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Serien-Tipp: die besten britischen Krimiserien

Serien-Tipp: die besten britischen Krimiserien

Serien gibt es wie Sand am Meer; aus der Masse sticht jedoch eine Seriengattung besonders heraus: britische Krimiserien! – nicht ohne Grund, Autorengrößen wie Arthur Conan Doyle, Ian Fleming und Agatha Christie stammen allesamt von der regnerischen Insel. Wir haben die Creme-de-la-Creme hier

Die 2 (1970 – 1971)

Ein amerikanischer Selfmade-Millionär und ein britischer Lord lösen im Auftrag eines alternden Richters Kriminalfälle, die Stil, Charme und Einfallsreichtum erfordern. Hollywoodstar Tony Curtis und der spätere 007 Roger Moore verkörpern Danny Wilde und Lord Brett Sinclair, die für Wein, Weib und Abenteuer leben.

„Die 2“ ist wohl so ziemlich die einzige Serie, die man AUF KEINEN FALL in der Originalversion schauen sollte. Denn zur Legende wurde sie wegen der deutschen Synchro von Rainer Brandt – die mit den ursprünglichen Dialogen oft herzlich wenig zu tun hatte. Kostprobe gefällig? Bitte sehr:

„Inspektor Headstone – wie Kopfstein, mein Großvater hat das Pflaster erfunden.“

„Sleep well in your Bettgestell!”

„Nehmen Sie mal ’n Schluck Schampus in den Mund, sonst stauben Sie so beim Sprechen.“

„Du musst jetzt etwas schneller sprechen, Lordchen, sonst bist Du nicht mehr synchron!“

Übrigens: Selbst Tony Curtis war ein Fan der deutschen Fassung. Er schlug Rainer Brandt sogar als Co-Autor für die zweite Staffel vor. Die wurde dann aber nicht mehr produziert. (Martina Borgschulze)

Yorkshire Killer (2009)

Anklänge an einen realen Kriminalfall, eine hervorragende Besetzung (Andrew Garfield, Paddy Considine, David Morrissey, Sean Bean, Rebecca Hall, um nur einige zu nennen) und der künstlerische Gestaltungswillen der Regisseure Julian Jarrold, James Marsh und Anand Tucker machen den Dreiteiler zu einem echten TV-Erlebnis. Kein Zweifel, „Yorkshire Killer“ ist verstörend und sehr düster, doch diese Reise ins Herz der britischen Finsternis entwickelt eine Sogwirkung, der man sich nicht entziehen kann. (Sebastian Hagner)

Ripper Street (2012 – 2016)

1889 ermittelt Det. Insp. Reid (Matthew Macfadyen) im Viertel Whitechapel in London – das Jagdrevier Jack The Rippers. Sechs Monate nach seiner Schreckensherrschaft erschüttert eine neue Serie grausamer Morde das East End. Ist der Ripper zurück? Mithilfe seines schlagkräftige Kollegen Det. Insp. Drake (Jerome Flynn) und dem amerikanischen Arzt Captain Homer Jackson (Adam Rothenberg) geht Reid der Sache auch gegen den Widerstand seiner Vorgesetzten nach. 

In insgesamt 5 Staffeln folgt die düster-atmosphärische Serie Reid und seinen Kollegen in die Unterwelt Londons, durch ihr nicht minder packendes Privatleben und zeichnet dabei ein fesselndes, faszinierendes Bild des Lebens im London vergangener Zeiten. (Kristin Lenk)

Die Profis (1977 – 1981)

George Cowley (Gordon Jackson) ist der kompromisslose Boss des CI5, einer Sondereinheit zur Bekämpfung von Kapitalverbrechen und Terrorismus. Seine Männer haben die Lizenz zum Prügeln, Ballern und natürlich Töten. Die besten, weil härtesten unter ihnen: Ex-Cop Doyle (Martin Shaw) und Ex-Söldner Bodie (Lewis Collins).

Die Verfasserin dieser Zeilen hat die Fälle der „Profis“ auf dem Pausenhof nachgespielt (sie war aber immer der intellektuelle Cowley, den aufregenden Part absolvierten ihre Freundinnen). Obendrein war der Lockenkopf Doyle eine erste große Liebe (neben Captain Future).

