Stars & Fernsehen » “Tatort: Nemesis”: Start der neuen Saison mit Team Dresden
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“Tatort: Nemesis”: Start der neuen Saison mit Team Dresden

“Tatort: Nemesis”: Start der neuen Saison mit Team Dresden

Zwei Abgründe sind denkbar

Im April machte die Dresdner “Tatort”-Schmiede mit einem außergewöhnlichen Fall Schlagzeilen: “Das Nest” erzählte von einem irren Serienmörder im Arztkittel, der Kommissarin Karin Gorniak (Karin Hanczewski) lebensgefährlich verletzte. Der spektakuläre Thriller war zugleich der Einstand für die neue Frau an Gorniaks Seite: Die Polizistentochter Leonie Winkler (Cornelia Gröschel), die sich nach verpatzter Feuertaufe doch noch als patente Kollegin erwiesen hat.

Im zweiten gemeinsamen Werk erleben wir die beiden bereits als eingespieltes Duo, das sich auch gegen den schnoddrig-dominanten Chef Peter Michael Schnabel (Martin Brambach) zu behaupten weiß. “Obwohl alle drei sehr unterschiedlich sind, läuft es gut, und es lassen sich daraus gute Geschichten erzählen”, freut sich Karin Hanczewski.

Gangster in Nadelstreifen

Die Geschichte zu “Nemesis” sollte man vorab nicht zu ausführlich erzählen, ihre Stärke ist das Uneindeutige. Die Ausgangslage ist folgende: Der renommierte Szenegastronom Joachim Benda wurde erschossen. Führt die Spur zu einem Abgrund aus Organisierter Kriminalität, an dem auch Schnabel und Winklers Vater stehen? Immerhin wird bald klar, dass die beiden Benda kannten und von seinen halbseidenen Geschäften wussten.

Im Zuge der Ermittlungen erhalten wir ganz nebenbei aufschlussreiche Einblicke in die Organisierte Kriminalität. Drehbuchautor Mark Monheim erklärt: “Interessant war für uns vor allem, wie unauffällig und professionell die Geldwäsche heutzutage betrieben wird. Kriminelle Organisationen vermeiden Gewaltkriminalität und treten fast schon seriös auf, als Geschäftsleute und Investoren.” Eine Kriminalität, die auch lokale Besonderheiten aufweist, wie Regisseur Stephan Wagner ergänzt: “Auch die blühenden Landschaften der neuen Bundesländer wären ohne das Investment aus der Schattenseite der Wirtschaft weniger ertragreich. Wir wollten die Geschichte auf sämtlichen Ebenen des Dresdner Lebens authentisch verankern.”

Die merkwürdige Mutter

Oder lauert der motivgebende Abgrund im familiären Umfeld des Opfers? Denn die Witwe kommt den Polizistinnen nicht ganz koscher vor. So nachvollziehbar es ist, dass sie nach dem Tod ihres Mannes in ein Loch fällt und ihre beiden Söhne beschützen will, so merkwürdig ist gerade ihr Umgang mit den beiden Jungs. Zudem mehren sich Hinweise, dass die Frau schon seit Längerem unter einer labilen Psyche leiden könnte.

Die beiden Varianten lässt das Skript gekonnt im Gleichgewicht. Der Grundton ist düster, das Ende dramatisch. Und Dresden entwickelt sich immer mehr zu einer “Tatort”-Hochburg.

| Oliver Kinser | 14. August 2019