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Spannende Serien aus Skandinavien

Spannende Serien aus Skandinavien

Egal ob klassischer “Nordic Noir”-Krimi, Politserie oder Mysterythriller: Aus Skandinavien kommen einige der besten Produktionen in Sachen Spannung und Nervenkitzel. Hier stellen wir Ihnen eine Auswahl der besten Serien aus dem Norden Europas vor. 

Kommissarin Lund (2007)

"Kommissarin Lund"
©ZDF

Nichts gegen “Wallander” & Co. Aber die Blaupause für den modernen Nordic-Noir-Krimi heißt “Kommissarin Lund”. Zumindest in Deutschland. In Dänemark nennt sich die außergewöhnliche Thrillerserie “Forbrydelsen” (übersetzt: “Verbrechen”), im Rest der Welt “The Killing”. Die seit 2007 oft gesehene Figur der wenig sozialkompetenten, aber dafür umso besseren Ermittlerin wurde hier perfektioniert. Sarah Lund (nur echt im Norweger-Pulli: Sofie Gråbøl) sucht nach dem Mörder und Vergewaltiger der 19-jährigen Nanna Birk Larsen. Und stößt dabei einmal halb Kopenhagen vor den Kopf. 

In 20 fast einstündigen Folgen entwirft Serienmacher Søren Sveistrup eine hochspannende “Whodunnit”-Geschichte, und wirft zugleich einen Blick auf den Umgang der Eltern mit dem Tod ihrer Tochter sowie die verworrene Lokalpolitik Kopenhagens. Es ist eine Art realistische Großstadtvariante von “Twin Peaks”. Düstere Bilder im Dauerregen erzählen von einer Trostlosigkeit, der sich der Zuschauer kaum entziehen kann. Die Ermittler folgen Spur für Spur, und scheinen doch oft weit von der Lösung des Falls entfernt zu sein. Auch wegen der zahlreichen falschen Fährten ist der Rewatch-Faktor hoch. 

Nimmt sich die zweite Staffel ( 10 weitere Folgen im Militär-Umfeld) ein bisschen mehr Luft zum Atmen, steuert es mit Staffel 3 (10 Folgen im Umfeld eines Großindustriellen) noch einmal atemlos auf ein brillantes Serien-Finale zu. Sofie Gråbøl war nie besser als in “Kommissarin Lund”. In der 1. Staffel kongenial unterstützt von Lars Mikkelsen als Bürgermeisterkandidat Troels Hartmann, der sich mitten im Wahlkampf mit einem Mordfall auseinandersetzen muss. 

Ich liebe diese Serie. Ein tolles Puzzle für Fans anspruchsvoller Krimis, das nebenbei Fragen von Ethik und Moral durchdekliniert. Und den Zuschauer mit einem Ende zurücklässt, bei dem man erstmal tief durchatmen muss. Es existiert ein US-Remake. Das können Sie sich sparen. Außer sie lieben Joel Kinnaman. Dann schauen Sie aber trotzdem bitte vorher “Forbrydelsen”. Fortgeschrittene schauen auf Blu-ray im dänischen Originalton mit englischen Untertiteln. Das ist noch besser. Eh klar! Habe ich schon gesagt, dass ich diese Serie liebe? (Sebastian Zapf)

Als “The Killing” gibt es die komplette Serie aktuell in der Arte-Mediathek.

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Die Brücke – Transit in den Tod (2011)

"Die Brücke" - Szenenfoto
©ZDF

Ebenfalls mehrfach kopiert, nie erreicht und für mich sogar noch besser als die fraglos fantastische “Kommissarin Lund” ist die dänisch-schwedische Koproduktion “Die Brücke”. Weil ein Mordopfer mitten auf der Öresundbrücke gefunden wird, die Schweden und Dänemark miteinander verbindet, müssen Saga Norén von der Kripo Malmö und ihr Kopenhagener Kollege Martin Rohde zum ersten Mal gemeinsam ermitteln. Ein Paar, das unterschiedlicher kaum sein könnte: Saga ist eine geniale Polizistin mit Sinn fürs Detail, allerdings fehlt ihr aufgrund des Asperger-Syndroms nicht nur die Fähigkeit zu Empathie, sondern auch jeglicher Sinn für Humor und Smalltalk – alles Spezialgebiete des privat wie beruflich eher gemütlichen Dänen Martin. 