Der Neunjährigen, die stets nach den ersten Filmminuten ins Bett geschickt wurde, ist damals allerdings völlig entgangen, dass ihre Helden brutal, politisch total unkorrekt und ganz, ganz üble Machos waren. Trotzdem lohnt es sich, die Serie auch heute zu schauen, denn sie zeigt das Thatcher-England in seiner ganzen grauen Trostlosigkeit. (Martina Borgcschulze)

Sherlock Holmes (1984 – 1994)

1886 erfand Conan Doyle den Londoner Meisterdetektiv, der mit forensischen Methoden und logischen Schlussfolgerungen Verbrechen aufklärt. Seither haben weit über 80 Schauspieler jenen Sherlock Holmes dargestellt. Der beste von ihnen aber war und wird es immer sein: Jeremy Brett. (Jaja, vergessen Sie Basil Rathbone. Und vergessen Sie um Himmels Willen Benedict Cumberbatch!)

Wie kein Zweiter verkörperte Brett die nervöse Energie, die den Krimihelden ausmacht. Übrigens derart intensiv, dass die Rolle mit seinem verfrühten Tod 1995 in Verbindung gebracht wird.

Mit David Burke (Staffel 1) und Edward Hardwicke (Staffel 2 – 6) standen Brett außerdem zwei kongeniale Watson-Darsteller zur Seite, die den mutigen, empathischen Sidekick des Superhirns nicht wie einen verfressenen Volltrottel aussehen ließen – wie das nämlich bei allen Adaptionen seit 1900 der Fall gewesen war!

Die 41 Folgen sind allesamt ziemlich werktreu umgesetzt. Und wer die illustrierten Ausgaben der Holmes-Geschichten gelesen hat, der erkennt in vielen Kameraeinstellungen die Zeichnungen von Sidney Paget wieder, die er einst fürs Strand-Magazin schuf.

Klasse in Szene gesetzt und brillant gespielt: der ultimative Holmes! (Martina Borgschulze)

Luther (2010 – 2019)

Der von Idris Elba dargestellte BBC-Ermittler ist längst Kult – und das nicht ohne Grund. Er ist der Spezialist für bizarre Fälle, Serienkiller und Psychopathen, doch Detective Chief Inspector John Luthers unkonventionelle Herangehensweise  an seine Fälle und seine Tendenz die Regeln zu ignorieren, bringen ihn immer wieder auf Konfrontationskurs mit der Obrigkeit. 

Und machen aus seinem Privatleben ein Trümmerfeld – besonders wenn es Alice Morgan (Ruth Wilson) geht. Was als erbittertes Duell zwischen dem Ermittler und der die geniale Psychopathin beginnt, wandelt sich im Verlauf der Serie von einer gefährlichen Obsession zu einer intensiven Amour Fou. (Kristin Lenk)

Agatha Christie’s Poirot (1989 – 2013)

Agatha Christies Antwort auf Sherlock Holmes heißt Hercule Poirot. Der kleine, eierköpfige, eitle belgische Privatdetektiv ermittelte seit 1920 in 33 Romanen und rund 50 Kurzgeschichten. Bis auf wenige Ausnahmen wurden alle (!) Fälle für die ITV-Serie verfilmt.

Jedes noch so clevere Krimirätsel löst Poirot mithilfe seiner „kleinen grauen Zellen“. Auf Actionszenen wartet man also vergeblich. Dafür ist David Suchet in der Titelrolle ein absolutes Ereignis. Trotz höchstens 1,70 Körperlänge sozusagen ein Großereignis … Anders als seine Vorgänger Albert Finney oder Peter Ustinov macht er aus Poirot nämlich keine Karikatur. Suchet zeigt alle Seiten des Meisterdetektivs, die die Vorlage hergibt. Sein Poirot ist brillant, pedantisch, nervtötend selbstverliebt – und immer zutiefst menschlich.

Leider hielten sich einige Drehbuchautoren für cleverer als Agatha Christie: Sie änderten in manchen Folgen Auflösungen und Motive – und zerstörten so den zugrunde liegenden Whodunnit. Doch abgesehen davon ist „Agatha Christie’s Poirot“ ein Hochgenuss für jeden Fan. Suchet reißt’s einfach raus! (Martina Borgschulze)

Miss Marple (1984 – 1992)

Agatha Christies altjüngferliche Krimiheldin muss man sicherlich nicht mehr vorstellen. In Deutschland sind vor allem die – zugegeben sehr unterhaltsamen, aber auch sehr freien – Verfilmungen mit Margaret Rutherford Kult. Wer aber eine Miss Marple sehen will, wie sie wortwörtlich im Buche steht, sollte die überaus werktreue und schön ausgestattete BBC-Serie mit Joan Hickson schauen.

