, zählte „Die Hitparade“. Das Publikum war gebannt, als Dieter Thomas Heck 1969 sich mit einer galanten Verbeugung vorstellte: „Meine Damen und Herren, hier ist… Berrrliiiin. Das Zweite Deutsche Fernsehen präsentiert Ihnen Ausgabe Nummer eins der Hiiitparade! Am Mikrofon: Ihr Dieter Thomas Heck!“.

Schlagerstars wie Cindy & Bert, Gitte, Marianne Rosenberg und Howard Carpendale sangen in der Samstagabendshow ihre aktuellen Hits. Die Zuschauer konnten per Postkarte ihren Favoriten wählen. 183 Mal präsentierte Schnellsprecher Dieter Thomas Heck die Sendung. 

Legendär: Am Ende der Sendung ratterte er Namen und Funktion der an der Produktion Beteiligten herunter. In einem Tempo, bei dem es dem Publikum schon vom Zuhören schwindelig wurde. Nach 16 Jahren übergab Heck das Zepter an Moderator Viktor Worms, 1990 folgte Uwe Hübner. 

Rekord über Rekord: "Wetten, dass ...?"

Gleich mehrere Rekorde stellte „Wetten, dass…?“ auf: Bis 1987 lockte die Show im Schnitt über 20 Millionen Zuschauer vor die Bildschirme. Die erfolgreichste Sendung lief am 9. Februar 1985 mit 23,42 Millionen Zuschauern. Seit den 2000-ern sanken die Einschaltquoten jedoch nach und nach. Auch in Sachen Sendezeit überziehen war „Wetten, dass…?“ Spitzenreiter: Am 8. Dezember 1996 verzögerte sich die nachfolgende Sendung um 73 Minuten!

Genialer Fernseherfinder: Wolfgang Rademann

Einer, der das ZDF-Unterhaltungs-Programm prägte wie kaum ein anderer, war Produzent Wolfgang Rademann (1934-2016): Er erfand 1981 „Das Traumschiff“, das noch immer zweimal in Jahr in See sticht. Mögen die Kritiker sich noch so sehr über die schwülstigen Geschichten und die hölzernen Dialoge lustig machen. Die Zuschauerzahlen geben den „Traumschiff“-Machern Recht.

Die Fans lieben die Geschichten, die ihnen Urlaubsstimmung nach Hause bringen. An Weihnachten 2020 hängte der Unterhaltungsdampfer in puncto Einschaltquoten sogar den „Tatort“ ab: Über sechseinhalb Millionen Fans schalteten ein, als „Kapitän“ Florian Silbereisen sich mit seiner Crew auf die Reise nach Kapstadt machte, die natürlich auch wieder eine „Rrreeeeiiiise der Liebe“ war.

Vom "Traumschiff" zur "Schwarzwald-Klinik"

Seinen zweiten großen Coup fürs ZDF landete Wolfgang Rademann 1984: „Die Schwarzwaldklinik“ gilt heute als „Mutter aller Krankenhausserien“ und wurde in 38 Länder verkauft. Dabei war die Welt im Glottertal keineswegs immer heil. Die Folge „Gewalt“ zeigte am 1. Februar 1986 eine Vergewaltigung sowie anschließende Selbstjustiz des Opfers und löste einen gewaltigen Sturm der Entrüstung aus. Die darauffolgende Episode „Steinschlag“ griff das Thema Kindesmisshandlung auf. Aus Angst vor weiteren Zuschauerprotesten wurde sie zunächst nicht ausgestrahlt. Stattdessen verlas die damalige ZDF-Ansagerin Birgit Schrowange eine kurze Inhaltszusammenfassung. 

Wolfgang Rademann selbst bezeichnete sich einmal als „Trüffelschwein der Fernsehunterhaltung“: „Wenn ich ein gutes Thema finde, lasse ich nicht mehr los“. 

Auch in Sachen Krimis und leichter Unterhaltung sorgte das ZDF jahrelang zuverlässig für Nachschub. Lesen Sie hierzu nächste Woche Teil 2 unserer Reise in die ZDF-Vergangenheit, in dem wir auf “Derrick”, die “SOKOs” und ihre Krimiverwandten blicken, und die Anfänge des ZDF-Herzkino nachzeichnen. 

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| Stefanie Moissl | 21. September 2021