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“Für immer Sommer 90” im Ersten

“Für immer Sommer 90” im Ersten

Spontane Dialoge, fesselnde Geschichte: Charly Hübner spielt  in “Für immer Sommer 90” (Mittwoch, 6.1, 20:15 Uhr im Ersten) einen Mann mit dunkler Vergangenheit.

Impro-Essenz

Improvisation im Film: Seit Jahren denkt man bei diesen Worten an Jan Georg Schütte. Vor allem mit “Altersglühen” und “Klassentreffen” zeigte der Regisseur, wie man ohne starre Dialoge TV-Momente für die Ewigkeit schaffen kann. Doch mit dem Ruhm kamen große Erwartungen, die dem spontanen Spiel gar nicht gut tun. 

Das merkte man bei Schüttes “Tatort” am Neujahrstag 2020, der recht überdreht wirkte. In “Für immer Sommer 90” schalten Schütte und sein Co-Regisseur Lars Jessen einen Gang zurück und konzentrieren sich auf die Dialoge, die eine Hauptfigur führt. 

Tragikomischer Trip zurück

Diese Hauptfigur wird verkörpert von Charly Hübner (Foto, r.), wieder mal mit Wucht. Er spielt, mit Verlaub, ein Arschloch: Andy scheffelt in Frankfurt Geld als Investmentbanker, im ersten Szenario sehen wir, wie arrogant er mit seiner Kollegin, Konkurrentin und Geliebten Bea (Lisa Marie Potthoff) umspringt. Vergessen hat Andy seine Jugend in der DDR-Provinz und vor allem eine wilde Partynacht im Sommer 1990. Die holt ihn ein, weil eine anonyme Schreiberin behauptet, er habe sie damals vergewaltigt. 

Andy reist in die Vergangenheit Richtung Nordosten, um seinen Ruf und seine Karriere zu retten. Die Freunde von früher, bei denen er verbrannte Erde hinterlassen hatte, werden u.a. improvisiert von Roman Knizka, Stefanie Stappenbeck (Foto, l.) und Karoline Schuch. Dabei gibt es kluge Pointen, die Grundstimmung wirkt aber wehmütig bis tragisch. Das soll nicht abschrecken: Wer die Reise mit Andy antritt, wird ihn bis zum Ende begleiten und sich lange an den Trip erinnern.

| Björn Sommersacher | 29. Dezember 2020