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Valery Tscheplanowa

Valery Tscheplanowa

Unangepasst, unbeugsam, umwerfend: Bühnendarstellerin Valery Tscheplanowa zeigt in “Das Haus”, dass sie auch ein Gewinn für das Fernsehpublikum ist.

Ihr Name dürfte dem breiten Fernsehpublikum eher unbekannt sein. Dabei gehört Valery Tscheplanowa zu den eindrucksvollsten Schauspielerinnen ihrer Generation, davon zeugen zahlreiche Auszeichnungen. Nur war sie eben bislang auf der Bühne sehr viel präsenter als auf den Bildschirmen. Sie spielte die Ophelia in Heiner Müllers „Hamletmaschine“, das Gretchen in Frank Castorfs legendärer Faust-Inszenierung an der Volksbühne Berlin und – klar! – auch die Buhlschaft im Salzburger „Jedermann“. Übrigens an der Seite von Tobias Moretti, mit dem sie auch in dem Near-Future-Drama „Das Haus“ zu sehen ist. 

Auch legendäre Männerrollen gehören zu ihrem Repertoire, etwa der Franz Moor in Schillers „Die Räuber“. „Wer sie gesehen und auf der Bühne gehört hat, wird sie nicht vergessen“, jubeln Theater-Kritiker regelmäßig. Was Valery Tscheplanowas Spiel vor allem auszeichnet, ist ihre Unerschrockenheit. Und ihre Liebe zur Sprache. Die Süddeutsche Zeitung bezeichnete sie treffend als „Sprechgranate“ und „Literaturversteherin“.

Unverbiegbar

Deutsch lernte sie erst als Schulkind. Geboren wurde Valery Tscheplanowa 1980 in Kasan. Als sie 8 Jahre alt war, folgte ihre Mutter, eine Dolmetscherin, ihrem neuen Lebensgefährten nach Deutschland – fortan wurde nur noch Deutsch gesprochen. Ihre Muttersprache fand Valery erst wieder, als sie kurz vor dem Abitur die Schule schmiss und nach Russland ging, um ihren Vater kennenzulernen. 

Zum Schauspiel kam sie über Umwege: Erst studierte sie Tanz in Dresden, dann Puppenspiel in Berlin an der Ernst-Busch-Hochschule. Als sie dort ins Schauspielfach wechselte, galt sie als „schwierig“. Fakt ist: Valery Tscheplanowa lässt sich nicht verbiegen: „Ich habe recht früh gesagt: Ich setze dem Grenzen. Wenn ich wirklich spüre, etwas interessiert mich nicht, dann zeige ich das auch. Ich habe aber trotzdem gearbeitet.“  

Interessanterweise ist es gerade diese Kompromisslosigkeit, die sie 2020 bewegte, der Bühne den Rücken zu kehren: Da auch Theaterregisseure zunehmend mit Videoinstallationen arbeiten, sei es für sie „organischer, zum Film zu gehen“. In 4 Kino- und TV-Produktionen war sie allein in diesem Jahr zu sehen, neben „Das Haus“ noch im Thriller „Je suis Karl“, einer Episode der ARD-Reihe „Die Diplomatin“ und dem Nachkriegsdrama „Trümmermädchen“. Für ihren Wechsel vor die Kamera erhielt sie übrigens Zuspruch von einem russischen Schamanen: „Er sagte, Dort, wo du lebst, wird funktionieren, was du vorhast‘.“

| Martina Borgschulze | 3. Dezember 2021