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Heimkino-Tipp: “Promising Young Woman”

Heimkino-Tipp: “Promising Young Woman”

Mit ihrem Regiedebüt „Promising Young Woman“ entwarf Emerald Fennell einen beeindruckenden Genremix aus Drama, Thriller und Groteske.

Ein zuckersüßer Racheengel?!

Cassie (Carey Mulligan), die mit 30 noch bei ihren Eltern lebt, schmeißt sich an den Wochenenden in Schale und zieht durch die Clubs. Doch Cassie tut nur so als ob. Sie spielt die betrunkene, wehrlose Frau. Und harrt der Dinge, die da kommen. Denn jede Nacht eilt ihr ein Mann zu Hilfe, der sich um sie „kümmert“, zu sich nach Hause geleitet und dort versucht, die weggetreten wirkende Frau zu küssen. Das ist der Moment, an dem Cassie offenbart, dass sie nüchtern ist. Und den Männern eine Lektion in Sachen sexueller Zustimmung und übergriffigem Verhalten erteilt.

Dass es „Promising Young Woman“ mit seiner Anklage der patriarchalen Gewalt ernst meint, macht schon der Titel klar. Denn er bezieht sich auf einen Fall in den USA. Dort bezeichnete 2015 ein Richter einen Studenten, den er nach einer Vergewaltigung zu nur sechs Monaten Haft verurteilte, als „Promising Young Man“. Einen jungen Mann, der noch seine ganze Zukunft vor sich habe. Das Opfer Chanel Miller blieb missbraucht und gedemütigt zurück. 

Was das mit „Promising Young Woman“ zu tun hat? Einiges, denn Regiedebütantin Emerald Fennell (Camilla in „The Crown“), die für ihr Drehbuch mit dem Oscar ausgezeichnet wurde, möchte mit ihrem Film die Ungerechtigkeit der Welt zeigen. Einer Welt, in der Frauen oft nicht nur die Gleichberechtigung versagt wird, sondern in der sie auch häufiger Opfer von sexualisierter Gewalt werden. Verstörenderweise illustriert Fennell, wie große Teile der Gesellschaft mit dem Vorwurf des Missbrauchs umgehen, teilweise in der Tonalität einer romantischen Komödie. Und schließt dann mit einem Finale, das in den Kinos viele Zuschauer sprachlos zurückließ.

Es ist das unbarmherzige Ende einer feministischen Rachefantasie, die in bunten Bildern vom Horror der Täter-Opfer-Umkehr, sexualisierter Sprache und einer „Rape Culture“, in der Vergewaltigung weitverbreitet ist, erzählt. Cassies Rache trifft diejenigen, die ihr als Stützen des sexistischen Systems erscheinen. Fennell geht es um das Sichtbarmachen der Gewaltstrukturen. Der gleichermaßen leichtfüßige wie unangenehme Film erscheint am 18. November auf DVD und Blu-ray.

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| Sebastian Zapf | 15. November 2021