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60 Jahre rtv: ZDF-Krimiklassiker und Vorläufer des „Herzkino“

60 Jahre rtv: ZDF-Krimiklassiker und Vorläufer des „Herzkino“

1961 war für uns ein besonderes Jahr! Die erste rtv erscheint und es beginnt eine bis heute andauernde Erfolgsgeschichte. Ein guter Grund für uns, das Jahr 1961 mal ein wenig genauer zu betrachten und Ihnen in einer Artikelserie verschiedenste Highlights aus unserem Gründungsjahr zu präsentieren – auch abseits der üblichen Themen. 

Heute werfen wir einen Blick auf die Krimiklassiker und “Herzkino”-Vorläufer im ZDF. Eine Ergänzung zu unserer Geschichte des ZDF, welches ebenfalls 1961 gegründet wurde.

Diese frühen Krimi-Klassiker und TV-Romanzen setzten Maßstäbe für das Fernsehprogramm – und für unsere Sehgewohnheiten.

"Der Kommissar"

„Der Kommissar“, gespielt von Erik Ode (2 .v.r., zusammen mit Günther Schramm, l. Fritz Wepper, 2.v.l. und Reinhard Glemnitz, r.), ging 1969 auf Sendung und wurde zum Prototyp des TV-Kommissars: ein väterlicher, stets korrekt gekleideter Beamter, der nicht mit mahnenden Worten sparte. Er avancierte zu einer Art moralischer Instanz für die Fernsehnation. 

Zu verdanken hatte das ZDF den TV-Hit, der in 24 Ländern über die Bildschirme flimmerte und bis 1976 auf Sendung war, einem genialen Duo: Produzent Helmut Ringelmann und Drehbuchautor Herbert Reinecker. Beide hatten zuvor bereits die ersten ZDF-Krimis „Kriminalmuseum“ und „Die fünfte Kolonne“ geschaffen.

Ebenfalls auf ihr Konto ging dieser Rekordhalter: 

"Derrick"

„Derrick“ (1974-1998) ist bis heute die meistverkaufte Krimiserie der Fernsehgeschichte. Die erste der 281 Folgen verbuchte 30 Millionen Zuschauer – aber keineswegs nur gute Kritiken. Vor allem, weil bei den ersten Fällen der Mörder schon am Anfang der Folge gezeigt wurde.

Nach Änderung des Konzepts wurde die Serie für das ZDF schnell zum Verkaufsschlager: In 104 Ländern verfolgten die Zuschauer, wie Horst Tappert (Foto, l.) als Oberinspektor Stephan Derrick zumeist in der Münchner Schickeria auf Mördersuche ging. 

An seiner Seite der Mann, der bereits dem „Kommissar“ assistiert hatte:  Fritz Wepper (r.) als Inspektor Harry Klein. Die Dienstanweisung „Harry, fahr schon mal den Wagen vor!“ hat nicht nur Derricks treuer Assistent auf ewig verinnerlicht, sondern auch die Krimifans.

"SOKO 5113"

Die „SOKO 5113“ trat 1978 ihren Dienst an. Die realitätsnahen Helden (und eine Heldin) in Schlaghosen jagten schon einmal Supermarkt-Erpresser statt Mörder und hatten mit sehr alltäglichen Problemen zu kämpfen, etwa der Bewilligung von Dienstwagen. 

Spätestens mit dem Ausstieg von Diether Krebs (Foto, M., mit Werner Kreindl, l. und Bernd Herzsprung, r.) alias Kriminalobermeister Herle verlor die Serie allerdings ihren authentischen Charme. 2020 wurde die TV-Dienststelle (jetzt unter dem Namen „SOKO München“) geschlossen – nach 46 Staffeln und 675 (!) Folgen.

Dafür schossen zahlreiche weitere SOKOs aus dem Boden. Derzeit ermitteln neun Teams, u.a. in Köln, Wismar, Hamburg, Kitzbühel. Und bescheren dem ZDF-Vorabendprogramm traumhafte Einschaltquoten.

"Ein Fall für Zwei"

…wurde dank ihm zum Klassiker: Claus Theo Gärtner (Foto, r.) alias Matula.

Der Privatschnüffler mit der Whiskey-getränkten Stimme musste in über 30 Jahren Dienstzeit und 300 Folgen jede Menge Kloppe einstecken, teilte aber notfalls auch zielsicher aus. Doubeln ließ sich Gärtner dabei selten.

