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“Der Überläufer” im Ersten

“Der Überläufer” im Ersten

Starke Geschichte zum 75. Jahrestag des Weltkriegsendes am 8. Mai: Jannis Niewöhner spielt die Hauptrolle in der Verfilmung des Siegfried-Lenz-Romans “Der Überläufer”. Sendetermine: Mittwoch, 8. Mai und Freitag, 10. Mai, jeweils 20:15 Uhr im Ersten.

"Die Geschichte ist brandaktuell"

Ursprünglich hatte der junge Autor Siegfried Lenz seinen zweiten Roman, der 1952 fertig wurde, “..  da gibt’s ein Wiedersehen” nennen wollen, Zitat aus einem Kriegslied. Dann hieß er “Der Sumpf”, er hätte sich auf den Partisanenkampf im ersten Teil des Buches bezogen. Am Ende wurde “Der Überläufer” daraus. 

Lenz erzählt darin die Geschichte des Wehrmachtsoldaten Walter Proska, der zerrissen zwischen Pflicht und Moral, Wahrheit und Lüge, das Grauen des Krieges erlebt und überlebt. Der die Seiten wechselt und in der sowjetischen Besatzungszone ein neues Deutschland aufbauen will. Veröffentlicht wird der Roman nicht. Ein Deserteur als Protagonist eines Kriegsromans war in der Zeit des Wirtschaftswunderlandes gerade nicht gefragt. 

Erst über 50 Jahre später erschien “Der Überläufer”, zwei Jahre nach seinem Tod landete Siegfried Lenz einen letzten Bestseller. Zum 75. Jahrestag des Weltkriegsendes zeigt das Erste nun die Verfilmung mit rtv-Titelstar Jannis Niewöhner in der Hauptrolle. “Für mich ist die Geschichte brandaktuell”, so der gerade 28 Jahre alt gewordene Schauspieler. “Er zeigt, wie ein Mensch mit sich ringt, sich in einem riesengroßen Chaos richtig zu verhalten und anständig zu bleiben.”

Auf verlorenem Posten

Die Geschichte dieses Menschen beginnt im Sommer 1944. Wehrmachtsoldat Walter Proska will vom Urlaub an die Front zurückkehren. Im Zug lernt er die Polin Wanda kennen. Partisanen greifen an, Proska flieht. Er landet bei einer Truppe Soldaten, die, umzingelt von Partisanen, geplagt von Mücken, in den Wäldern Polens ums Überleben kämpft. Der Kamerad Kürschner wird ihm zum Freund, der menschenverachtende sadistische Vorgesetzte Stehauf zum Feind in den eigenen Reihen. 

Bei einer Patrouille trifft Proska Wanda wieder, verliebt sich, sie verhilft ihm beim Partisanenangriff zur Flucht, die aber in russischer Gefangenschaft endet. Sein Freund Kürschner, längst auf die russische Seite gewechselt, rettet ihm das Leben, danach wartet die Wahl: Tod in Gefangenschaft oder leben und gegen die alten Kameraden kämpfen. Soldat Proska entscheidet sich fürs Leben. 

Er pendelt, “zwischen dem Gefühl, falsch gehandelt zu haben, und dem Wissen, dass er nichts anderes tun konnte”, so Niewöhner. Er ist das Gesicht dieses starken Films, der wie Walter am Ende Partei ergreift: “Nicht für einen Staat oder eine Ideologie, sondern für Liebe und Freundschaft, für Werte, die der Krieg nicht zerstören kann.”

Rainer Bock in "Der Überläufer"
©NDR/Dreamtool Entertainment
| Andreas Herden | 2. April 2020