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Das streamt die Redaktion an Halloween

Das streamt die Redaktion an Halloween

“Das streamt die rtv-Redaktion” an Halloween. Unsere Redakteur:innen verraten, was sie rund um den 31. Oktober streamen: von waschechten Genre-Klassikern über Serien mit Gruselfaktor bis hin zu Geheimtipps wie “Contracted”. 

Sebastian H. streamt Bava, Argento & Cage

©2020 Koch Films

Auch an Halloween muss es nicht immer “Halloween” sein. Wer mal eine Pause von John Carpenters Klassiker und dessen zahllosen Sequels braucht, aber an Halloween trotzdem nicht auf Horror verzichten will, dem seien hier drei Alternativen empfohlen:

1) Mario Bava war einer der großen italienischen Genre-Regisseure. “Lisa und der Teufel” von 1973 gilt eher als Nebenwerk, aber die Geschichte um eine junge Touristin, die in Spanien auf einen unheimlichen glatzköpfigen Mann und eine noch unheimlichere Familie mitsamt düsterer Villa trifft, entwickelt eine Sogwirkung, der man sich kaum entziehen kann. Zudem ist der Film mit Elke Sommer, Telly Savalas und Alida Valli exzellent besetzt. (Amazon Prime)

2) Ein weiterer Horror-Großmeister aus Italien ist Dario Argento, und “Opera” (1987) ist vielleicht sein letzter großer Film. Wie so oft bei Argento ist die Atmosphäre wichtiger als die Geschichte, und passend zum Titel und Schauplatz des Films schöpft der Regisseur geradezu opernhaft aus dem Vollen und beeindruckt mit einigen unvergesslichen, schaurig-schönen Sequenzen. Für Zartbesaitete ist “Opera” (zumindest in der ungekürzten Fassung) allerdings nicht zu empfehlen. (Amazon Prime)

3) Visuell ebenfalls sehr eindrucksvoll ist Richard Stanleys Verfilmung von H. P. Lovecrafts Kurzgeschichte “Die Farbe aus dem All” (Foto). Der Film aus dem Jahr 2019 entfacht einen psychedelisch anmutenden Bilderrausch – eine sehr eigene (inklusive Overacting von Nicolas Cage), aber stets faszinierende Version des Lovecraft-Klassikers, der eigentlich immer als unverfilmbar galt. (Sky Ticket)


Immer noch gut: Wenn die Gondeln Trauer tragen” …

… von Nicolas Roeg aus dem Jahr 1973! Der Film erzählt die Geschichte des Ehepaars John (Donald Sutherland) und Laura (Julie Christie), die nach dem tragischen Unfalltod ihrer kleinen Tochter nach Venedig reisen, um dort auf andere Gedanken zu kommen. In der italienischen Stadt häufen sich jedoch mysteriöse Ereignisse, auf die John und Laura sehr unterschiedlich reagieren – mit dramatischen Folgen. 

“Wenn die Gondeln Trauer tragen” lässt am Ende einige Fragen offen, ist aber dennoch ein zwar forderndes, jedoch ungemein stimulierendes filmisches Erlebnis. Selten hat Venedig so wunderschön morbide gewirkt wie in Roegs visuell berauschendem Meisterwerk, und die herausragenden Hauptdarsteller sorgen dafür, dass wir auch emotional berührt werden. “Don’t Look Now” heißt der Film im Original – meine Empfehlung lautet jedoch ganz klar: “Watch this!”

Anh streamt: "Contracted"

©Silverline

Wer an Halloween keinen Mainstream-Horror sehen möchte a la “The Conjuring” oder “Saw” (übrigens vom gleichen Regisseur James Wan), der ist mit „Contracted“ gut beraten. Der kurzweilige Indie-Film von 2013 geht wahrlich und sprichwörtlich unter die Haut.

Nach der Trennung von ihrer Freundin Nikki, lernt Samantha einen Mann kennen, mit dem es zu Intimitäten kommt. Was danach folgt, kennen viele vielleicht als Urban Myth: sie steckt sich mit einer mysteriösen Krankheit an, deren Herkunft eindeutig auf Nekrophilie zurückzuführen ist. Die restlichen 60 Minuten sind herrlich ekelhaft und bestenfalls nur mit leerem Magen zu „genießen“.

