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Filmische Reisen: Vom Sofa in die Welt

Filmische Reisen: Vom Sofa in die Welt

Ein Wochenendtrip ist während der Corona-Krise leider nicht möglich – umso besser, dass es so viele Filme gibt, die uns mit ihrer Kulisse die Welt direkt ins Wohnzimmer bringen! Hier die Lieblinge der Redaktion.

Europa: Paris, Wien, Edinburgh

Filmszene aus "Ein gutes Jahr"
©MBMP

Provence: Ein gutes Jahr (2006)

Der gestresste Börsenmakler Max (Russell Crowe) erbt ein Weingut in der Provence. Er reist in die Gegend, um den Besitz so schnell wie möglich zu verkaufen – und verliebt sich erst in die schöne Fanny (Marion Cotillard) und dann in das Land. Vielleicht auch umgekehrt.

Meine Empfehlung, weil zwar die Story ziemlich unoriginell ist. Aber die Bilder, die Regisseur Ridley Scott auf die Leinwand zaubert (gedreht wurde in Gordes, Bonnieux und Cucuron), sind dafür umso schöner. (Martina Borgschulze)

Edinburgh: Make My Heart Fly (2013)

“But I would walk 500 miles …” – zu den schmissigen Songs der schottischen Kultband “The Proclaimers” tanzen und singen sich zwei junge Ex-Soldaten (George MacKay, Kevin Guthrie) durch Edinburgh – und durch zahlreiche romantische Verwicklungen.

Meine Empfehlung, weil Edinburgh eine der aufregendsten und lebendigsten Städte der Welt ist. Und das Musical nicht nur die Architektur, sondern vor allem die Stimmung der Metropole einfängt. Der deutsche Untertitel lautet übrigens „Verliebt in Edinburgh“. Und genau das ist man nach diesem Film. (Martina Borgschulze)

©ZDF/John Johnson/Myles Aronowitz

Verona: Briefe an Julia (2010)

Im auf dem gleichnamigen Buch von Lise und Ceil Friedman basierenden Film entdeckt die Journalistin Sophie Hall (Amandy Seyfried) im italienischen Verona das Phänomen der Briefe an Shakespeares berühmteste Heldin Julia: Tausende Frauen bitten diese um Rat für ihre Liebesbeziehung – in Briefen, die sie unter dem Balkon der Romanheldin in Verona an die Wand heften. Zu dieser wundervollen Story gibt es noch eine romantische Liebesgeschichte obendrauf – das alles vor der Kulisse des schönen Veronas und seinem Umland.

„Briefe an Julia“ ist für mich der perfekte Film, um sich nach einem anstrengenden Tag lockerleicht und mit einer ordentlichen Prise Romantik ins schöne Italien davontragen zu lassen – nicht anspruchsvoll, aber dafür umso erholsamer. (Sabine Storch)

©Warner

Wien: Before Sunrise (1995)

Die junge Französin Celine (Julie Delpy) und der Amerikaner Jesse (Ethan Hawke) lernen sich im Zug von Budapest nach Paris kennen und sind sich auf Anhieb sympathisch. Um sich besser kennenzulernen, unterbrechen sie die Reise und verbringen einen halben Tag und eine Nacht in Wien. Während sie über das Leben und die Liebe diskutieren, spazieren sie zu berühmten Orten wie Heldenplatz, Staatsoper und Stephansdom – und natürlich zum Prater, wo sich ihnen vom Riesenrad herab ein eindrucksvoller Blick über die schöne Stadt an der Donau bietet.

