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Audrey Tautou

Audrey Tautou

“Audrey Tautous Schicksal ist, dass sie immer nur mit Amélie identifiziert wird. Mit ihren tintendunklen runden Augen und ihrer feenhaften Erscheinung ist sie das ewige niedliche Mädchen.”

Das schrieb der “New Yorker” über den französischen Star – und hatte sicherlich recht damit. Denn zumindest international wird Audrey Tautou wohl auf ewig mit dem Kinohit “Die fabelhafte Welt der Amelie” (2001) in Verbindung gebracht werden. Der Part der rehäugigen Träumerin mit dem eisernen Willen machte die damals 22-Jährige zur Leinwandikone. 

Dabei kam Audrey Tautou, die 1976 in Beaumont geboren wurde, fast zufällig zum Film. Eigentlich studierte sie Literatur in Paris und belegte nur nebenbei einen Schauspielkurs. Dann lief alles wie von selbst: kleine Bühnenerfolge, kleine Filmrollen, dann der Part in “Schöne Venus” (1999), für den sie mit einem César als Beste Nachwuchsschauspielerin ausgezeichnet wurde. 

Durch das Filmplakat wurde Regisseur Jean-Pierre Jeunet auf die junge Französin aufmerksam. Er ließ sie als “Amélie” vorsprechen und war sofort hingerissen: “Sie kam, sie verhaspelte sich, sie errötete, ihre Ohren standen ab und ihr Haar hing runter. Binnen fünf Minuten offenbarte sie mir das Herzstück der Rolle, ein hübsches junges Mädchen, das gerne eine Lady wäre und zur Frau wird.”

Große Bandbreite

Dem Hype um “Amélie” entkam die Schauspielerin, indem sie mit ihrer Schwester erst einmal eine Reise nach Indonesien unternahm. Ihrer Karriere tat das keinen Abbruch. So spielte sie 2002 in “Wahnsinnig verliebt” eine Stalkerin und 2004 die Titelrolle in der Romanverfilmung “Mathilde – Eine große Liebe”. Auch Hollywood rief: An der Seite von Tom Hanks spielte sie in der Dan-Brown-Verfilmung “The Da Vinci Code – Sakrileg”. 

2009 wurde sie das neue Gesicht von “Chanel No. 5” – und spielte passend dazu im gleichen Jahr die legendäre Erfinderin des Dufts in der Biografie “Coco Chanel”. Zwar sind romantische Rollen nach wie vor ihre Spezialität, etwa in “Nathalie küsst”, aber sie variiert die Figur der äußerlich zerbrechlichen, aber innerlich starken Frau immer wieder auf überraschende Weise. So auch im Drama “Thérèse”, in dem ihre unterdrückten Gefühle die Titelheldin in die Katastrophe führen. Oder als abenteuerlustige Simone Cousteau, Frau des Meeresforschers Jacques Cousteau, in der Biografie “Jacques – Entdecker der Ozeane”. 

Über ihr Privatleben lässt die zierliche Brünette kaum etwas an die Öffentlichkeit dringen. Bekannt ist immerhin geworden, dass sie 2019 ein Mädchen aus Vietnam adoptiert hat. Auch eine längere Auszeit vom Kino zu nehmen, kann sich Audrey Tautou vorstellen. Angst, vergessen zu werden, habe sie nicht, meinte sie in einem Interview: “Ich will kein Sklave solcher Überlegungen sein. Freiheit ist mir wichtiger als Furcht.”

| Martina Borgschulze | 16. Oktober 2020