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Lars Eidinger

Lars Eidinger

“Ich bin der beste Schauspieler der Welt!” Lars Eidinger ist äußerst selbstbewusst – und immer für einen überraschenden Auftritt gut

Wer eine der Theatervorstellungen mit Lars Eidinger besucht, der sollte das tunlichst ausgeschlafen tun. Denn sonst kann es passieren, dass er von dem Schauspieler vor versammeltem Publikum zur Rede gestellt wird. “Ich kann mich nicht konzentrieren! Dieser Zuschauer schläft die ganze Zeit!” Eidinger sagt nun einmal, was denkt. Punkt. Lügen ist für ihn Zeitverschwendung. Spielen ein Rausch. Seine Ausbildung absolvierte der gebürtige Berliner an der Ernst-Busch-Schule. Später kam er an die Berliner Schaubühne, wo er in Inszenierungen von Thomas Ostermeier zum gefeierten Theaterstar wurde. Für Furore sorgten unter anderem seine Auftritte als “Hamlet”, bei denen er schon mal nackt durchs Publikum turnte.

Vorliebe für extreme Rollen

Auf dem Bildschirm war der heute 45-Jährige erstmals 2002 in “Schloss Einstein” zu sehen. Es folgten kleinere Auftritte in Serien, bevor ihm 2009 mit dem preisgekrönten Drama “Alle anderen” der Durchbruch im Filmgeschäft gelang. Eidingers Auftritte sind immer herausragend – sowohl auf dem Bildschirm, als auch auf der Bühne. So überzeugte er als undurchsichtige Persönlichkeit in “Babylon Berlin” und als “Jedermann” bei den Salzburger Festspielen. Er gäbe der ausgeweideten Paraderolle eine neue Wendung, jubelte die Presse. “Ich wollte, dass jeder die Möglichkeit hat, sich in der Figur wiederzuerkennen”, sagt Eidinger selbst über seine Interpretation. “Ich glaube, es geht darum, die Werte zu hinterfragen, nach denen wir leben, und zu überprüfen, was bleibt, wenn man unmittelbar mit dem Tod konfrontiert ist.”

Seine Vorliebe für extreme Rollen durfte er als psychopathischer Killer Kai Korthals alias “Der stille Gast” im Borowski-“Tatort” ausleben: Verstörend glaubwürdig gab Eidinger schon 2012 und 2015 den Frauenmörder, der in die Wohnungen seiner Opfer eindringt und sogar ihre Zahnbürste benutzt. Die Kritiker feierten die “Unvergesslichkeit” und “eindringliche Wucht” beider Krimis. Im “Tatort: Borowski und der gute Mensch” hat Eidinger als “Borowskis unheimlichster Gegenspieler” nun seinen dritten Auftritt. So viel steht fest: Es wird wieder ein Auftritt, der den Zuschauern garantiert noch lange im Gedächtnis bleiben wird.

Aber nicht nur in seinen Rollen trifft Eidinger den richtigen Ton, sondern auch als Musiker, Komponist und DJ. Privat ist der Mime glücklich mit Opernsängerin Ulrike Eidinger. Die beiden haben eine Tochter. Weihnachten mit seiner aufgesetzten Harmonie mag der Familienvater nicht. Der Grund ist für einen Schauspieler allerdings ungewöhnlich: “Man muss den anderen etwas vorspielen.”

| Stefanie Moissl | 27. September 2021