Richy Müller und Ann-Kathrin Kramer über den Film "Vermisst Alexandra Walch 17"

Ann-Kathrin Kramer und Richy Müller über die Dreharbeiten zum Film "Vermisst Alexandra Walch 17", und wann es als Schauspieler eine ergiebige Seelenhygiene benötigt.

Die Tochter Ihrer Filmfiguren Anna und Alfred Walch verschwindet spurlos – das wohl Schlimmste, was einer Familie passieren kann. War es schwer, sich in diese Situation hineinzuversetzen?

Richy Müller: Schon beim Lesen des Drehbuchs wurde ich in diese katastrophale Situation wie durch einen Sog hinein gezogen. Dies ermöglichte vor allem das von Andreas Prochaska gut geschriebene Buch. Sehr hilfreich war dabei auch, dass er auch die Regie führte. Meine Aufgabe es ist dann, diese schwierigen Momente für den Zuschauer sichtbar zu machen.

Ann-Kathrin Kramer: In so eine Situation will sich freiwillig sicher niemand hineinversetzen. Das gehört mit zum Schlimmsten, was man sich überhaupt vorstellen kann. Für mich als Mutter war das natürlich kontrovers, als Schauspielerin jedoch eine Riesen-Herausforderung.
 
Was war Ihre Motivation, diese Rolle zu spielen?

Richy Müller: Zum einen das schon erwähnte gute Buch, zum anderen die Herausforderung, die Figur des Vaters in all ihren Facetten zu begreifen und in eine glaubwürdige Figur zu verwandeln.

Ann-Kathrin Kramer: Ich war sehr glücklich, diese Rolle spielen zu können. Mit Andreas Prochaska zu arbeiten, dazu der tolle Cast, angeführt von Richy, und das Drehbuch, das alles war Motivation vom Feinsten.
 
Anna gibt zunächst unbewusst ihrem Sohn Daniel die Schuld für Alexandras Verschwinden. Können Sie als Ann-Kathrin Kramer diese Reaktion nachvollziehen?

Ann-Kathrin Kramer: Wenn man sich in jemanden hineinversetzt, dann kann man letztlich fast alles verstehen. Ich wollte Anna Walch in ihrem Schmerz, ihrer Angst und ihrer Form, damit umzugehen nicht bewerten. Sie macht etwas, was im ersten Schock wohl nicht unüblich ist: Sie versucht, einen Schuldigen auszumachen. Das ist natürlich nicht in Ordnung, aber durchaus nachvollziehbar.

Alfred kann bei der Suche nach Alexandra nicht tatenlos zuschauen und wird selbst aktiv. Würden Sie, Richy Müller, genauso handeln?

Richy Müller: Das ist schwer zu beantworten und ich bin froh, mir diese Frage nie wirklich stellen zu müssen.
 
Angst, Sorge, Trauer. Wie war es für Sie, das zu spielen? Und wie war die Stimmung am Set?

Richy Müller: Für mich war es ein Leckerbissen, diese Rolle zu spielen. Die Stimmung war sehr gut und vor allem hoch professionell. Die schwierigen Stimmungen legten sich hin und wieder auf das Gemüt des Teams, doch es war nicht hinderlich.

Ann-Kathrin Kramer: Die Arbeit war sehr konzentriert und intensiv. Bei manchen Szenen übertrug sich die Stimmung auch mehr als sonst auf das Team. Das war für uns Schauspieler durchaus hilfreich. „Drehen wir den Nervenzusammenbruch noch eben vor dem Mittagessen?“ Solche Sätze hätte man an diesem Set nicht zu hören gekriegt.
 
Und wie konnten Sie am Ende des Drehtages Abstand davon nehmen?

Richy Müller: Wie in jeder Rolle finde ich direkt nach Drehschluss Abstand, da ich den Drehort nicht als Schauspieler, sondern als Richy Müller verlasse.

Ann-Kathrin Kramer: Der Ausgleich nach Drehschluss ist ganz wichtig. Ich nenne das gern „Seelenhygiene“. Da hat ja jeder Schauspieler seine eigene Art, damit umzugehen und Abstand zu gewinnen. Ich heul manchmal einfach ‘ne Runde, um die Geister, die ich rief, wieder loszuwerden.

21.9.2011, 0.00 Uhr

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