rtv sieht fern » Satire im TV: “ZDF Magazin Royal” & Co.
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Satire im TV: “ZDF Magazin Royal” & Co.

Satire im TV: “ZDF Magazin Royal” & Co.

Das “ZDF Magazin Royale” mit Jan Böhmermann geht am 6. November 2020 im Hauptprogramm des ZDF auf Sendung. Eine gute Gelegenheit, einen Blick auf weitere Satire-Sendungen im Programm der öffentlich-rechtlichen Sender zu werfen. 

"ZDF Magazin Royale"

Jan Böhmermann
©ZDF/Jens Koch

Jan Böhmermann ist so etwas wie das Enfant terrible der deutschen TV-Landschaft.  Immer wieder greift er große, gesellschaftlich relevante Themen überraschend und mit hintergründigem Humor auf. Bei ZDFneo überraschte er mit seinem “Neo Magazin Royale” von 2013 bis 2019 immer wieder mit provokanten Aktionen. 

Für den größten Aufreger sorgte sicherlich das 2016 von Böhmermann in seiner Show vorgetragenen Schmähgedicht auf den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan, das vom ZDF direkt nach der Ausstrahlung aus der Mediathek genommen wurde und der Auslöser für eine monatelange gesellschaftliche Debatte über Aufgaben und Grenzen der Satire war. 

Dass Böhmermann eine Show im ZDF-Hauptprogramm bekommen würde, war lange undenkbar. Auch darüber hat er sich natürlich immer wieder lustig gemacht. Jetzt ist es doch so weit! Ab dem 6. November 2020 darf er im ZDF-Hauptprogramm direkt nach der “heute-show” mit seiner neuen Late-Night-Satire auf Sendung gehen. Wir sind gespannt, was sich “Böhmi” einfallen lässt.   

Sendetermin: freitags, 23 Uhr im ZDF

"heute-show"

"huete-show"-Moderator Oliver Welke
©ZDF/Sascha Baumann

Es soll Menschen in Deutschland geben, die sich über das Weltgeschehen nur noch von Oliver Welke und seinem Team der “heute-show” informieren lassen. Seit 2009 moderiert Welke die ZDF-Nachrichtensatire, in der er gemeinsam mit seinem Team die politischen Ereignisse der Woche mit ordentlich Biss und einem satirischen Augenzwinkern kommentiert. 

Legendär sind die Auftritte von Hans-Joachim Heist als Wutbürger “Gernot Hassknecht”, aber vor allem auch die “Live-Schalten” mit den Außenreportern Lutz van der Horst, Carsten van Ryssen oder Christine Prayon, die sich in bester “Borat”-Manier bei Parteitagen, Demonstrationen und anderen öffentlichen Veranstaltungen unters Volk mischen und Politikern und Prominenten mit kritisch-satirischen Fragen auf den Pelz rücken. 

Als Vorbild für die “heute-show” diente die US-amerikanische Nachrichtensatire “The Daily Show”. Neben zwei Grimme-Preisen und zahlreichen weiteren Auszeichnungen erhielt die Show als einzige deutsche Fernsehsendung drei Mal hintereinander den Deutschen Comedypreis.

Sendetermin: freitags, 22:30 Uhr im ZDF

"extra 3"

"extra 3"-Moderator Christian Ehring
©NDR/Matzen

Bereits seit 1976 ist das NDR-Satiremagazin auf Sendung. Damals moderierte Dieter Kronzucker, Christian Ehring (Foto) hat 2011 übernommen. Wie der ZDF-Bruder “heute-show” beleuchtet “extra 3” wöchentlich das politische Geschehen – den “Wahnsinn der Woche” – in Form von satirischen Kurzbeiträgen und Moderationen sowie Stand-Up-Comedy-Einlagen.

Daneben gibt es feste Rubriken mit wiederkehrenden Moderatoren, Schauspielern und Kabarettisten. Wie den fiktiven Johannes Schlüter (Jesko Friedrich und Dennis Kaupp), der in jedem Beitrag einen anderen Beruf hat. So war Schlüter bereits “Bushpilot im Kopf des (damaligen) amerikanischen Präsidenten George W. Bush”, “Supernanny der Politiker” oder Filmregisseur des neuen “SPD-Blockbusters”. Die Rubrik wurde 2009 mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet.

Das größte mediale und gesellschaftliche Echo gab es auf Christian Ehrings “Nazi-Schlampe Alice Weidel”-Moderation sowie diversen Erdogan-Videos (“Erdowie, Erdowan, Erdogan”).

Sendetermin: “extra 3” läuft aktuell donnerstags um 22:34 Uhr im Ersten sowie mittwochs um 22:50 Uhr im NDR Fernsehen.

"SchleichFernsehen"

Helmut Schleich
©BR/Fabian Stoffers

Seit 2011 macht der Kabarettist Helmut Schleich im BR Fernsehen die Bildschirme unsicher. Von 2012 bis 2018 wurde Schleich dabei von Christiane Blumhoff als zweite Moderatorin unterstützt. In der Regel begrüßt Schleich in jeder Sendung einen Gastkabarettisten sowie von Reporter Martin Frank. 

Regelmäßig parodiert wird unter anderem die “Do bin i dahoam”-Kampagne des BR oder die Talkshow Münchner Runde mit Schleich als Moderator Traugott Sieglieb (Anspielung auf Sigmund Gottlieb). Legendär: Zum Schluss jeder “SchleichFernsehen”-Ausgabe gibt es zuverlässig eine Imitation des früheren bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß.

Kann man sich auch anschauen, wenn nicht aus Bayern kommt. Eine gewisse Affinität zu Themen, die sich südlich des Weißwurstäquators abspielen, sollte aber schon vorhanden sein.

Sendetermin: donnerstags, 21 Uhr, BR Fernsehen  

"Die Anstalt"

Claus von Wagner (l.) und Max Uthoff in der "Anstalt"
©ZDF/Dirk Eidner

Seit 204 senden Max Uthoff (r.) und Claus von Wagner aus der “Anstalt”. Die Sendung gilt als Nachfolger von “Neues aus der Anstalt” mit Urban Priol als Klinikleiter, Georg Schramm als Patientensprecher (Folgen 1-36) und Frank-Markus Barwasser alias Erwin Pelzig als Referent für Öffentlichkeitsarbeit (ab Folge 37 bis Oktober 2013).

Jede Ausgabe behandelt ein aktuelles politisches Thema, welches meistens auch in den Solo-Auftritten der Gäste thematisiert wird. In den meisten Folgen der “Anstalt” taucht ein rollbares Whiteboard auf, auf dem ein Schaubild über personelle oder politische Verquickungen entwickelt wird. In den neueren Folgen schlüpfen Uthoff und von Wagner auch immer wieder in die Rolle von realen Persönlichkeiten wie Angela Merkel, Steffen Seibert und Andreas Scheuer (alle von Wagner) und Horst Seehofer, Friedrich Merz und Isaac Newton (Uthoff).

Sendetermin: Die Anstalt wird achtmal im Jahr (in der Regel einmal im Monat von Februar bis Mai, sowie von September bis Dezember) dienstags nach dem heute-journal live im ZDF ausgestrahlt.

| Björn Sommersacher | 6. November 2020