Zwei ungleiche Ermittler? Ja, zugegeben: Das klingt erstmal zum Gähnen. Und trotzdem: Kein ungleiches Duo ist so toll wie Saga Norén und Martin Rohde und ihre Darsteller Sofia Helin und Kim Bodnia (aktuell für “Killing Eve” gefeiert). Sie brauchen keine großen Gesten oder Worte. Ihnen reicht oft ein beiläufiger Blick oder ein Mundzucken, um für größte Emotion und Intensität zu sorgen. Und wie sie es bei aller Tragik der düsteren Fälle (Nordic Noir eben) noch schaffen, für gelegentliches Schmunzeln zu sorgen: Das ist für mich ganz hohe Schauspielkunst, vor der ich (zumindest innerlich) jedes Mal aufs Neue niederknie. 

In Staffel drei und vier ersetzt Thure Lindhardt Kim Bodnia als Sagas Partner. Und auch wenn ich es mir nicht vorstellen konnte: Der Hauptdarstellerwechsel schadet der Serie nicht etwa, ganz im Gegenteil, so sehr ich Bodnia auch vermisse. Aber frischer Wind tut eben nicht nur Saga, sondern auch dem eingefleischten “Brücke”-Fan gut. (Susanne Bald)

Staffel 2, 3 und 4 gibt es aktuell in der ZDF-Mediathek, die Staffeln 1 bis 3 bei SkyTicket und Amazon Prime Video. 

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Borgen - Gefährliche Seilschaften (2010)

"Borgen" - Szenenfoto
©DR1

Dass Politik im TV trocken und langweilig ist, kann nur jemand behaupten, der nie “Borgen” gesehen hat – neben “Die Brücke” meine absolute Lieblingsserie. “Borgen”, also “Burg”, das ist Christiansborg, das dänische Parlament in Kopenhagen. Die Machtspiele dort bringen nicht nur die Prinzipien der völlig überraschend zur Premierministerin gewählten Birgitte Nyborg (Sidse Babett Knudsen) ins Wanken, sondern auch die Beziehung zu ihrem Mann und ihren Kindern. Genau das macht die Serie so stark: Es geht in “Borgen” zwar viel, aber eben auch nicht nur um Politik, Korruption und Macht, sondern auch darum, was all das aus Menschen macht. Aus einer liebenden Ehefrau und Mutter, aber auch aus ihrer Familie, ihren Freunden und Mentoren, die nach und nach zum Kollateralschaden von Birgittes Karriere werden. 

Ein weiterer spannender Aspekt der Serie ist die Rolle der Presse im Politikbetrieb. Denn auch hier geht es logischerweise nicht immer moralisch korrekt und legal zu im Kampf um die höchsten Einschaltquoten und besten Schlagzeilen. 

“Borgen” wurde vom selben Team wie “Kommissarin Lund” produziert, 2013 war nach drei ganz großartigen Staffeln Schluss. Damals tröstete ich mich mit der Floskel, man solle ja auch aufhören, wenn es am schönsten ist. Ernst gemeint habe ich das allerdings nicht, jetzt kann ich es ja zugeben. Umso gewaltiger war daher meine Freude, als im April völlig unerwartet die Pressemitteilung die Runde machte, dass der Dänische Rundfunk gemeinsam mit Netflix eine vierte Staffel plane. Serienschöpfer Adam Price wird wieder hauptverantwortlich sein, 2022 sollen die neuen Folgen an den Start gehen. Birgitte Nyborg, so munkelt man, ist mittlerweile dänische Außenministerin, ihre frühere Pressesprecherin Katrine (Birgitte Hjort Sørensen) wieder Journalistin. Beides eröffnet Möglichkeiten für viele neue und spannende Themen. 2022 kann für mich nicht früh genug kommen! (Susanne Bald)

Die ersten 3 Staffeln “Borgen” gibt es aktuell bei Netflix.