Agatha Christie höchstselbst war Fan von Hickson. Nachdem die Schriftstellerin die Schauspielerin 1946 auf der Bühne gesehen hatte, schrieb sie ihr einen Brief: „Ich hoffe, eines Tages werden Sie meine geliebte Miss Marple spielen.“

Eine bessere Empfehlung kann man der Serie nicht geben. (Martina Borgschulze)

Für alle Fälle Fitz (1993 – 1996)

Ein zynischer, spielsüchtiger, kettenrauchender und alkoholkranker Psychologe als Krimiheld? In den 90er-Jahren war das etwas Neues und Unerhörtes. Die Rolle des Dr. Edward „Fitz“ Fitzgerald in der BBC-Serie „Für alle Fälle Fitz“ machte Robbie Coltrane zum Star – lange bevor er ins Kostüm des „Harry Potter“-Wildhüters Hagrid schlüpfte. Der Profiler analysiert nicht nur das Seelenleben der Mörder, sondern auch das der Polizisten, die angesichts der Verbrechen um sie herum selbst zunehmend verzweifeln und verrohen.

Neu an „Für alle Fälle Fitz“ war auch die extrem realistische und verstörende Darstellung von Gewalt. Über die Episode „Kalte Rache“, in der Robert Carlyle als Skinhead den von Christopher Eccleston verkörperten Chefermittler tötet, schrieb ein Kritiker: „Obwohl es sich um eine Mordszene handelt, die an Abscheulichkeit eigentlich nicht mehr zu überbieten ist, sitzt man dennoch wie gebannt vor dem Fernsehapparat. Robert Carlyle und Christopher Eccleston treiben die schauspielerische Kunst derart auf die Spitze, dass man sich die Szene wieder und wieder ansehen könnte – wie ein Gemälde an der Wand.“

Das trifft auf die ganze Serie zu: „Für alle Fälle Fitz“ ist ein Krimi-Kunstwerk. (Martina Borgschulze)

The ABC Murders (2018)

John Malkovich als Hercule Poirot? Das klingt zunächst einmal recht bizarr. Doch wenn man die dreiteilige Miniserie schaut, vergisst man schnell, dass der lange und hagere Brite nicht gerade der Beschreibung des kleinen und rundlichen Belgiers aus den Romanen Agatha Christies entspricht. Denn Malkovich ist darstellerisch sehr überzeugend und legt seinen Poirot als alternden und melancholischen Mann an, der von Gespenstern aus der Vergangenheit heimgesucht wird. „The ABC Murders“ ist eine in mancher Hinsicht freie, aber interessante und gelungene Umsetzung des Romans von Agatha Christie. (Sebastian Hagner)

Heißer Verdacht (1991 – 2006)

Detective Chief Inspector Jane Tennison (Helen Mirren) übernimmt nach dem Tod des Leiters der Mordkommission dessen Posten.  Doch nun bekommt sie es nicht nur mit Vergewaltigern, Drogendealern und Mördern zu tun, sondern auch mit dem Widerstand ihrer männlichen Kollegen.

Im deutschen Fernsehen gab’s schon Ende der 70er die erste Krimi-Heldin in leitender Funktion (Nicole Heesters, „Tatort“). Die Briten brauchten über ein Jahrzehnt länger. Dafür thematisiert „Heißer Verdacht“ ungeschönt die Schwierigkeiten, auf die eine Frau in einer Männerdomäne stößt – noch dazu in leitender Position. Damit ebnete die Serie nicht nur weiblichen Krimi-Hauptfiguren den Weg, sondern ist auch heute noch hochaktuell (nicht nur Jennifer Morgan weiß, wovon wir sprechen…). Und von den vielen Glanzvorstellungen, die Oscarpreisträgerin Helen Mirren in ihrer Karriere schon abgeliefert hat, ist ihre Vorstellung als Jane Tennison eine der glänzendsten. (Martina Borgschulze)

Sherlock (2010 – 2017)

Basil Rathbone, Peter Cushing, Jeremy Brett, Robert Downey Jr., Jonny Lee Miller – sie alle haben den berühmten Detektiv Sherlock Homes verkörpert. Eine der besten Adaptionen der von Arthur Conan Doyle erfundenen Figur produzierte die BBC ab 2010 mit Benedict Cumberbatch als Holmes und Martin Freeman als John Watson. 

Mühelos gelingt es den Autoren Steven Moffat und Mark Gatiss, Holmes vom viktorianischen in das heutige London zu verfrachten. „Sherlock“ ist spritzig und modern, ohne dabei die Charaktere von Conan Doyle zu verfälschen. Die Serie funktioniert einerseits als intelligent-humorvolle Krimiunterhaltung, bietet den eingefleischten Holmes-Fans andererseits aber auch jede Menge clevere Anspielungen auf die Originalgeschichten. (Sebastian Hagner)

| rtv Redaktion | 15. Mai 2020