Der Film ist eindeutig nichts für Zartbesaitete und Schauer-Connaisseure. Wer Fan von Body Horror ist und Filme gern unter der Ladentheke kauft, dem verspreche ich mit Contracted eine schöne Zeit.

Contracted ist bei Joyn+ oder Home of Horror bei Prime Video Channels zu sehen. 

Kristin streamt: "Santa Clarita Diet" auf Netflix

©Netflix

Welche Frau kennt sie nicht: Die „Southbeach Diät“, „Weight Watchers“ oder „Schlank im Schlaf“. Auch Netflix bietet ein „Diät“-Programm– wenn auch ein eher morbides. Nach einem kleinen „Unfall“ mit einer Essenbestellung, durchläuft die kalifornische Maklerin Sheila (Drew Barrymore) eine drastische Verwandlung: Sie hat keinen Herzschlag mehr, ist übermenschlich stark und immer hungrig: Sheila ist ein Zombie – und fühlte sich nie besser. 

Dass nicht nur ihr Leben sondern auch ihr Speiseplan einen Weg des Todes und der Zerstörung einschlägt, ist für ihren Gatten Joel (herrlich: Timothy Olyphant) zunächst schwer zu verkraften. Während Sheilas Tochter nach einem Mittel sucht, um ihre Mom wieder menschlich zu machen, hilft Joel seiner Liebsten notgedrungen bei der Beschaffung des Dinners. Zum Glück ist Sheila ein Zombie mit Prinzipien: Sie isst nur böse Menschen.

Dumm nur, dass die „Menschenjagd“ Joel und Sheila immer wieder vor unvorhergesehene und ziemlich brenzlige Herausforderungen stellt. Und der gemietete Storage-Locker voller mit menschlichen Überresten gefüllten Kühltruhen ist auch nicht gerade unverdächtig.

Blutig, mit tiefschwarzem Humor und viel schräger Situationskomik ist „Santa Clarita Diet“ ein echtes Horror-Comedy-Juwel – nicht zuletzt dank des mit unheimlich viel Spaß an der blutigen Materie aufspielenden Hauptdarsteller-Duos Olyphant und Barrymoore. Alle drei Staffeln sind auf Netflix verfügbar. 

Immer noch gut: “Cabin in the Woods”

Genau genommen ist das von Popkultur-Anspielung nur so strotzende Werk zwei Filme in einem: Einerseits wird eine doch recht gruselige Slasher-Monsterstory erzählt, andererseits ist es eine schwarzhumorige Arbeitsplatzkomödie in deren Mittelpunkt zwei desillusionierte Bürohengste und ihre übereifrigen Kollegen versuchen, das wichtige Jahresprojekt erfolgreich abzuschließen – weil sonst die Welt untergeht. 

Die Studentin Dana (Kristen Connolly) fährt mit ihrer besten Freundin Jules, deren Liebsten Curt (Chris Hemsworth), Kifferkumpel Marty (Fran Kranz) und dem attraktiven Holden (Jessie Williams) in eine abgelegene Waldhütte, um auszuspannen. Was sie nicht ahnen: Ihr gesamter Trip ist von vorne bis hinten von einer Geheimorganisation durchgeplant, die die Studenten auf ganz besondere Weise den alten Göttern opfern wollen, um die ein weiteres Jahr schlummern zu lassen. 

Das Unheil nimmt seinen Lauf als die Gruppe im Keller der Hütte auf ein Sammelsurium seltsamer Antiquitäten stößt und damit das Grauen heraufbeschwört. Doch womit ihre Manipulatoren nicht gerechnet haben: Dana und Marty kommen ihnen unerwartet auf die Schliche …

So ganz Ernst kann man Drew Goddards Gruselmär, die genüsslich zahlreiche Horrorklischees auf der Meta-Ebene durch den Kakao zieht – und sich gleichzeitig vor ihnen verneigt – eigentlich nicht. Trotzdem ein absoluter Tipp an Halloween!

