Father Brown

G.K. Chestertons Romanheld „Father Brown“ ermittelt sich in der gleichnamigen Krimiserie entschleunigt durchs beschauliche England der 50er-Jahre. Very british!

Mit Schirm, Charme und Galero


Father Brown (Mark Williams) ist in den frühen 50er-Jahren Hirte einer kleinen römisch-katholischen Herde im englischen Örtchen Kembleford. Ein entspannter Job, denn in den idyllischen Cotswolds sollte es keine schwarzen Schafe geben. Mitnichten! Woche für Woche muss Father Brown ein Verbrechen aufklären. Dass seine Aufklärungsrate bei 100 Prozent liegt, gefällt dem örtlichen Polizei-Inspektor Valentine (Hugo Speer) gar nicht. Obendrein sähe der Geistliche die Bestrafung der Sünder lieber bei seinem Schöpfer als bei einem weltlichen Gericht.

Minimal modernisiert

Gilbert Keith Chestertons „Father Brown“-Geschichten erschienen zwischen 1910 und 1936. Die Kriminalfälle nutze der englische Schriftsteller vor allem als Vehikel für religiöse Botschaften. Chesterton war erst mit Ende 40 zum Katholizismus übergetreten, erwies sich aber als derart eifriger Apologet, dass er posthum von Papst Pius XI. mit dem Titel „Fidei defensor“ (Verteidiger des Glaubens) geehrt wurde.
Die Interpretation seiner Romanfigur in der BBC-Adaption hätte ihm wohl Magenschmerzen bereitet: Der Father Brown der Serie ist ein Freidenker, Misstrauen anderen Religionen gegenüber ist ihm fremd. Als weitere Modernisierungs-Maßnahme verlagerten die Produzenten die Geschichten in die 50er-Jahre. Auf diese Weise ließen sie zwei Weltkriege hinter sich, ohne ihren Helden gleich mit Smartphone, Elektro-Auto und einem Abschluss in Forensik ausstatten zu müssen. Und so radelt Brown durch die nostalgische Kulisse, richtet seinen Tagesrhythmus nach der Kirchturmuhr aus und löst seine Fälle mit Empathie und gesundem Menschenverstand. In Gestalt seines polnischen Hausmädchens Susie (Kasia Koleczek) weht ein Hauch von Emanzipation, aber auch Zuwanderungs-Thematik durch Kembleford.

Er kann's nicht lassen

Gemächliches Erzähltempo, biedere Kriminalfälle und der Verzicht auf coole Technik-Gadgets – „Father Brown“ überzeugt weniger durch die Machart als die Besetzung: Mark Williams, bekannt als Papa Weasley aus den „Harry Potter“-Filmen, spielt den Geistlichen mit der zuverlässigen Spürnase als glaubensfesten, lebensklugen Menschenfreund. Dafür lieben ihn die Zuschauer seit 55 Folgen (in 4 Staffeln). Staffel 5 wurde bereits in Auftrag gegeben und soll 2017 ausgestrahlt werden. Die britische Serie ist bei BBC One sowie hierzulande bei ZDF Neo zu sehen.

Optisch ein Oldtimer, inhaltlich eine Wohltat für alle, die zynischer Ermittler-Genies überdrüssig sind

 

Information

  • Altersempfehlung:
    ab FSK 12 Jahren
  • Produktionsjahr:
    seit 2013
  • Produktionsland:
    GB

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