Blutsbande (2014)

"Blutsbande" - Szenenfoto
©Sveriges Television

Auf die schwedisch-finnische Produktion “Tjockare än vatten” (dicker als Wasser) – deutscher Titel: “Blutsbande” – bin ich vor einigen Jahren auf der Suche nach einem neuen Scandi Noir eher zufällig gestoßen. Und in der Tat dauerte es nur wenige Szenen, und die enorme Sogwirkung der Serie hatte mich mitten hineingezogen in das komplexe Leben der Familie Waldemar. 

Lasse (Björn Bengtsson) und Jonna (Aliette Opheim) kehren nach vielen Jahren zurück auf die abgelegenen Åland-Inseln, wo ihr Bruder Oskar (Joel Spira) das familieneigene Hotel führt. Ihre Mutter Anna-Lisa hat um das Familientreffen gebeten. Kurz nach einer persönlichen Unterredung mit jedem ihrer erwachsenen Kinder begeht sie Selbstmord. Ihr letzter Wille: Die Geschwister sollen sich zusammenraufen und das Hotel eine Saison lang gemeinsam betreiben. Schaffen sie es nicht, verlieren sie ihr Erbe. Dabei wollen Lasse und Jonna eigentlich nur eines: schnell wieder weg von der Insel und den Geistern der Vergangenheit.

“Blutsbande” ist eine perfekte Mischung aus eindringlichem Familiendrama und packender Spannung, voller verdrängter Konflikte und Familiengeheimnisse, die sich nach und nach ihren Weg an die Oberfläche bahnen. Nicht nur sorgt Oskars Ehe mit Lasses Jugendliebe Liv für Spannungen zwischen den Brüdern, sondern auch das Rätselraten über das Jahrzehnte zurückliegende Verschwinden des gewalttätigen Vaters. Zudem hat Lasse sich vor seiner Rückkehr nach Åland in Stockholm mit den falschen Leuten angelegt, die nun ihn und seine Familie bedrohen. 

In Skandinavien lief die dritte Staffel bereits vor einigen Monaten, ein deutscher Sendetermin ist hoffentlich nur noch eine Frage der Zeit. Ich möchte endlich wissen, wie es mit Lasse, Jonna und Oskar weitergeht – bzw. OB es weitergeht, denn so viel sei gesagt: Das Finale der 2. Staffel hatte es ganz schön in sich. (Susanne Bald)

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Jordskott – Die Rache des Waldes (2015)

"Jordskott" - Szenenfoto
©SVT1

Regisseur und Autor Henrik Björn bebildert in seinem Geniestreich eines der großen Themen der Philosophie des letzten Jahrhunderts: Die Rückkehr des Mythos in eine vermeintlich aufgeklärte Welt. Und das macht er ziemlich geschickt. “Jordskott” beginnt wie ein beliebiger weiterer Schweden-Krimi. Doch es geht um weit mehr als ein Verbrechen. Stellenweise erinnert die Serie, die in Schweden mit 1,5 Millionen Zuschauern (etwa 15 Prozent aller Schweden) ein echter Hit war, an “Twin Peaks” (das Ortsschild) oder “True Detective”. 

