rtv sieht fern » “Gundermann” bei Arte
rtv sieht fern » “Gundermann” bei Arte

“Gundermann” bei Arte

“Gundermann” bei Arte

Mit der preisgekrönten Biografie “Gundermann” (Mittwoch, 23.9., 20:15 Uhr) von Andreas Dresen eröffnet Arte den Programmschwerpunkt “30 Jahre Wiedervereinigung”. 

Filmreifes Leben

Hätte sich ein Drehbuchautor einen Charakter wie Gerhard Gundermann (1955-1998) ausgedacht, man würde ihn wohl für unglaubwürdig halten. Denn Gundermann, Liedermacher und Baggerfahrer aus der Lausitz, war ein Mann voller Widersprüche. 

Ein überzeugter Kommunist, den die SED zunächst aufnahm, aber schon bald wieder loswerden wollte, weil er eine eigene, kritische und lautstarke Meinung hatte. Als IM bespitzelte Gundermann für die Stasi Bekannte und wurde, wie er später erfuhr, gleichzeitig selbst bespitzelt. 

Preiswürdiges Spiel

Regisseur Andreas Dresen machte ein eindrucksvolles Erlebnis aus “Gundermann”. Was nicht zuletzt seinem Hauptdarsteller Alexander Scheer (“Sonnenallee) zu verdanken ist. 1976 in Ostberlin geboren, kannte Scheer zwar den Namen des Liedermachers, nicht aber dessen Musik. “Dass ich einen der größten deutschen Songschreiber aller Zeiten verpasst habe, ist mir jetzt erst bewusst geworden. Seine Texte sind gerade raus, die sind ehrlich und von bedrückend schöner Lyrik. So was habe ich selten gehört”, schwärmt der Schauspieler.

Scheer spielte schon viele großartige Rollen. Als Gundermann liefert er aber vielleicht seine bisher beste Leistung ab. Er verschmilzt geradezu mit seiner Figur, nicht nur optisch. Hat sich Sprache, Mimik und Gangart abgeschaut, ohne sie einfach nur zu kopieren. Die Lieder, die Gundermann zum Idol vieler DDR-Bürger machten, sang Scheer alle selbst. Bei der Verleihung des Deutschen Filmpreises war “Gundermann” mit sechs Auszeichnungen zu Recht der große Gewinner.

Das starke Porträt läuft am 30.9. auch im Ersten. Mehr zum Programmschwerpunkt bei Arte gibt es hier.

| Susanne Bald | 15. September 2020