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Jürgen Vogel

Jürgen Vogel

“Deutschlands bekannteste Zahnlücke” hat es auch ohne Schauspielstudium bis nach oben geschafft. Nun bekommt Jürgen Vogel seinen eigenen ZDF-Freitagskrimi.

Ein wenig Stolz schwingt mit, wenn Jürgen Vogel erklärt, der ZDF-Freitagskrimi sei für ihn “ein Stück Fernsehgeschichte”. Er selbst ist mit “Derrick” aufgewachsen, nun ermittelt er in seiner eigenen Krimireihe: “Jenseits der Spree”. Und seine Figur Kommissar Robert Heffler ragt heraus. “Als alleinerziehender Vater von drei Töchtern befindet er sich permanent in diesem Spagat zwischen Kindergroßziehen, immer zu wenig Zeit haben, immer ein schlechtes Gewissen haben – und trotzdem versuchen, seinen Job gut zu machen”, so der Schauspieler im ZDF-Interview. “Dieser Spagat wird jetzt mal aus der männlichen Perspektive erzählt!”

Autodidakt mit Autoritätsproblem

Vor die Kameras zog es den heute 53-Jährigen schon als kleinen Jungen. Damals jobbte der Sohn eines Kellners und einer Hausfrau als Kindermodel für ein Versandhaus. Mit 15 zog er aus seinem Hamburger Elternhaus aus, wohnte zwei Jahre mit seinem späteren Schauspielkollegen Richy Müller in einer WG zusammen und schlug sich mit Gelegenheitsjobs durch. Schauspielschule? “Ich wusste einfach, dass ich das niemals drei Jahre aushalte”, so Jürgen Vogel, der nach eigenen Angaben “ein Autoritätsproblem” hat. Und so war nach Tag 1 bereits wieder Schluss. Seiner Karriere hat es bekanntlich nicht geschadet.

1992 hatte Jürgen Vogel mit Sönke Wortmanns Komödie “Kleine Haie” den beruflichen Durchbruch. Mehr als 100 Filme hat er inzwischen abgedreht und viele Preise eingeheimst. Darunter einen Deutschen Filmpreis (“Das Leben ist eine Baustelle”, 1997) sowie einen Grimme-Preis (“Das Phantom”, 2001). 2006 gab es einen Silbernen Bären in der Kategorie Besondere künstlerische Leistung in “Der freie Wille”. In dem Aufsehen erregenden Drama verkörpert Vogel verstörend glaubhaft einen Vergewaltiger. “Ich spiele am liebsten gebrochene Typen und Arschlöcher”, so der Schauspieler.

Am Anfang durfte er nicht lachen

Auch nach Jahrzehnten im Geschäft wird Jürgen Vogel in Interviews auf seine Zähne angesprochen. Als Gast in der Satire-Sendung “Willkommen Österreich” fragte man ihn einmal frech: “Hätte Scarlett Johansson mit solchen Zähnen auch so eine Karriere hingelegt?” Vogel nimmt es mit Humor. Er habe das Glück gehabt, am Anfang viele kriminelle Rollen zu spielen. Da habe es eben super gepasst. “Außerdem durfte ich nicht lachen, sondern nur Leute erschießen oder mit dem Messer rumfuchteln. Da hat man die Zähne eh nicht gesehen”.

Jürgen Vogel hat sechs Kinder von vier Frauen. Seine jüngste Tochter, aus der Beziehung mit Schauspielerin Natalia Belitski, kam 2019 auf die Welt. Und ist zwei Jahre jünger als sein Enkelkind.

| Stefanie Moissl | 10. September 2021