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“Was wir wussten – Risiko Pille”

“Was wir wussten – Risiko Pille”

Packende Aufarbeitung eines Pharmaskandals

Ein wahrer Pharmaskandal in fiktiver Form: “Was wir wussten – Risiko Pille” punktet mit klarer Botschaft und erlesener Besetzung. “Arschlöcher sind immer die anderen. Wie kommt es, dass die Welt voller Arschlöcher ist, aber wir immer alles richtig machen?” Nach einigen Gläsern Rotwein erwachen im Antihelden dieses Films bittere Selbstzweifel.

Carsten Gellhaus (Stephan Kampwirth) heißt er, Arzt im Dienst eines Pharmakonzerns. Sein Auftrag: die Dokumente für die Zulassung einer neuen Antibabypille fertigstellen. Das Medikament will man als Lifestyle-Produkt vermarkten, da es auch gegen Akne hilft. Ideal also, um Teenager anzusprechen, eine Werbekampagne mit Internetstars soll dabei helfen. 

Doch lässt sich eine Studie ignorieren, die besagt, dass die Wirkstoffkombination ein erhöhtes Risiko für lebensgefährliche Thrombosen birgt? Gellhaus hadert mit sich. Kompliziert wird die Lage auch dadurch, dass er mit seiner knallharten Chefin (Nina Kronjäger) eine Affäre hat … 

Riskante Verkaufsschlager

Die Figuren sind fiktiv, die Geschichte aber auf traurige Weise realitätsnah: Es geht um die Antibabypillen der 3. und 4. Generation, bis heute die meistverkauften in Deutschland. Die Autoren Eva und Volker A. Zahn haben Frauen aus einer Selbsthilfegruppe eingebunden, die nach der Einnahme eine Thrombose bekamen, ohne dass im Beipackzettel das erhöhte Risiko erwähnt wurde.

“Die Frauen hatten keine Wahl, sie wussten nicht, was sie da schlucken. Wir wollten aber einen Film über Menschen machen, die sehr genau wissen, was sie tun”, sagt Eva Zahn – also über die Hersteller. Auch wenn das Drehbuch mit vielen Zufällen hantiert, ist die Umsetzung auch dank der großartigen Darsteller unbedingt sehenswert.

| Oliver Kinser | 15. Oktober 2019