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Bjarne Mädel

Bjarne Mädel

Kultfiguren pflastern seinen Karriereweg: Bjarne Mädel gibt unauffälligen Typen etwas Unverwechselbares.

Mit dem ständig Schweiß-gebadeten Bürohengst Ernie aus “Stromberg” fing alles an. Dann kam der treudoofe Dorfpolizist Scheffer in “Mord mit Aussicht”. Sein gestresstes “Mann, Mann, Mann, hier ist aber wieder was los!” wurde zum geflügelten Wort bei den Serienfans. Danach philosophierte Bjarne Mädel als “Tatortreiniger” Schotty über Leben und Tod. Und das so herrlich skurril, dass die Fans nach dem Aus der Serie Sturm liefen.

Ein verkappter Fußballprofi

Dabei träumte der 52-jährige Schauspieler in seiner Jugend von einer ganz anderen Karriere: Fußballprofi wollte er werden, als gebürtiger Hamburger natürlich bei seinem Heimatverein, dem HSV. Traum Nummer zwei: ein paar Abenteuer erleben, in der Welt herumkommen. Mit 14 zog es ihn nach Afrika, wo er eineinhalb Jahre bei seinem Vater, einem Ingenieur, lebte. Danach schlug er sich in den USA unter anderem als Bauarbeiter durch und studierte Kreatives Schreiben. Mit 17 Jahren schuftete er im Hamburger Hafen. Das Abitur machte Mädel in der Nähe von Frankfurt. Danach studierte er drei Jahre in Erlangen. Dort entdeckte er auch die Lust an der Schauspielerei: erst Studententheater, dann freies Theater. Schließlich folgte die Bewerbung an einer Schauspielschule. Mädel war fünf Jahre lang Ensemblemitglied am Deutschen Schauspielhaus Hamburg.

2004 Jahre entdeckte man ihn schließlich für die Kultserie “Stromberg”. Seitdem kann sich der Schauspieler vor Rollenangeboten kaum retten. Unter anderem glänzte er als überforderter Familienvater in “1000 Arten Regen zu beschreiben”. Die Fans aber lieben Bjarne Mädel bislang vor allem in komischen Rollen, wie in “25 km/h”: Als schüchterner Schreiner aus dem tiefsten Schwarzwald wagt er sich auf einem Zündapp-Mofa auf einen aberwitzigen Roadtrip. Das passt zu Mädels eigener Lieblingsgeschwindigkeit: “Details siehst du nur, wenn du langsam durchs Leben gehst”.

Auf der Überholspur ist Bjarne Mädel gerade trotzdem: Sein bitteres Krimi-Meisterstück “Sörensen hat Angst”, bei dem er nicht nur die Hauptrolle übernahm, sondern auch sein Regiedebüt gab, räumt gerade einen Preis nach dem anderen ab. Mädel verkörpert einen Kommissar mit Angststörung im Gepäck – die jüngste Kultfigur in Mädels-Rollenkosmos. “Ich wusste, dass ich ernst sein kann”, verriet der Wahlberliner im WDR5-Tischgespräch. “Aber die anderen sollten es auch noch erfahren”.

| Stefanie Moissl | 17. Juni 2021