Martina streamt: "Freud" und "Star Trek: Lower Decks"

©Bavaria Fiction/ORF/Satel Film

„Freud“, abrufbar bei Netflix und ab 31.10. in der ZDF-Mediathek

Michael Myers, Freddy Krueger, Leatherface – all diesen Slasher-Killern kann man sicherlich getrost ein paar psychische Komplexe attestieren. Was liegt da näher, als sich zu Halloween mal mit dem Entdecker dieser Psychosen zu beschäftigen: mit Sigmund Freud. 

Der Begründer der Psychoanalyse ist nämlich der Held der Mystery-Serie „Freud“. 1886 kommt der junge Mediziner (mit authentischem Bart und nett anzusehen: Robert Finster) gemeinsam mit dem traumatisierten Kriegsveteranen Kiss (spielt den Titelhelden locker an die Wand: Georg Friedrich) einem Serienkiller auf die Spur, an dessen Werk Jack the Ripper seine Freude gehabt hätte. 

Bald kreuzen sich die Wege des Mediziners und des Inspektors mit dem des geheimnisvollen und sehr sinnlichen Mediums Fleur (Ella Rumpf). Regisseur Marvin Kren greift für seine Inszenierung eines hübsch morbiden Wiens tief ins Blut- und Schleim-Fass und macht auch vor Natur-Mystik nicht halt. 

Manche Szenen geraten da unfreiwillig komisch. Aber insgesamt liefert „Freud“ beste Unterhaltung für einen entspannten Halloween-Abend, halt mit Sachertorte statt mit Kürbiskuchen. Leiwand!

„Star Trek: Lower Decks“, abrufbar bei Amazon Prime

Es müssen ja nicht immer Monster sein – auch das „Star Trek“-Universum bietet Stoff für eine Themenparty. Die Trickserie „Lower Decks“ etwa hat neben den Kult-Kostümen (Klingonen, Cardassianern, Borg) auch eine Orion-Offizierin (schön grün) und einen Tamarianer (Kayshon, seine Augen offen) an Bord. Überhaupt gibt es in Staffel 2 so einige Highlights, bei denen Trekkies das Herz aufgeht.

 Etwa die Doopler: knuddelige Außerirdische, die sich aus Schamgefühl duplizieren. Unnötig zu sagen, dass die notorisch politisch unkorrekte Besatzung der USS Cerritos dafür sorgt, dass ihr Schiff bald aus den Nähten platzt vor lauter Doopler-Duplikaten. Der abtrünnige Boimler kann derweil dank eines Transporterunfalls (der Klassiker!) unter Riker auf der USS Titan dienen und dennoch zu Mariner und Co. zurückkehren. 

Wer übrigens Insider-Gags wie den Vergleich zwischen dem außer Kontrolle geratenen Cerritos-Commander Ransom und Gary Mitchell nicht versteht, kann ja mal bei Netflix reinschauen. Dort laufen alle „Star Trek“-Serien, angefangen beim Original mit Kirk und Spock.

Immer noch gut: “Buffy the Vampire Slayer”


Die Geschichte von der Jägerin, der einen Auserwählten, die sich Vampiren, Dämonen und den Mächten des Bösen entgegenstellt, ist absolut zeitlos – auch wenn es Flanellhemden, Hochwasserhosen und Choker nicht mehr sind. 

Die Serie von Joss Whedon ist Horror, Mystery, Action und Coming-of-Age-Geschichte in einem. Und viel mehr. Denn bis Buffy (Sarah Michelle Gellar) die Szenerie betrat, waren kleine, blonde Frauen ja vor allem dafür da, schreiend vor Filmmonstern wegzurennen. Buffy braucht keinen Kerl, der sie rettet. Markige Sprüche hat sie selbst drauf: “Du bist ein Vampir. Oh, Verzeihung. Sollte ich sagen: untoter Amerikaner?” 

Sie jagt den Monstern einfach einen Pflock ins Herz. Und Ruhe ist. Dazu bietet “Buffy” mehr als nur das “Monster der Woche”. Es gibt Sex (alle Folgen in denen David Boreanaz als Angel und vor allem James Marsters als Spike das Hemd ausziehen …), eine herzzerreißende Folge über den “Tod einer Mutter” (5.16) und eine umwerfende Musical-Episode (“Once More With Feeling, 7.6.), in der vor allem Anthony Head als Buffys Wächter/Vaterersatz Giles groß auftrumpft. 