Richard Linklaters („Boyhood“) Auftakt zur Trilogie, die 2004 mit „Before Sunset“ und 2013 mit „Before Midnight“ fortgesetzt wurde, ist eine bezaubernde Romanze mit hinreißenden Hauptdarstellern und zugleich schwelgerische Liebeserklärung an Wien, die immer wieder Lust auf einen Kurztrip macht. (Susanne Bald)

Paddy Barrett (Lalor Roddy,l.) und Tadhg Murphy (Louis Dempsey) finden im Film "Grabbers" etwas Seltsames in einer Reuse.
©Elite Film

Irische Küste: Grabbers (2012)

Es ist was faul auf der kleinen windgepeitschten Insel vor der Irischen Küste, auf der Polizist Ciarán O’Shea (Richard Coyle) seinen Dienst verrichtet. Plötzlich liegen tote Wale am meilenlangen, friedlichen Sandstrand und so mancher Inselbewohner verschwindet unter seltsamen Umständen. Mit seiner Ehrgeizigen Festland-Kollegin Lisa (Ruth Bradley) und dem Marinebiologen Dr. Smith (Russell Tovey) forscht er nach – und stößt auf eine Horde von Tentakel-Aliens. Zum Glück haben die eine Schwachstelle: Alkohol. Um die außerirdische Invasion abzuwehren, bleibt den Iren also nur eine Strategie: Ab in den Pub und hoch die Tassen.

Ein irrwitziger, warmherziger Monster-Spaß mit feucht-fröhlichem Humor vor regnerisch-idyllischer Nordsee-Kulisse.  (Kristin Lenk)

Die schwedische Filmdiva Sylvia (Anita Ekberg) bei ihrem legendären Bad im Trevi-Brunnen in Rom
©Arte France

Rom: La dolce vita – Das süße Leben (1960)

Federico Fellinis “La dolce vita” ist nicht nur ein filmisches Meisterwerk, sondern auch einer der schönsten Rom-Filme überhaupt. Das bunte Treiben der High Society im Rom der späten 1950er-Jahre spielt sich an bekannten Straßen und Plätzen wie der Via Veneto, der Piazza del Popolo oder der Via Appia Antica ab. Unvergessen ist vor allem das Bad im Trevi-Brunnen, das der von Anita Ekberg gespielte Filmstar Sylvia in voller Abendgarderobe nimmt.

Die Mischung aus zeitgenössischer Stimmung und zeitloser Poesie macht Fellinis Film für mich auch 60 Jahre später noch sehenswert. (Sebastian Hagner)

London: Harry Potter (2001 – 2011)

London war zahlreiche Male Schauplatz für die Abenteuer des wohl berühmtesten Zauberlehrlings aller Zeiten: Harry Potter. Wer Lust hat, kann im Bahnhof King’s Cross vom legendären Gleis 9 ¾ aus mit dem Hogwarts Express auf die Reise gehen. Das fiktive Filmgleis gibt es inzwischen wirklich – als Touristenattraktion. Die Bull’s Head Passage 42 am Leadenhall Market war im ersten Teil der Reihe Drehort für die Winkelgasse mit Ollivanders Zauberstabladen. Hier finden Muggel auch den Eingang zum „Tropfenden Kessel“, in den Harry in „Der Stein Weisen“ einkehrt. Die nötigen magischen Moneten dafür gibt’s in der Zaubererbank Gringotts, die der Exhibition Hall des Australia House nachempfunden wurde.

Expelliarmus! Die Abenteuer von „Harry Potter“ verbannen jede Langeweile und sorgen für magischen Filmgenuss. (Florian Büttner)

©Vox

Paris: Die fabelhafte Welt der Amélie (2001)

Amélie (Audrey Tatou) lebt seit ihrer Kindheit in ihrer ganz eigenen Welt – die sie sich als Folge der zärtlichkeitsarmen Erziehung ihrer Eltern zusammenfantasiert hat. So hat Amélie einen Blick für die ganz kleinen Dinge entwickelt, hinter denen sich für sie noch viel mehr versteckt, als man annimmt. Und davon gibt es in Paris eine Menge zu entdecken – vom Café des 2 Moulins, über den Bahnhof Gare du Nord bis zur Kirche Sacré-Cœur.

