Doppelinterview mit Anja Kling und Britta Hammelstein

Mit "Hannah Mangold & Lucy Palm" versucht sich Sat.1 an einer neuen Krimiserie. Zunächst gibts den Pilotfilm. Sollte der beim Publikum ankommen, geht die Produktion mit Britta Hammelstein und Anja Kling vielleicht in Serie.

Was ist für Sie das Besondere und Reizvolle an der Figur Hannah Mangold?
Anja Kling:
Der Figur Hannah Mangold passiert etwas Schreckliches. Wie sie sich mit der Schuld auseinandersetzt, wie sie mit ihren Dämonen kämpft, ist das, was mich an der Figur interessiert.
 
Lucy Palm ist anfangs wenig begeistert von der Vorstellung, mit ‚der Irren‘ Hannah Mangold zusammenarbeiten zu müssen und lässt sie diese Abneigung auch deutlich spüren. Wie würden Sie in so einem Fall reagieren?
Britta Hammelstein:
Hoffentlich viel offener und freundlicher!
 
Wie würden Sie reagieren, wenn Sie in einer Situation wie Hannah Mangold wären?
Anja Kling:
Ich weiß nicht, wie ich reagieren würde, wenn jemand durch mein Zutun ums Leben kommen würde. Vielleicht käme ich mit Hilfe meiner Familie und meiner Freunde aus dem Loch heraus, aber ich weiß nicht, ob ich mir jemals so etwas verzeihen könnte ...
 
Was ist für Sie das Spannende an Ihrer Rolle Lucy Palm?
Britta Hammelstein:
Ausschlaggebend war für mich anfangs sicherlich das tolle Drehbuch von Autor Michael Proehl und Co-Autor Matthias Tuchmann, weil darin viel Futter für tatsächliche Figuren lag. Lucy ist eine starke Person, eine, die sich ihren Kosmos geschaffen hat. Daran interessiert mich nicht nur die Härte, sondern auch eine Scheu, auch vor sich selbst! Sie überrascht sowohl andere mit ihrer Absolutheit, aber auch sich selbst manchmal. „Die coole Sau“ in Lucy macht mir sehr Spaß, vor allem, weil sie niemals, weder im Drehbuch noch in der gemeinsamen Arbeit mit Regisseur Florian Schwarz, nur Klischee ist.
 
Warum ist Lucy Palm – zumindest anfangs – so unnahbar? Ist die ruppige Art auch einer Ihrer Charakterzüge?
Britta Hammelstein:
Sie ist am Anfang so distanziert, weil sie überfordert ist mit der neuen Situation, aus Angst, dass ihr Kosmos angegriffen wird. Sie muss ihr Revier mit jemandem teilen. Dass das vielleicht manchmal in einer sehr ruppigen Weise ausfällt, ist mir leider sehr bekannt ...
 
Der gesuchte Vergewaltiger ist heimlich in Lucys Wohnung eingedrungen und sie bemerkt es. Wie emotional war diese Szene für Sie?
Britta Hammelstein:
Das war eine der Szenen, die mir sicherlich am meisten Spaß gemacht hat. Ich wollte schon immer mal in einem Psychothriller mitspielen und mag solche Filme. Allerdings ist die Vorstellung, dass ein fremder Mann in meine Wohnung eindringt und sich dann auch noch auf mein Bett legt, so ziemlich das Schrecklichste!
 
Hannah Mangold wächst über sich hinaus, als sie den Mörder ihrer Freundin überführen will. Wann müssen Menschen mutig sein?
Anja Kling:
Jeden Tag. Das Leben erfordert, dass wir mutig hindurch laufen. Was das Leben angeht, bin ich ein mutiger Mensch. Aber ich habe ganz profane Ängste. Beispielsweise habe ich Angst vor einer Fahrt in einem Riesenrad.
 
Gab es Situationen, in denen Sie später bereut haben, nicht mutiger gewesen zu sein?
Anja Kling:
Als ich mal mit meinen Kindern Riesenrad gefahren bin. Ich hockte auf dem Boden der Kabine. Während meine Kinder rausschauten, schrie ich: „Sind wir oben, oder sind wir unten?“ Mein Sohn antwortete: „Wir sind oben. Bleib lieber liegen!“
 
In welchen Bereichen und wann ist Ihr Bauchgefühl entscheidend und wann entscheiden Sie mit dem Kopf?
Anja Kling:
Mal so, mal so. Ganz oft folge ich meinem Bauchgefühl, aber manchmal entscheidet schließlich doch mein Kopf!
Britta Hammelstein: Letztendlich fälle ich Entscheidungen doch immer mit dem Bauch, glaube ich. Zum Glück! Aber bis dahin ist es oft ein weiter, ‚kopfiger‘ Weg ...

Waren Sie selbst einmal in einer Situation, in der Sie alles auf eine Karte gesetzt haben?
Anja Kling
: Als ich in den Westen floh. Die Flucht war nicht sehr durchdacht, eher spontan und dadurch mit vielen Schmerzen verbunden.

Wie war Ihre Zusammenarbeit in diesem SAT.1- Projekt?
Britta Hammelstein:
Anja ist eine von den Kolleginnen, die immer gut drauf sind, sobald sie zur Arbeit kommen. Das fand ich als Morgenmuffel wunderbar und sehr beneidenswert! Wir haben sehr gut zusammengearbeitet und oft die gleiche Vorstellung oder Fantasie zu diesem Film gehabt. Ich habe ihr sehr vertraut.
Anja Kling: Die Zusammenarbeit war toll. Britta ist eine großartige Kollegin. Eine natürliche und bescheidene Frau, mit der ich jederzeit wieder drehen würde.

19.1.2012, 0.00 Uhr

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