Zu Halloween bieten sich natürlich die Halloween-Folgen an (vor allem “Nacht der Verwandlung”, 2.6. und “Der Dämon der Angst”, 4.4.). Und wer sich richtig weggruseln will, dem sei die 10. Folge der 4. Staffel empfohlen: “Das große Schweigen”. Nicht umsonst wurde die Geschichte um die blutrünstigen “Gentlemen” als einzige Folge der Serie für den Emmy Award in der Kategorie Bestes Drehbuch nominiert. 

Sebastian Z. streamt: "Scream"

©Netflix

An Halloween schau ich mir immer den ersten Teil der “Scream”-Reihe an. Der Meta-Slasher von Wes Craven gehört auch 25 Jahre nach seinem Erscheinen zu meinen absoluten Lieblingsfilmen. Ich liebe es einfach, wie Kevin Williamson und Wes Craven den Slasherfilm gleichermaßen ehren und seine Tropes der Lächerlichkeit preisgeben. 

Die Eröffnungsszene mit Drew Barrymore verbindet bereits Horror und Humor auf packende Art und Weise. Im Rest des Films wird ein ganzes Genre dekonstruiert. Und trotzdem genau das geliefert, was Fans daran lieben. Das Besondere damals: der maskierte Killer “Ghostface” traf auf Jugendliche, die mit den filmischen Werken von Craven, Carpenter und Cunningham bestens vertraut waren. 

Prom Night, Terror Train, Halloween. Das Final Girl. Die bizarren Regeln des Genres werden hier einmal durch den Mixer gedreht und im perfiden Finale bloßgestellt. “Scream”, dem leider in der deutschen Synchronisation der Großteil seiner Cleverness abgeht, verhedderte sich in mancher Fortsetzung etwas zu sehr im Meta-Humor. Doch der im Januar in den Kinos startende fünfte Teil verspricht modernen Horror mit Rückbesinnung auf das Original. 

Eben jenes schau ich mir dieses Jahr das erste Mal in 4K an. Erscheint der Film doch zum 25-jährigen Jubiläum endlich auf UHD. Zeit wird’s. So scharf hat man Wes Cravens Cameo-Auftritt als Hausmeister Freddy noch nie gesehen. Aber immer dran denken: “You can never, ever, ever under any circumstances say “I’ll be right back,” Cause you won’t be back.”

Scream kann via Sky Go/Sky Ticket und Magenta TV gestreamt werden. Und ist
natürlich auch auf Blu-ray und seit kurzem als UHD im Handel erhältlich.

Immer noch gut: “You’re Next”

Für mich ist “You’re Next” ein nahezu perfekter Mix aus Horror und Comedy. Hat mich 2013 auf dem Fantasy Film Fest umgeblasen. Und hält dem Eindruck seitdem bei jeder Sichtung stand. Darum geht’s: Eine Familie trifft sich übers Wochenende auf dem ländlichen Anwesen der Eltern, um deren Hochzeitstag zu feiern. Doch statt Feierlaune herrscht schnell Todesangst. Denn eine Gruppe eiskalter Killer mit grotesken Tiermasken hat es auf die Familie abgesehen. Ein Pfeil durch eine Fensterscheibe eröffnet den blutigen Reigen. Und nicht alle Familienmitglieder geben sich kampflos geschlagen … 

“You’re Next” von “The Guest”-Regisseur Adam Wingard ist ein temporeicher Ritt durch die Genres. Wingard liefert in einem eng geschnürten Setting jede Menge frische Ideen. Was als Home-Invasion-Thriller beginnt, und schließlich mit zahlreichen Slasher-Elementen unterfüttert wird, gerät im weiteren Verlauf zu einer herrlich schwarzen Komödie, die zudem mit einer garstigen Schlusspointe aufwartet. In der Hauptrolle überzeugt die spielfreudige Australierin Sharni Vinson. 

Wingard liefert mit “You’re Next” einen echten Crowd Pleaser ab. Clever, blutig, spannend und mit jeder Menge Genreverweise. Der schönste Meta-Slasher seit Wes Cravens “Scream”. Den in diesem Kontext schaurig-schönen Ohrwurm “Looking for the Magic” von der Dwight Twilley Band gibt es aufs Haus.

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| rtv Redaktion | 25. Oktober 2021