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Karl Markovics

Karl Markovics

Er sei eben kein “Sonnyboy” erklärt Karl Markovics seine Vorliebe für düstere Rollen. Dafür sieht sich der markante Wiener gerne als “Weltenerfinder”.

In seiner Heimat gilt Karl Markovics als Gipfelstürmer – und das nicht nur, weil er in Joseph Vilsmeiers Drama “Nanga Parbat” den legendären Berg besteigen will. Spätestens seit der gebürtige Wiener 2007 die Hauptrolle im ersten österreichischen Oscar-Gewinner “Die Fälscher” spielte, ist er zu einem der wohl bekanntesten Vertreter der alpenländischen Filmindustrie avanciert.

Das breite Fernsehpublikum hatte ihn da freilich schon lange als skurrilen Bezirksinspektor Stockinger ins Herz geschlossen. 1994 gab Karl Markovics erstmals den Assistenten des “Kommissar Rex”-Herrchens Tobias Moretti. 1996 bekam “Stockinger” sogar eine eigene Serie. Allerdings war nach einer Staffel Schluss, auch, weil Markovics nicht mehr wollte. Er sei, so sagt er von sich selbst, bestrebt, “immer weiterzugehen, woanders hinzukommen als beim vorigen Mal”.

Trotzdem gleichen sich die Rollen des Nestroy-Ring-Trägers mit den markanten Gesichtszügen: Der fanatische Expeditionsleiter in “Nanga Parbat”, der Fälscher “Sally” Sorowitsch, Sigmund Freud, Joseph Goebbels, oder der zynische Patriarch, der seinen fantasiebegabten Sohn ins Internat verbannt, in “Wie ich lernte, bei mir selbst Kind zu sein”. Oft verkörpert Markovics Persönlichkeiten mit schwierigen Charakterzügen: “Der Sonnyboy bin ich halt nicht.”

Charismatisches Multitalent

Markovics selbst hatte mehr Glück: Seine Eltern, eine Verkäuferin und ein Busfahrer, zeigten Verständnis für den Traum ihres Buben, Schauspieler zu werden. Zwar rasselte er durch die Aufnahmeprüfung für das Max-Reinhardt-Seminar. Dennoch ergatterte er 1982 ein Engagement am Serapionstheater Wien.

1991 startete er dann seine erfolgreiche Leinwandkarriere mit “Hund und Katz”. Zuletzt stand er für die Tragikomödie “Resistance – Widerstand” vor der Kamera. Der Kinostart der internationalen Produktion ist für Ende Februar 2021 geplant – wenn die Umstände es zulassen.

Inzwischen führt der heute 57-Jährige auch Regie und schreibt Drehbücher. Sein Debüt “Atmen” um einen straffälligen Jungen, der mit der Arbeit in einem Bestattungsinstitut resozialisiert werden soll, wurde u. a. in Cannes preisgekrönt.

2018 inszenierte er mit “Das Jagdgewehr” bei den Bregenzer Festspielen seine erste Oper. Mit dem Wechsel auf den Regiestuhl ging für den Österreicher ein Traum in Erfüllung: “Im Grunde genommen ist es das, was ich schon als Kind immer werden wollte, ein Weltenerfinder.”

| Martina Borgschulze | 21. Januar 2021