Im Zentrum der Handlung steht die Polizistin Eva Thörnblad (fabelhaft: Moa Gammel), die nach Jahren in ihre Heimatstadt zurückkehrt, um den Nachlass ihres Vaters zu regeln. Vor Jahren wurde ihre Tochter im Wald entführt. Jetzt ist ein kleiner Junge verschwunden und Eva vermutet einen Zusammenhang. Hat Evas verstorbener Vater etwas damit zu tun? Immerhin war er Papierfabrikant – an wem würde sich der Wald wohl lieber rächen? 

Schon gegen Ende der Pilotfolge bricht der Mythos dann mit voller Wucht in den Krimi hinein: Waldgeister bevölkern bei Nacht die Straßen und Kinder stecken ihre Finger wie Wurzeln in Blumenerde. Das ist stellenweise ziemlich unheimlich, gibt aber insgesamt eine unglaublich fesselnde Mischung aus Familiendrama, Ermittlergeschichte und Mysterythriller ab, die einiges anders macht als der herkömmliche Nordic-Noir-Krimi. 

Die Fortsetzung (2017) bringt den Mythos dann in die große Stadt. Wer noch nicht in Stockholm war, wird nach Staffel 2 vermutlich keine Lust mehr haben, hinzufahren. Die acht Folgen zeigen nur die hässlichen Seiten der wunderschönen schwedischen Hauptstadt, und nur die: Industriegebiete, triste Wohnviertel, Stadtautobahnen bei Nacht und jede Menge sterbende Bäume. Zu Beginn setzt Regisseur und Autor Björn diesmal vielleicht ein wenig zu stark auf horrorlastige Schockeffekte: Etwa wenn eines Nachts ein halbversteinerter Mann vor Evas Wohnungstür steht. 

Es sei ihm verziehen. Denn wenn man sich auf das mythische und teils sehr sonderbare Geschehen einlässt, kann man sich der faszinierenden Geschichte von der Rache der Natur am Menschen auch in der zweiten Staffel nur sehr schwer entziehen. Alles in allem ist “Jordskott” einer der besten Mystery-Krimis der letzten Jahre – nicht nur aus Skandinavien, sondern überhaupt. (Björn Sommersacher)

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The Rain (2018)

"The Rain" - Szenenfoto
©Netflix

Auch die erste dänische Netflix-Eigenproduktion ist, wie zu erwarten, alles andere als eine Feelgood-Serie. “The Rain” ist vielmehr eine dystopische Mischung aus “The Walking Dead” (ohne Zombies!), “The Hunger Games” und “Herr der Fliegen”. 

Ein von einem tödlichen Virus (nein, nicht Corona!) verseuchter Regen rafft die skandinavische Bevölkerung dahin. Die 16-jährige Simone und ihr jüngerer Bruder Rasmus werden von ihrem Vater gerade noch rechtzeitig in einem Bunker in Sicherheit gebracht. Bevor der Wissenschaftler seine Kinder zurücklässt, beschwört er Simone, Rasmus um jeden Preis zu beschützen, denn er sei der Schlüssel zur Abwehr der Katastrophe. Die Geschwister verbringen mehrere Jahre unter der Erde, ehe sie sich wieder ans Tageslicht wagen. Dort schließen sie sich einer Gruppe Jugendlicher an, die wie sie ums Überleben kämpfen. Simone kann sie überzeugen, sich mit ihr und Rasmus auf die Suche nach ihrem Vater zu machen, der, wie sie glaubt, mit seiner Firma Apollon an einem Gegenmittel für das tödliche Virus forscht. Wenn sie sich da mal nicht täuscht … 

Der Kampf ums Überleben, das Erwachsenwerden und das Bewahren (und Verlieren) von Menschlichkeit in der größten Krise sind die großen Themen von “The Rain”. Toll geschrieben und großartig gespielt, besonders Alba August (“Astrid”), Tochter von Regisseur Bille August, beweist echtes Starpotential. Im August startet die dritte und letzte Staffel. (Susanne Bald)

Alle Folgen abrufbar bei Netflix.

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| rtv Redaktion | 22. Juli 2020