Starporträts » Birgit Minichmayr
Starporträts » Birgit Minichmayr

Birgit Minichmayr

Birgit Minichmayr

„Verausgabungswunder“ mit rauchiger Stimme: Birgit Minichmayr ist nicht nur in der ZDF-Krimireihe „Dengler“ grandios

Die Verlockungen des Nachtlebens und die vielen Zigaretten waren schuld: Selbige setzten Birgit Minichmayrs Stimme derart zu, dass sie ihren Traum von einer Karriere als Opernsängerin begraben musste. Zum Glück. Sonst hätte die inzwischen 44-Jährige wohl nie ihr Schauspieltalent entdeckt, das von Größen wie Klaus Maria Brandauer als „das größte ihrer Generation“ bezeichnet wird.

Minichmayrs Stimme, im Laufe der Jahre vom Schreien und Spielen auf der Bühne noch rauer geworden, ist längst ihr Markenzeichen. Und sie passt perfekt zu ihrer bekanntesten TV-Rolle: Seit 2015 verkörpert sie in der ZDF-Krimireihe „Dengler“ – nach den Bestsellern von Wolfgang Schorlau – die Hackerin Olga.

Grandios: der rotzige Tonfall, die katzenhaft träge Haltung. Olgas vollkommene Verachtung für „das System“ ist selbst dann spürbar, wenn sie ein paar nichtssagende Zahlen vom Computer-Bildschirm abliest. Es ist stets ein Kampf von David-gegen-Goliath, wenn sie mit ihrem Freund, Privatermittler Georg Dengler (gespielt von Ronald Zehrfeld) unsaubere Machenschaften aufdeckt. Seien es schmutzige Deals der Pharma-Lobby („Die letzte Flucht“), Ungereimtheiten bei den NSU-Fällen („Die schützende Hand“) oder kriminelle Machenschaften in der Immobilienbranche wie im neuesten Fall „Dengler – Kreuzberg Blues“.

Temperamentbündel auf der Bühne

Die Rolle der chronisch gelangweilten Olga steht im Gegensatz zu dem, was Birgit Minichmayr oft auf der Theaterbühne verkörpert. Als „Temperamentbündel“ und „Verausgabungswunder“ wird sie da gefeiert. 

Gelernt hat die in der Nähe von Linz auf einem Bauernhof aufgewachsene Schauspielerin ihr Handwerk am Max-Reinhardt-Seminar in Wien. Noch während der Ausbildung erhielt Minichmayr 1999 ein Engagement am Wiener Burgtheater. 2004 wurde sie von Frank Castorf an die Volksbühne nach Berlin geholt. Seit 2019 ist sie wieder festes Mitglied im „Burg“-Ensemble. 

Neben ihrem großen Faible fürs Theater zog es die Schauspielerin auch vor die Kamera. Bei der Berlinale 2001 war Minichmayr einer der „Shooting-Stars“ des europäischen Films. 2009 strich sie dann bei den Filmfestspielen Berlin einen Silbernen Bären als Beste Darstellerin im Beziehungsdrama „Alle Anderen“ ein. Ihr wurden inzwischen viele Ehrungen zuteil: Unter anderem war sie 2015 Österreicherin des Jahres in der Kategorie „Erfolg international“. 

Birgit Minichmayr lebt mit ihrem Mann in Wien, das Paar wurde 2018 Eltern von Zwillingen. Die Rückkehr ans Set nur wenige Monate später war für die Schauspielerin kein Problem. „Ich empfand das nie als Belastung oder Anstrengung“, so Birgit Minichmayr im Bayern-2-Podcast „Die blaue Couch“. „Vielleicht auch, weil ich so spät Mama geworden bin und so glücklich bin, dass ich das noch geschafft habe. Und ich empfinde das als das Beste, das ich jemals zustande gebracht habe.“ 

| Stefanie Moissl | 12. November 2021