Als Audrey-Tatou-Fan bin ich wahrlich verliebt in die märchenhafte Atmosphäre, die Jan-Pierre Jeunet in seinem Film erzeugt. Dazu noch die bezaubernde Filmmusik von Yann Tiersen – traumhaft! (Sabine Storch)

©RTL

London: Notting Hill (1999)

Der Bildschirm-Bummel durch das namengebende Künstlerviertel, in dem zwischen Hugh Grant und Julia Roberts die Funken sprühen, führt vorbei an bunten viktorianischen Häusern durch geschwungene Gassen. Die berühmte blaue Tür in der 280 Westbourne Park Road, hinter der William mit seinem chaotischen Mitbewohner haust, ist ein beliebter Pilgerort für Cineasten. Das Original wurde mittlerweile versteigert und durch eine Tür gleichen Anstrichs ersetzt.

Zeitlose Kuschelkost: Bei „Notting Hill“ heben Turteltauben in den siebten Himmel ab! (Florian Büttner)

Würzburg: Lammbock (2001)

Für Heimatfilm-Verweigerer, die trotzdem einen Blick auf eine schöne deutsche Stadt werfen wollen, gibt es “Lammbock”. Inhaltlich weit entfernt von Rosamunde Pilcher, geht es da um zwei Freunde, die einen Pizza-Lieferdienst betreiben, der bei der Bestellung der “Pizza Gourmet” selbstangebautes Cannabis mitliefert. Die lustig-verpeilte Kifferkomödie führt von einer Ecke Würzburgs in die nächste. Direkt zu Anfang ist die bei Wein-Feinschmeckern beliebte Alte Mainbrücke zu sehen. Touristen und Einheimische genießen zu Live-Musik (meist von den Musikstudenten der Stadt fabriziert) dort ein Gläschen Wein mit Blick auf den Main. Im Film rast jedoch Stefan mit seinem Auto darüber – unerhört! Die schöne Innenstadt, wie auch das anliegende Weinanbaugebiet kommen im Film gut zur Geltung.

Eine wirklich gelungene “Mische” aus Unterhaltung und Stadtführung mit dem Motto “Würzburg (er)leben”. (Anh Phi)

München: Suspiria (1977)

Auch Fans von Horror dürfen mal filmisch verreisen – und das nicht nur in irgendwelche düsteren Kerker oder verhexten Villen. Der Meister des Giallo Dario Argento entführt die Hauptfigur nach Freiburg, in eine Tanzschule voller bösartiger Hexen. Dem Zuschauer bietet er aber die Kulisse Münchens an: da sieht man mal den BMW-Tower, im Hofbräuhaus diniert der blinde Pianist, um anschließend auf dem Königsplatz von seinem eigenem Blinden-Schäferhund blutrünstig ermordet zu werden. Die jungen Tänzerinnen entspannen sich bei einer gemütlichen Runde Brustschwimmen im Müller’schen Volksbad. Argento gibt sich nicht einmal die Mühe die Taxen, in denen die Figuren fahren, mit einem Freiburger Kennzeichen zu versehen; denn auch da ist München unverkennbar am M zu sehen.

Wer also schon immer durch das 70er Jahre Touri-München geführt werden wollte, der sieht in diesem Horrorfilm mehr davon als in jeder Folge „Meister Eder und sein Pumuckl“. (Anh Phi)

Dario Argento's Suspiria Freiburg Rom Reise und Film
©Seda Spettacoli

Ab in die Welt: Hawaii, Hongkong, L.A.

©Universal Studios

Hawaii: A Perfect Getaway (2009)

Cliff (Steve Zahn) und Cydney (Milla Jovovitch) verbringen ihre Flitterwochen auf Hawaii. Auf dem Wanderpfad Kalalau sind sie unterwegs zu einem der schönsten und abgelegensten Strände der Insel Kauaʻi. Unterwegs lernen sie das ebenso attraktive wie exzentrische Paar Nick (Timothy Olyphant) und Gina. Und plötzlich nimmt der Urlaub im Paradies eine völlig unerwartete Wendung.

