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Til Schweiger

Til Schweiger

Til Schweiger polarisiert, seine Werke mag man, oder mag sie nicht. Dennoch – oder gerade deshalb – ist das Multitalent aus der deutschen Filmlandschaft nicht wegzudenken.

Von einem perfekten Kinoerlebnis hat Til Schweiger genaue Vorstellungen. Jeder, der mit Popcorn oder Nachos herumlärmen würde, solle per Schleudersitz aus dem Saal befördert werden, findet er. Und: Es sollten nur Filme gezeigt werden, die emotional berühren. 

Für letzteres sorgt er als Regisseur, Produzent und Drehbuchautor seit Jahren selbst – seit ihm der Taxifahrer Thomas Jahn ein Drehbuch in die Hand drückte: Die Geschichte um zwei Todkranke, die auf einer Reise ans Meer allerlei Abenteuer erlebten, begeisterte den damaligen Schauspieler derart, dass er den Film gleich selbst produzierte, am Skript mitarbeitete und die Hauptrolle übernahm. Das Ergebnis hieß “Knocking on Heaven’s Door” und wurde 1997 ein riesiger Erfolg.

International unterwegs

Vor der Kamera hatte Schweiger da schon ausgiebig gearbeitet: Seine erste große Rolle spielte der 1963 in Freiburg geborene Lehrersohn von 1990 bis 1992 als Jo Zenker im ARD-Dauerbrenner “Lindenstraße“, im Kino kam sein Durchbruch 1994, als er in “Der bewegten Mann” nackt auf einem Couchtisch hockte. 

Bald rief Hollywood. Doch das Angebot, einen Wehrmachtssoldaten in Steven Spielbergs Kriegsdrama “Der Soldat James Ryan” zu spielen, lehnte er dankend ab. Auf die Rolle des deutschen Schurken wollte er nicht festgelegt werden. Geschadet hat ihm die Absage nicht, seit Jahren spielt er regelmäßig in internationalen Produktionen, unter anderem in der Boliden-Action “Driven”, in der Romantikkomödie “Happy New Year” und in Tarantinos Meisterwerk “Inglourious Basterds”.

Familienangelegenheit

Und auch, wenn er seit 2013 sogar “Tatort”-Kommissar ist: Schweigers wichtigste Rolle ist die des Regisseurs und Produzenten. “Keinohrhasen”, “Zweiohrküken”, “Kokowääh” – seine Filme sind Publikumsmagneten. Die Alzheimer-Dramödie “Honig im Kopf” war so erfolgreich, dass Schweiger selbst das US-Remake drehen durfte. Das allerdings floppte. 

Oft und gerne verpflichtet der vierfache, geschiedene Vater seine Töchter Luna, Lilli und Emma für seine Filme. Sohn Valentin ist Kameramann. Die Vaterrolle spielt der Star, der sich vielfach engagiert und mit seiner Meinung selten hinterm Berg hält, gerne. Auch in “Gott, du kannst ein Arsch sein”: In der Tragikomödie reist er als Seelsorger Frank seiner krebskranken Tochter nach – ein “Knocking on Heaven’s Door” aus Teenie-Sicht, sozusagen.

| Martina Borgschulze | 7. Januar 2022