„Matula, hau mich raus!“ lautete das Motto der Anwälte, für die Matula arbeitete (und ist außerdem der Titel von Gärtners Autobiografie sowie ein Song der Hamburger Band Superpunk).  Nummer 1 war Dr. Renz, gespielt von Günter Strack (l.). Auch wenn Renz im noblen Frankfurter Bankenviertel residierte und Maßanzüge trug, hatte er doch einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit. Glaubte er an die Unschuld seiner Mandanten, schickte er Matula los, um selbige zu beweisen. Ihm folgten Rainer Hunold, Mathias Herrmann und Paul Frielinghaus.

In der Neuauflage der Serie ermitteln seit 2014 Wanja Mues als Privatdetektiv Leo Oswald und Antoine Monot, jr. als Rechtsanwalt Benni Hornberg.

Nichtsdestotrotz gab Claus Theo Gärtner 2017 im ersten von insgesamt drei Matula-Specials ein würdiges Comeback. Mit Kloppe nach 2 Minuten Sendezeit und fast ungedoubelt. Logisch. O-Ton des damals 73-jährigen Schauspielers im rtv-Interview: „Was die Versicherung zulässt, mach` ich immer noch selbst.“ 

Kultromanzen: Rosamunde Pilcher

Lange bevor 2009 das „ZDF-Herzkino“ als Marke geboren wurde, entdeckte das Zweite die TV-Romanze für den Sendeplatz am Sonntagabend um 20.15 Uhr: kuscheliges Kontrastprogramm zum „Tatort“ im Ersten. Natürlich mit Happy-End-Garantie.

Die Mutter aller ZDF-Romantik-Hits: Die Reihe mit Rosamunde-Pilcher-Verfilmungen, die vor der zauberhaften Kulisse Cornwalls spielen, zumeist auf herrschaftlichen Landsitzen. Die erste ZDF-Eigenproduktion, damals gemeinsam mit dem österreichischen ORF, und Start der Pilcher-Filmreihe war 1993 die Episode „Stürmische Begegnung“ mit Sophie von Kessel und Michael Lesch. 

Weit über 150 Filme wurden seitdem gedreht. Und machten das englische Cornwall zu einem der beliebtesten Urlaubsorte für deutsche Touristen. Wofür sich Prinz Charles 2016 persönlich beim ZDF, der Produktionsfirma FFP New Media und der Schriftstellerin bedankte.

Als die britische Bestsellerautorin Rosamunde Pilcher (Foto) am 8. Februar 2019 im Alter von 94 Jahren starb, änderte das ZDF ihr zu Ehren sein Programm.

Kultromanzen: Inga Lindström

2004 bekam die Cornwall-Reihe ein Pendant mit Romanzen aus Schweden: Der erste Inga Lindström-Film „Sehnsucht nach Marilund“ ging auf Sendung. „Ein Film voller Emotionen“, sagte Hauptdarstellerin Eva Habermann (Foto ganz oben) damals in einem Interview anlässlich der TV-Premiere. Beim Dreh habe sogar die Maskenbildnerin mitgeweint. Geweint haben dürfte man auch beim ZDF – vor Freude: 7,73 Millionen Zuschauer schalteten die Romanze ein. 

90 Folgen wurden seitdem gedreht. Die haben die heute 67-jährige Autorin so berühmt gemacht, dass Südschweden-Urlauber Touren „auf den Spuren von Inga Lindström“ buchen können. Eine Station wie beispielsweise das Geburtshaus der Autorin zu erwarten, wäre allerdings in etwa so, als frage man in einem Möbelhaus nach schwedischen Gardinen: Christiane Sadlo (Foto), wie die erfolgreiche Drehbuchautorin und Journalistin mit bürgerlichem Namen heißt, ist gebürtige Schwäbin und lebt heute in Berlin.

Vor ihrer Karriere als Inga Lindström hatte sie bereits für „Familie Dr. Kleist“ und den „Bergdoktor“ geschrieben. Irgendwann bewunderte Sadlo im Schwedenurlaub wieder einmal die Landschaft: „Hier kann man 1000 spannende Geschichten spielen lassen!“.  Das passende Pseudonym war schnell gefunden: „Inga“ nach einer Figur von Astrid Lindgren, „Lindström“ im Telefonbuch von Stockholm. Er sollte schwedisch klingen, aber leicht auszusprechen sein. Der Rest ist Fernsehgeschichte.

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| Stefanie Moissl | 1. Oktober 2021