Ein stark besetzter Thrill-Ride der dem Zuschauer den Atem nicht mit Spannung, sondern auch mit wunderschönen Landschaftsaufnahmen der paradiesischen Kulisse stocken lässt. (Kristin Lenk)

©HR/Visit California/Myles McGuinness

San Francisco: Is‘ was, Doc? (1972)

Der weltfremde Musikologe Dr. Howard Bannister (Ryan O’Neil) reist aus beruflichen Gründen nach San Francisco. Dort trifft er zufällig auf die temperamentvolle Judy (Barbra Streisand), die sofort einen Narren an dem verklemmten Wissenschaftler frisst und ihn in das Abenteuer seines Lebens stürzt.

Wer Peter Bogdanovichs temporeiche, wahnsinnig komische Hommage an die klassischen Screwball-Komödien der 30er- und 40er-Jahre bisher nicht gesehen hat, sollte das schleunigst nachholen. Der Höhepunkt des Films ist eine rasante Verfolgungsjagd durch San Francisco, die unter anderem über die berühmte Lombard Street führt, die als kurvenreichste Straße der Welt gilt.

Die verrückte Komödie mit Barbra Streisand war einer der Gründe, weshalb ich schon als Kind immer einmal nach San Francisco reisen wolle (mittlerweile hat es geklappt, die Lombard Street habe ich allerdings im Schritttempo bezwungen). (Susanne Bald)

Reise und Film The Farewell Awkwafina
©Casi Moss

Changchun, China: The Farewell (2019)

Die US-Regisseurin Lulu Wang erzählt in ihrem Film eine ganz persönliche Geschichte: Ihre Großmutter erkrankt an Krebs, und die Familie entscheidet, dass es besser ist Nainai (chinesisch für Oma) nichts davon zu erzählen. Der Film thematisiert eine kulturelle Eigenheit, die es so im Westen nicht gibt. Kultur ist auch genau das, was durchgehend präsent ist. Die regen Straßen, in denen ein Food Stall nach dem anderen Köstlichkeiten aus der Region anbieten, tanzende – nein das sind Tai-Chi-trainierende – Senioren und das Wirr-Warr einer 3,4 Millionen Einwohner großen Stadt.

Die Kulturreise, die man mit diesem Film erleben darf geht noch weiter: Als westlicher Zuschauer bekommt man über die Hauptfigur einen Einblick in den Culture Clash vermittelt inklusive feuchtfröhlicher Trinkspiele – wenn auch aus einer US-amerikanischen Sicht. Authentischer kann eine Filmreise gar nicht mehr werden! (Anh Phi)

©Turner/Courtesy of Photofest

Mexiko: Frida (2002)

Die inspirierende Filmbiografie der mexikanischen Malerin Frida Kahlo (Salma Hayek) ist so farbenfroh wie das Land selbst: Trotz aller niederschmetternden Schicksalsschläge sprüht die temperamentvolle Frida nur so vor Leben und liebt es, die bunten mexikanische Tracht zu tragen. Fridas Leben wird dominiert von ihrer Liebes- und Leidensgeschichte mit dem Malerkollegen Diego Rivera (Alfred Molina).

Mein liebster Film gegen Fernweh: “Frida” entführt mit ihrem Temperament, der Leidenschaft der Musik und den bunten Farben in eine ganz andere, fantasievolle Welt. (Sabine Storch)

In 80 Tagen um die Welt (Around the World in Eighty Days, 1956)

Ach, warum eigentlich nur ein Land bereisen? Machen Sie es wie Phileas Fogg (David Niven) und reisen Sie um die Welt: nahezu klimaneutral mit Segelschiffen, Heißluftballons und auf Elefanten. In der Verfilmung des berühmten Romans von Jules Verne stehen Frankreich, Spanien, Bangladesch, Japan, Hongkong, Thailand, USA und England auf dem Routenplan.

Meine Empfehlung, weil sich der bunte, opulente und star-gespickte Abenteuerspaß mit 184 Minuten Laufzeit sogar für einen cineastischen Wochenendtrip eignet. Übrigens: Mehr als einen Blick lohnt auch die gleichnamige BBC-Dokumentation, in der Ex-Monty-Python Michael Palin die Route abklappert. Und das Buch könnte man ja auch mal (wieder) lesen … (Martina Borgschulze)

| rtv Redaktion | 31. März 2020